<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd" xmlns:googleplay="http://www.google.com/schemas/play-podcasts/1.0"><channel><title><![CDATA[Geld für die Welt]]></title><description><![CDATA[Analysen und Kommentare rund um Wirtschaft, Geld und Politik.]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de</link><image><url>https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!FNrG!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fbucketeer-e05bbc84-baa3-437e-9518-adb32be77984.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Facabbecf-2979-4294-ab39-bc7900083e80_1280x1280.png</url><title>Geld für die Welt</title><link>https://www.geldfuerdiewelt.de</link></image><generator>Substack</generator><lastBuildDate>Fri, 12 Jun 2026 16:55:10 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://www.geldfuerdiewelt.de/feed" rel="self" type="application/rss+xml"/><copyright><![CDATA[Maurice Höfgen]]></copyright><language><![CDATA[de]]></language><webMaster><![CDATA[mauricehoefgen@substack.com]]></webMaster><itunes:owner><itunes:email><![CDATA[mauricehoefgen@substack.com]]></itunes:email><itunes:name><![CDATA[Maurice Höfgen]]></itunes:name></itunes:owner><itunes:author><![CDATA[Maurice Höfgen]]></itunes:author><googleplay:owner><![CDATA[mauricehoefgen@substack.com]]></googleplay:owner><googleplay:email><![CDATA[mauricehoefgen@substack.com]]></googleplay:email><googleplay:author><![CDATA[Maurice Höfgen]]></googleplay:author><itunes:block><![CDATA[Yes]]></itunes:block><item><title><![CDATA[Diese Kürzungen sind ein Angriff auf Mütter]]></title><description><![CDATA[K&#252;rzungen beim Eltern- und beim Kinderkrankengeld verfestigen Anreize, die M&#252;tter zu unbezahlter Sorgearbeit dr&#228;ngen. Das Gegenteil w&#228;re richtig]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/diese-kurzungen-sind-ein-angriff</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/diese-kurzungen-sind-ein-angriff</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Tue, 26 May 2026 15:41:52 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/51f8e036-c34d-4fdf-a86f-8e99a8edd9ef_7008x4672.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Die Bundesregierung will beim Elterngeld und beim Kinderkrankengeld k&#252;rzen. Ausgerechnet da, wo das bestehende System schon heute massive Fehlanreize setzt. Statt Sorgearbeit gerecht zu verteilen, dr&#228;ngt es vor allem M&#252;tter in unbezahlte Care-Arbeit &#8211; mit allen bekannten Folgen: geringere Einkommen, schlechtere Karrierechancen, niedrigere Renten (von toxischen Abh&#228;ngigkeiten, die daraus entstehen, ganz zu schweigen). Nur: Wo bleibt der Aufschrei?</p><p>Statt angez&#252;ndeten Windeln vor dem Bundeskanzleramt gibt es nur vereinzelt w&#252;tende Kolumnen (geschrieben von: Frauen) und 0815-Pressemitteilungen (herausgegeben von: Sozialverb&#228;nden). Vielleicht, weil uns allen ganze Zeit eingetrichtert wird, dass nun mal gespart werden und der Sozialstaat verkleinert werden m&#252;sse (Augenroll-Emoji)? Oder weil Eltern- und Kinderkrankengeld halt &#252;berwiegend von M&#252;ttern bezogen werden &#8211; und sich zu wenig M&#228;nner und V&#228;ter daf&#252;r verantwortlich f&#252;hlen? Warum auch immer, der fehlende Aufschrei ist falsche Zur&#252;ckhaltung. Denn diese K&#252;rzungen gehen alle an &#8211; zumal in einer alternden Gesellschaft, die um ihren Wohlstand f&#252;rchtet!</p><div class="pullquote"><p>Deutschland braucht ein grunds&#228;tzlich anderes Modell: 100 Prozent Elterngeld und 100 Prozent Kinderkrankengeld.</p></div><h2>Inflationsausgleich? Und 100 Prozent!</h2><p>Ein Blick in den Koalitionsvertrag l&#228;sst einen zu den Vorhaben beim Elterngeld verwirrt die Stirn runzeln. &#8222;Wir wollen die Einkommensgrenze sowie den Mindest- und H&#246;chstbetrag sp&#252;rbar anheben&#8220;, hie&#223; es dort gro&#223;spurig. Passiert ist das Gegenteil. Seit der Einf&#252;hrung des Elterngelds 2007 wurden Mindest- und H&#246;chstbetrag nie an die Inflation angepasst. Das Elterngeld hat dadurch mittlerweile fast die H&#228;lfte seiner Kaufkraft verloren. Und jetzt sollen auch noch f&#252;r den n&#228;chsten Bundeshaushalt 350 Millionen Euro eingespart werden?</p><p>Besonders absurd wird das beim Blick auf die Verteilung. Rund 1,61 Millionen Menschen bezogen im vergangenen Jahr Elterngeld. Mehr als jedes sechste Elternpaar erh&#228;lt den H&#246;chstbetrag, jedes f&#252;nfte lediglich den Mindestbetrag. Mehr als ein Drittel aller Familien ist also direkt von dem fehlenden Inflationsausgleich betroffen. Wer wenig verdient, bekommt mit dem Mindestbetrag kaum genug zum Leben. Wer etwas mehr verdient, l&#228;uft in den gedeckelten H&#246;chstbetrag und verliert real Jahr f&#252;r Jahr Kaufkraft.</p><p>65 Prozent des vorherigen Nettoverdienstes ersetzt das Elterngeld heute in der Regel &#8211; gedeckelt auf maximal 1.800 Euro. Mindestens gibt es 300 Euro. Betr&#228;ge, die heute vielerorts kaum die Miete decken. &#220;berhaupt: Das System zementiert die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit. Denn statistisch verdienen M&#228;nner im Durchschnitt noch immer mehr als Frauen. Die Folge: In vielen Familien &#252;bernimmt die Mutter die l&#228;ngere Elternzeit, weil der Verdienstausfall dort geringer ist. Dasselbe gilt f&#252;r Kinderkrankentage. Wenn das Kind krank ist, bleibt meist die Mutter zuhause &#8211; nicht weil Eltern das unbedingt gerecht finden, sondern weil das System finanzielle Zw&#228;nge schafft. Wer echte Gleichstellung will, darf Sorgearbeit nicht l&#228;nger bestrafen.</p><p>Deshalb braucht es nicht nur endlich den seit 2007 &#252;berf&#228;lligen Inflationsausgleich. Deutschland braucht ein grunds&#228;tzlich anderes Modell: 100 Prozent Elterngeld und 100 Prozent Kinderkrankengeld.</p><p>Wer Kinder bekommt oder ein krankes Kind pflegt, leistet gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit. Warum sollen Familien daf&#252;r finanziell abgestraft werden? Warum behandeln wir Erwerbsarbeit als vollwertig, Sorgearbeit aber als privaten Luxus? Die Wahrheit ist: Gute Sorgearbeit erm&#246;glicht erst gute Erwerbsarbeit. Gegen die geplanten K&#252;rzungen sollten also nicht nur Sozialverb&#228;nde schimpfen &#8211; sondern auch die Arbeitgeberlobby!</p><div class="pullquote"><p>W&#228;hrend in Deutschland viele V&#228;ter nur die symbolischen zwei &#8222;Partnermonate&#8220; nehmen, teilen in Norwegen inzwischen neun von zehn V&#228;tern die Elternzeit mit der Mutter. </p></div><h2>Von Norwegen lernen</h2><p>Ein Blick nach Norwegen zeigt, dass es anders geht. Dort k&#246;nnen Eltern zwischen 49 Wochen Elternzeit mit 100 Prozent Lohnersatz oder 59 Wochen mit 80 Prozent w&#228;hlen. Die Folgen sind enorm: W&#228;hrend in Deutschland viele V&#228;ter nur die symbolischen zwei &#8222;Partnermonate&#8220; nehmen, teilen in Norwegen inzwischen neun von zehn V&#228;tern die Elternzeit mit der Mutter. Noch vor zwanzig Jahren waren es gerade einmal zwei Prozent.</p><p>Der Unterschied ist nicht kulturell, sondern finanziell. In Norwegen bedeutet Elternzeit f&#252;r viele Familien keinen drastischen Einkommensverlust. Genau deshalb nehmen deutlich mehr M&#228;nner Elternzeit &#8211; und &#252;bernehmen sp&#228;ter auch dauerhaft mehr Sorgearbeit. Studien zeigen laut norwegischen Forschern, dass V&#228;ter, die l&#228;nger Elternzeit nehmen, sich auch danach st&#228;rker an Kinderbetreuung und Haushalt beteiligen. Das wiederum wirkt sich positiv auf die berufliche Karriere und die Gesundheit der M&#252;tter aus, die sonst h&#228;ufig wegen alleiniger Sorgearbeit k&#246;rperlich und mental ausbrennen (ich erspare uns hier die vielen erschrecken Details, aber empfehle w&#228;rmstens dieses <a href="https://www.ullstein.de/werke/was-wollt-ihr-denn-noch-alles/hardcover/9783548068244">Buch</a> von Alexandra Zykunov).</p><p>Deutschland dagegen produziert mit seinem 65-Prozent-Modell genau das Gegenteil &#8211; und befeuert die Ungleichheit. Um die zu &#252;berkommen, braucht es im Bundeshaushalt mehr (!) Geld f&#252;r Eltern &#8211; nicht weniger. Die K&#252;rzungen verbieten sich nicht nur, weil eigentlich ein Inflationsausgleich versprochen war, sondern auch (und vor allem) weil das System die Vergangenheit zementiert. Zulasten von M&#252;ttern.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.geldfuerdiewelt.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"><em><strong>Als unabh&#228;ngiger Autor bin ich auf zahlende Leser angewiesen. Wenn Du meine Arbeit unterst&#252;tzen kannst und m&#246;chtest, geht es hier zum Abo! :-)</strong></em></p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Vergesst die Einkommensteuer!]]></title><description><![CDATA[Statt mit Merz einen faulen Kompromiss bei der Einkommensteuer auszuhandeln, sollte die SPD &#252;ber Sozialabgaben entlasten. Das h&#228;tte drei gro&#223;e Vorteile]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/vergesst-die-einkommensteuer</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/vergesst-die-einkommensteuer</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Wed, 20 May 2026 06:43:19 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/4b1b9260-c7ec-4e75-b35e-607692bdc3ea_6000x4000.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Finanzminister Lars Klingbeil hat sich verrannt. Ausgerechnet die Einkommensteuerreform hat er zum Herzst&#252;ck seiner Entlastungspolitik gemacht &#8212; gemeinsam mit der Union. Das verkauft er als gro&#223;en Wurf f&#252;r die &#8222;arbeitende Mitte&#8220;. Tats&#228;chlich droht das aber ein politischer und sozialer Flop zu werden. Denn erstens ist v&#246;llig offen, ob eine solche Reform &#252;berhaupt durch den Bundesrat kommt. Zweitens profitieren von Einkommensteuersenkungen strukturell vor allem h&#246;here Einkommen. Und drittens g&#228;be es l&#228;ngst eine viel bessere M&#246;glichkeit, mit dem Geld kleine und mittlere Einkommen sp&#252;rbar zu entlasten: niedrigere Krankenkassenbeitr&#228;ge.</p><div class="pullquote"><p>F&#252;r kleine und mittlere Einkommen ist nicht die Einkommensteuer das Hauptproblem, sondern die Sozialabgaben.</p></div><h2>M&#246;gliche H&#252;rde: Bundesrat</h2><p>Das erste Problem hei&#223;t Bundesrat. Immer wenn der Bund die Einkommensteuer senkt, verlieren automatisch auch L&#228;nder und Kommunen Einnahmen. Denn die Einkommensteuer geh&#246;rt nicht allein dem Bund. Von jedem Euro flie&#223;en derzeit 42,5 Prozent an den Bund, 42,5 Prozent an die L&#228;nder und 15 Prozent an die Kommunen. Eine Entlastung &#252;ber die Einkommensteuer rei&#223;t deshalb &#252;berall L&#246;cher in die Haushalte. Und genau dort ist die finanzielle Lage ohnehin angespannt. St&#228;dte schlie&#223;en Schwimmb&#228;der und Bibliotheken, verschieben Investitionen und k&#228;mpfen mit strengen Sparauflagen der L&#228;nder. Die wiederum suchen verzweifelt nach Einsparm&#246;glichkeiten, um ihre Haushalte in die Schuldenbremse zu pressen.</p><p>Die Frage stellt sich: Warum sollten Ministerpr&#228;sidenten freiwillig Milliardenverluste akzeptieren, nur damit Berlin eine Steuerreform verkaufen kann? Schon beim sogenannten Krisenbonus gab es massiven Widerstand aus L&#228;ndern und Kommunen. Trotzdem stellt Klingbeil jetzt erneut eine Reform in Aussicht, die am Ende sehr wahrscheinlich im F&#246;deralismus stecken bleibt. Politisch ist das hochriskant. Wer gro&#223;e Entlastungen ank&#252;ndigt und sie anschlie&#223;end nicht liefern kann, produziert Frust statt Vertrauen.</p><h2><strong>&#8220;Kleine und mittlere Einkommen&#8221;</strong></h2><p>Hinzu kommt das zweite Problem: Entlastungen bei der Einkommensteuer helfen h&#246;heren Einkommen &#252;berproportional. Das liegt am progressiven Steuertarif. Wer hohe Einkommen hat, zahlt h&#246;here Grenzsteuers&#228;tze &#8212; und profitiert deshalb st&#228;rker von Tarifsenkungen oder h&#246;heren Freibetr&#228;gen.</p><p>Zwei Zahlen liefern den Beweis. Die zehn Prozent mit den h&#246;chsten Einkommen tragen 57 Prozent des Einkommensteueraufkommens. Die obere H&#228;lfte sogar rund 93,5 Prozent &#8211; also fast alles. Lars Klingbeil und die SPD machen sich und ihren W&#228;hler also etwas vor, wenn sie behaupten, &#252;ber die Einkommensteuer kleine und mittlere Einkommen zu entlasten.</p><p>Und die Union weigert sich gleichzeitig beharrlich, die Grenzsteuers&#228;tze f&#252;r hohe Einkommen anzuheben. Einen h&#246;heren Spitzen- oder Reichensteuersatz lehnt sie ab. Und wenn &#252;berhaupt Bewegung signalisiert wird, dann meist nur mit dem n&#228;chsten Steuergeschenk f&#252;r Besserverdienende: der Abschaffung des Solidarit&#228;tszuschlags.</p><p>Das w&#228;re ein fataler Deal. Denn vom Soli profitieren fast ausschlie&#223;lich hohe Einkommen und Unternehmen. F&#252;r normale Arbeitnehmer spielt er kaum noch eine Rolle. Die SPD darf sich auf einen Deal nach dem Motto &#8222;Reichensteuer hoch, daf&#252;r Soli weg&#8220; nicht einlassen. Das w&#228;re eine K&#246;rperschafts- und Kapitalertragssteuersenkung durch die Hintert&#252;r, die den Reichsten zugutekommt.</p><p>Schon einfache Rechnungen zeigen, wo die eigentliche Belastung f&#252;r normale Einkommen liegt. Wer 2.500 Euro brutto im Monat verdient, zahlt ungef&#228;hr 200 Euro Einkommensteuer, aber rund 530 Euro Sozialabgaben f&#252;r Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Bei 4.000 Euro brutto liegen die Sozialabgaben bereits bei etwa 850 Euro im Monat, die Einkommensteuer dagegen bei ungef&#228;hr 530 Euro. Die genauen Zahlen weichen je nach Krankenkasse, Steuerklasse und so weiter nat&#252;rlich etwas ab, aber klar ist: F&#252;r kleine und mittlere Einkommen ist nicht die Einkommensteuer das Hauptproblem, sondern die Sozialabgaben.</p><h2>Statt Einkommensteuer: Krankenkassenbeitr&#228;ge runter!</h2><p>Genau deshalb w&#228;re eine Senkung der Krankenkassenbeitr&#228;ge die deutlich bessere L&#246;sung. Anders als bei der Einkommensteuer braucht der Bund daf&#252;r weder L&#228;nder noch Kommunen und auch keine Zustimmung des Bundesrats. H&#246;here Bundeszusch&#252;sse zur gesetzlichen Krankenversicherung k&#246;nnte die Bundesregierung direkt aus dem Bundeshaushalt finanzieren &#8211; und so den gesetzlichen Kassen sinkende Beitragss&#228;tze erm&#246;glichen.</p><p>Eigentlich ist das nicht einmal eine neue Idee, sondern ein altes Versprechen. Seit Jahren wird dar&#252;ber diskutiert und in Koalitionsvertr&#228;gen versprochen, versicherungsfremde Leistungen st&#228;rker aus Steuermitteln zu finanzieren &#8212; etwa die Corona-Mehrkosten der Krankenkassen oder die Gesundheitskosten von B&#252;rgergeldempf&#228;ngern. Beides wird bisher nur unzureichend aus dem Bundeshaushalt kompensiert, gerade die Coronakrise hat gro&#223;e L&#246;cher gerissen und die Reserven geschmolzen (Danke an Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn).</p><p>Eine Entlastung &#252;ber die gesetzlichen Krankenkassenbeitr&#228;ge h&#228;tte gleich mehrere Vorteile. Erstens w&#228;re sie sozial treffsicherer. Denn anders als bei der Einkommensteuer gibt es bei Sozialabgaben keinen progressiven Tarif und nicht einmal einen Freibetrag. Der Beitragssatz ist f&#252;r normale Einkommen praktisch flach. Gleichzeitig existiert oben eine Beitragsbemessungsgrenze. Wer sehr viel verdient, zahlt relativ gesehen also sogar weniger &#8211; oder ist privat versichert. Sinkende Krankenkassenbeitr&#228;ge entlasten kleine und mittlere Einkommen deshalb viel zielsicherer als Einkommensteuersenkungen.</p><p>Zweitens lie&#223;en sich damit auch die umstrittenen (und aus meiner Sicht falschen) K&#252;rzungen und Belastungen im Gesundheitssystem politisch besser vermitteln. Die Regierung argumentiert derzeit sinngem&#228;&#223;: Wir k&#252;rzen Leistungen, damit die Beitr&#228;ge nicht noch st&#228;rker steigen. Das mag haushaltstechnisch stimmen. Psychologisch ist das aber eine schlechte Strategie. Menschen empfinden verhinderte Belastungen nicht als Gewinn. Sichtbare Entlastungen dagegen schon.</p><p>Bei einer Entlastung &#252;ber die Krankenkassenbeitr&#228;ge k&#246;nnte die Regierung kommunizieren: &#8222;Ja, ihr m&#252;sst k&#252;nftig etwas mehr f&#252;r Medikamente zahlen, daf&#252;r sinken eure Beitr&#228;ge und ihr habt netto mehr&#8220; &#8212; das w&#228;re zumindest nachvollziehbar. Niemand freut sich dagegen &#252;ber eine hypothetische Beitragserh&#246;hung, die angeblich verhindert wurde. Sagt denen das niemand, der sich mit Presse und Kommunikation auskennt?</p><p>Die SPD hat sich verrannt und sollte ihren Kurs korrigieren. Keine Einkommensteuerreform mit der Union. Keine neuen Milliardenversprechen, die sp&#228;ter im Bundesrat scheitern k&#246;nnten und von denen vor allem hohe Einkommen profitieren. Entlastung muss da kommen, dann dort, wo sie f&#252;r die Mehrheit wirklich sp&#252;rbar ist: bei den Sozialabgaben!</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.geldfuerdiewelt.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"><em><strong>Als unabh&#228;ngiger Autor bin ich auf zahlende Leser angewiesen. Wenn Du meine Arbeit unterst&#252;tzen kannst und m&#246;chtest, geht es hier zum Abo! :-)</strong></em></p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Mythos: Rasenmäher-Methode]]></title><description><![CDATA[Aus Verzweiflung wollen hochrangige CDU-Politiker mit dem Rasenm&#228;her Subventionen k&#252;rzen. Doch der ist ein blindes B&#252;rokratiemonster]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/mythos-rasenmaher-methode-spahn-linnemann-subventionen-cdu</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/mythos-rasenmaher-methode-spahn-linnemann-subventionen-cdu</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Thu, 14 May 2026 10:12:08 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/0a5da5c4-1a5b-4913-acca-b58b85dbf7d9_6000x4000.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Schwarz-Rot bekommt den Haushalt kaum noch in die Schuldenbremse gepresst. Die wirtschaftliche Stagnation dr&#252;ckt auf die Steuereinnahmen, der Irankrieg macht zus&#228;tzliche Ausgaben notwendig und trotzdem will die Regierung nicht von Entlastungen bei der Einkommensteuer ablassen. Vor allem die Union sucht deshalb zunehmend verzweifelt nach neuen Wegen, um die Haushaltsl&#252;cke irgendwie zu schlie&#223;en. Und so erlebt gerade eine alte neoliberale Lieblingsidee ihr Comeback: die sogenannte Rasenm&#228;her-Methode.</p><p>Die Idee klingt bestechend einfach. Alle Subventionen und Steuerverg&#252;nstigungen pauschal um f&#252;nf oder zehn Prozent k&#252;rzen &#8211; fertig ist die Haushaltskonsolidierung. Keine m&#252;hsamen Debatten &#252;ber einzelne F&#246;rderungen, keine politischen Konflikte, keine Priorit&#228;tensetzung. Einfach den &#8222;Rasenm&#228;her&#8220; anwerfen und einmal quer durch das Subventionstableau fahren.</p><div class="pullquote"><p>Ironischerweise verkaufen ausgerechnet jene Leute die Methode als B&#252;rokratieabbau, die damit die gr&#246;&#223;te b&#252;rokratische Operation der letzten Jahrzehnte lostreten w&#252;rden.</p></div><p>Genau das fordern derzeit Politiker und &#214;konomen aus dem neoliberalen und libert&#228;ren Lager. Jens Spahn, CDU-Fraktionschef, sagte etwa bei <em>Table.Briefings</em>: &#8222;Ich pers&#246;nlich komme immer mehr dahin, dass eine pauschale K&#252;rzung, ein pauschales Abschmelzen bei allen Subventionen und Steuerverg&#252;nstigungen um f&#252;nf Prozent der richtige Weg ist.&#8220; Das habe, so Spahn weiter, wahrscheinlich &#8222;eine h&#246;here Akzeptanz, als sich einzeln durch jede Subvention durchzuarbeiten&#8220;.</p><p>CDU-Generalsekret&#228;r Carsten Linnemann, &#214;konom Lars Feld und die Pr&#228;sidentin des Lobbyvereins <em>Die Familienunternehmer</em> Marie-Christine Ostermann gehen sogar weiter und fordern K&#252;rzungen von zehn Prozent quer durch alle Subventionen und Steuerverg&#252;nstigungen.</p><p>Genau darin steckt allerdings der Denkfehler.</p><h2>Der Rasenm&#228;her ist ein B&#252;rokratiemonster</h2>
      <p>
          <a href="https://www.geldfuerdiewelt.de/p/mythos-rasenmaher-methode-spahn-linnemann-subventionen-cdu">
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          </a>
      </p>
   ]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Eine Milliarde weniger Wohngeld, irgendwie]]></title><description><![CDATA[Die SPD will ausgerechnet das Wohngeld radikal k&#252;rzen, wei&#223; aber noch nicht wie. Die Folgen: mehr Armut, weniger Glaubw&#252;rdigkeit]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/eine-milliarde-weniger-wohngeld-irgendwie-spd-hubertz-klingbeil</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/eine-milliarde-weniger-wohngeld-irgendwie-spd-hubertz-klingbeil</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Wed, 06 May 2026 14:59:13 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/f6eb2090-2fea-464c-9fe4-7bc1059bcaf3_5315x3543.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Friedrich Merz beklagt, die Union komme in der Koalition zu wenig vor und die SPD m&#252;sse mehr Kompromisse eingehen. Man fragt sich unweigerlich: Wie viel mehr eigentlich noch? Die Union hat zahlreiche Themen durchgesetzt &#8211; von rechtswidriger Asylwende bis zur gr&#246;&#223;ten Unternehmenssteuersenkung der letzten zwei Jahrzehnte &#8211;, die SPD dagegen lediglich die Verl&#228;ngerung der Mietpreisbremse und das Tariftreuegesetz. Keine 15 Euro Mindestlohn, keinen Inflationsausgleich beim Elterngeld, keine Reform der Schuldenbremse &#8211; die Liste ist lang.</p><p>Tats&#228;chlich hat die SPD mit der Union sogar Reformen kassiert, die sie selbst unter der Ampel als &#8222;Meilenstein&#8220; errungen hat. Und nach dem B&#252;rgergeld und der Krankenhausreform steht nun offenbar das Wohngeld auf der Abschussliste. Ausgerechnet jene Leistung also, die Millionen Menschen vor &#220;berforderung durch explodierende Mieten sch&#252;tzt.</p><div><hr></div><p><em>Anzeige</em></p><p><em><strong>Komm auf die gute Seite der Energie! Die Katastrophe von Tschernobyl hat eins klargemacht: Atomkraft ist keine Option. Darum stehen die EWS Sch&#246;nau seit &#252;ber 30 Jahren f&#252;r 100 % echten &#214;kostrom, Energiewende in B&#252;rgerhand und gemeinsames Handeln statt kollektiver Ohnmacht. <a href="https://ews.jetzt/Geld-f%C3%BCr-die-Welt">Jetzt wechseln!</a></strong></em></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://ews.jetzt/Geld-f%C3%BCr-die-Welt" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!DROe!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F4fa6be24-cbda-4090-9401-8ce52f23cb07_1280x426.png 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!DROe!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F4fa6be24-cbda-4090-9401-8ce52f23cb07_1280x426.png 848w, 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class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg role="img" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><title></title><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a><figcaption class="image-caption"><a href="https://ews.jetzt/Geld-f%C3%BCr-die-Welt">Jetzt wechseln!</a></figcaption></figure></div><div><hr></div><p>Der Hintergrund: Weil die Union der SPD die Reform der Schuldenbremse verweigert (obwohl im Koalitionsvertrag vereinbart), klaffen immer gr&#246;&#223;ere L&#246;cher im Bundeshaushalt. Finanzminister Lars Klingbeil wird deswegen vom selbsternannten Investitionsminister zum Sparkommissar und verpflichtet s&#228;mtliche Ministerien zu pauschalen Einsparungen. Bauministerin Verena Hubertz (ebenfalls SPD) nimmt das zum Anlass, um eine Milliarde Euro beim Wohngeld einsparen. </p><p>Zur Einordnung: Bund hat dieses Jahr 2,4 Milliarden Euro f&#252;r das Wohngeld eingeplant. Nochmal so viel zahlen die Bundesl&#228;nder, die sich die Kosten mit dem Bund h&#228;lftig teilen. Eine Milliarde einzusparen, bedeutet also eine K&#252;rzung um mehr als ein F&#252;nftel. Wie genau das funktionieren soll, wei&#223; offenbar niemand. Das Ministerium teilt lediglich mit, man werde die Vorgaben &#8222;durch eine Neustrukturierung des Wohngeldes erf&#252;llen&#8220;. Ob k&#252;nftig weniger Menschen Anspruch haben, die Leistungen sinken oder schlicht an anderer Stelle gek&#252;rzt wird, bleibt offen.</p><h2>Weniger Wohngeld hei&#223;t mehr Armut</h2><p>Dabei handelt es sich beim Wohngeld nicht um irgendeinen luxuri&#246;sen Zuschuss, sondern um eine zielgenaue Sozialleistung. Wohngeld bekommen Menschen, die keine Grundsicherung beziehen, aber trotzdem Schwierigkeiten haben, ihre Wohnkosten zu stemmen: Familien, Alleinerziehende, Rentner, Besch&#228;ftigte mit niedrigen Einkommen. Ende 2024 bezogen 1,2 Millionen Haushalte Wohngeld, im Schnitt 287 Euro pro Monat. Und anders als viele andere Instrumente funktioniert das Wohngeld tats&#228;chlich pr&#228;zise. Die Mietpreisbremse etwa kommt auch Gutverdienern zugute. Wohngeld dagegen orientiert sich an Einkommen, Mieth&#246;he und Wohnort. Wenn das Einkommen steigt oder f&#228;llt, wird die Unterst&#252;tzung angepasst. Genau deshalb ist es treffsicherer als starre F&#246;rdermodelle oder pauschale Subventionen. Es hilft gezielt &#8211; und solange Hilfe n&#246;tig ist.</p><p>Dass die SPD nun ausgerechnet hier sparen will, ist besonders absurd, weil dieselbe Partei die Wohngeldreform 2023 (in der Ampel) noch als &#8222;historischen sozialpolitischen Meilenstein&#8220; gefeiert hat. Unter Hubertz&#8217; Vorg&#228;ngerin Klara Geywitz (auch SPD) wurden erstmals die warmen Nebenkosten ber&#252;cksichtigt und der Kreis der Anspruchsberechtigten massiv ausgeweitet &#8211; von rund 600.000 auf etwa zwei Millionen Haushalte. Der Grund war offensichtlich: steigende Energiepreise, steigende Mieten, Wohnungsnot und eine immer gr&#246;&#223;ere Belastung f&#252;r Mieterhaushalte. Im Schnitt geben Mieter inzwischen fast 28 Prozent ihres Einkommens f&#252;r die Miete aus, in Gro&#223;st&#228;dten und bei Geringverdienern deutlich mehr.</p><p>Dass der Empf&#228;ngerkreis also nur 1,2 Millionen Haushalte umfasst und nicht die bei der letzten Reform angek&#252;ndigten zwei Millionen, zeigt zudem: das Wohngeld kommt noch gar nicht &#252;berall an. Weil der Antrag b&#252;rokratisch ist, weil viele Haushalte nicht wissen, was ihnen zusteht, weil viele sich sch&#228;men, Unterst&#252;tzung vom Amt beantragen zu m&#252;ssen. Und weil die Kommunen mit der Antragsbearbeitung &#252;berfordert sind. Daran m&#252;sste man als SPD etwas &#228;ndern, bevor man schon wieder den Rotstift z&#252;ckt! </p><h2>Sparen am falschen Ende</h2><p>Noch gravierender ist aber ein anderer Punkt: Im Zuge einer echten Sozialstaatsreform m&#252;sste das Wohngeld eigentlich nicht billiger, sondern teurer werden. Das deutsche Transfersystem hat ein massives Problem mit hohen Transferentzugsraten. Wer mehr arbeitet oder etwas mehr verdient, verliert oft sehr schnell Anspruch auf Sozialleistungen wie das Wohngeld. Genau das reduziert die &#246;konomischen Arbeitsanreize, wie selbst Konservative h&#228;ufig bem&#228;ngeln. Menschen erleben dann faktisch, dass sich zus&#228;tzliche Arbeitsstunden kaum lohnen, weil h&#246;here Einkommen sofort mit dem Verlust von Leistungen verrechnet werden.</p><p>Gerade beim Wohngeld lie&#223;e sich das besser machen. Statt die Unterst&#252;tzung abrupt zur&#252;ckzufahren, m&#252;sste sie langsamer auslaufen. Wer sein Einkommen steigert, sollte nicht sofort gro&#223;e Teile der Hilfe verlieren. Das w&#252;rde Arbeit attraktiver machen, Aufstieg erleichtern und zugleich verhindern, dass Menschen trotz Erwerbst&#228;tigkeit in finanzielle Unsicherheit geraten. Eine moderne Sozialreform m&#252;sste deshalb genau dort investieren: in gleitende &#220;berg&#228;nge statt harter K&#252;rzungskanten. Nur dann m&#252;sste der Staat eben mehr Milliarden f&#252;rs Wohngeld einplanen &#8211; und nicht weniger.</p><p>Doch statt &#252;ber intelligentere Anreize zu sprechen, diskutiert die SPD wieder einmal &#252;ber Einsparungen bei der eigenen Sozialpolitik. Das Problem auf dem Wohnungsmarkt sind nicht zu hohe Wohngeldausgaben, sondern zu wenige Wohnungen und jahrzehntelange politische Vers&#228;umnisse. Wer jetzt beim Wohngeld k&#252;rzt, bek&#228;mpft nicht die Krise &#8211; sondern ihre Opfer.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.geldfuerdiewelt.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"><em><strong>Als unabh&#228;ngiger Autor bin ich auf zahlende Leser angewiesen. Wenn Du meine Arbeit unterst&#252;tzen kannst und m&#246;chtest, geht es hier zum Abo! :-)</strong></em></p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p></p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Erst X, dann die Schuldenbremse?]]></title><description><![CDATA[Gut, dass SPD, Gr&#252;ne und Linke gemeinsam X verlassen. Besser aber w&#228;re: eine gemeinsame Strategie gegen konservative Finanzpolitik]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/erst-x-dann-die-schuldenbremse-verlassen-spd-gruene-linke</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/erst-x-dann-die-schuldenbremse-verlassen-spd-gruene-linke</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Mon, 04 May 2026 16:17:18 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/c25fcfe0-fa3f-4068-8d1f-eb9034e73515_4724x3142.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Ich muss gestehen, diese Schlagzeile hat Euphorie in mir geweckt: &#8222;SPD, Gr&#252;ne und Linke verlassen gemeinsam die Plattform X&#8220;. Nicht nur, weil die Begr&#252;ndung f&#252;r diesen Schritt richtig ist (X ist unter Musk im Chaos versunken und zur Plattform f&#252;r Desinformation geworden, die von rechten Trollen dominiert wird). Sondern weil es ein gemeinsamer (!) Schritt ist. SPD, Gr&#252;ne und Linke haben sich verabredet, abgestimmt und gemeinsam etwas durchgezogen. Wie das nur w&#228;re, Rot-Rot-Gr&#252;n statt fauler Kompromisse mit Friedrich Merz oder Christian Lindner. Die Vision einer linken Regierungsmehrheit, die progressive Reformen umsetzt, es gibt sie noch, sie lebt.</p><p>Dachte ich kurz, ganz kurz. Bis meine eigene Naivit&#228;t von einem Realit&#228;tscheck eingeholt wurde. So richtig der gemeinsame X-Austritt ist &#8211; er kratzt nur an der Oberfl&#228;che. Denn w&#228;hrend Rot-Rot-Gr&#252;n bei Social Media Haltung zeigt, fehlt genau diese Geschlossenheit an anderer, entscheidender Stelle: bei der Finanzpolitik.</p><p>CDU, FDP und AfD sprechen finanzpolitisch aus einem Guss. Ihr Narrativ ist simpel und wirkm&#228;chtig: Staatsschulden sind schlecht, sie belasten zuk&#252;nftige Generationen, und wenn &#252;berhaupt, dann darf man sie nur f&#252;r Autobahnen oder Panzer machen. Stattdessen soll der Staat sparen und k&#252;rzen. Dieses konservative Dogma sitzt &#8211; tief in den K&#246;pfen, tief in der Berichterstattung, tief in der Politik.</p><div class="pullquote"><p>Denn ohne Deutungshoheit in der Geldfrage bleibt jede progressive Politik St&#252;ckwerk. </p></div><p>Und was macht die progressive Seite? Sie spielt dieses Spiel viel zu oft mit. Im Bundesministerium der Finanzen tr&#228;gt die SPD diese Logik weitgehend mit. Lars Klingbeil &#252;berschreibt seinen Haushalt mit &#8222;investieren, reformieren, konsolidieren&#8220; und schw&#246;rt die Bev&#246;lkerung seit l&#228;ngerem auf Verzicht ein. Die Kommission zur Reform der Schuldenbremse ist zerstritten. Eigentlich sollte ihr Ergebnis l&#228;ngst vorliegen, jetzt ist am wahrscheinlichsten, dass nach der n&#228;chsten Sitzung in zwei Wochen &#8222;kein Ergebnis&#8220; als Ergebnis pr&#228;sentiert wird. Klingbeil liefert den progressiven &#214;konomen in der Kommission &#246;ffentlich keine Unterst&#252;tzung. Er traut sich nicht einmal zu fordern, die Notfallklausel der Schuldenbremse wegen des Irankriegs zu ziehen &#8211; und schickt daf&#252;r seinen Fraktionschef Miersch vor.</p><p>Dar&#252;ber wiederum echauffiert sich die Gr&#252;nen-Chefin Brantner. Und zwar &#8211; wie so h&#228;ufig &#8211; mit konservativem Framing. &#8222;Diese Regierung hat so viel Geld wie keine zuvor und verballert es in Klientelgeschenke, statt wirklich die Reform anzugehen&#8220;, sagte sie im WELT-Nachrichtensender. Da d&#252;rfe &#8222;kein weiterer Schuldenpunkt&#8220; (was auch immer das ist?) draufkommen. Die Regierung handele unverantwortlich, so Brantner.</p><p>Was Brantner macht, passiert leider viel zu h&#228;ufig auch anderen aus den Gr&#252;nen oder den Linken. Sie verteufeln Schulden in konservativer Logik, um in der Opposition zu punkten. Das Problem daran: Es hilft am Ende genau den Falschen. N&#228;mlich FDP, CDU und AfD. Wer Staatsschulden prim&#228;r als Gefahr und Belastung framet, redet der Schuldenbremse und damit K&#252;rzungen das Wort.</p><p>Man stelle sich vor, SPD, Gr&#252;ne und Linke w&#252;rden nicht nur eine gemeinsame Strategie zur Abkehr von X beschlie&#223;en, sondern eine Strategie f&#252;r ein progressives Verst&#228;ndnis von Finanzpolitik und Staatsschulden abstimmen &#8211; und dann umsetzen. Eines, das den akuten K&#252;rzungsdruck d&#228;mpft, zugeschriebene Wirtschaftskompetenz zur&#252;ckgewinnt und zuk&#252;nftig Spielraum im Haushalt f&#252;r progressive Reformen schafft, die das Land nachhaltiger, moderner und gerechter machen!</p><div class="pullquote"><p>Genau hier br&#228;uchte es das, was beim X-Ausstieg funktioniert hat: ein gemeinsames Narrativ. </p></div><p>Die Argumente liegen daf&#252;r gerade auf der Hand. Wenn die Konjunktur schw&#228;chelt, muss der Staat Schulden machen. Punkt. Nicht als Ausnahme, sondern als &#246;konomische Notwendigkeit. Staatsschulden sind keine moralische Verfehlung, sondern die Kehrseite privater Verm&#246;gen. Was der Staat an Defiziten macht, landet als &#220;berschuss &#8211; als neue Ersparnisse &#8211; im Privatsektor. Gerade in einer Situation, in der Deutschlands Export&#252;bersch&#252;sse schrumpfen, wird das noch wichtiger. Wenn das Ausland weniger Schulden bei uns macht, (und die Unternehmen wegen leerer Auftragsb&#252;cher ihre Investitionen aufschieben) muss der Staat einspringen &#8211; sonst bricht Nachfrage weg. Das ist simple volkswirtschaftliche Logik. Logik, die man konsequent in Interviews, Talkshows und Pressekonferenzen betonen und verargumentieren muss.</p><p>Und ja: Schulden d&#252;rfen auch f&#252;r Entlastungen genutzt werden. F&#252;r kleine und mittlere Einkommen, f&#252;r stabile Kaufkraft, f&#252;r soziale Sicherheit. Wer das kategorisch ausschlie&#223;t, akzeptiert implizit eine Politik, die Ungleichheit versch&#228;rft. Das beweisen die letzten Jahre.</p><p>Genau hier br&#228;uchte es das, was beim X-Ausstieg funktioniert hat: ein gemeinsames Narrativ. Ein abgestimmtes, selbstbewusstes Gegenmodell zur konservativen Erz&#228;hlung. Immer wieder erkl&#228;rt, immer wieder verteidigt. Mit Ambition, mit Mut, mit makro&#246;konomischer Sachkenntnis.</p><p>Denn ohne Deutungshoheit in der Geldfrage bleibt jede progressive Politik St&#252;ckwerk. Dann werden Investitionen gegeneinander ausgespielt, Sozialausgaben delegitimiert und am Ende doch wieder K&#252;rzungen beschlossen &#8211; zulasten von Klimaschutz, Infrastruktur und Gerechtigkeit. Der Abschied von X ist ein Schritt raus aus der falschen &#214;ffentlichkeit. Der n&#228;chste m&#252;sste sein: rein in eine eigene, konsistente Erz&#228;hlung &#252;ber Geld, Staat und Schulden!</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.geldfuerdiewelt.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"><em><strong>Als unabh&#228;ngiger Autor bin ich auf zahlende Leser angewiesen. Wenn Du meine Arbeit unterst&#252;tzen kannst und m&#246;chtest, geht es hier zum Abo! :-)</strong></em></p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Schwarz-Rot wiederholt fatalen Ampel-Fehler]]></title><description><![CDATA[Warum Lars Klingbeil sich Rat von Robert Habeck holen sollte, um eine gef&#228;hrliche Abw&#228;rtsspirale zu vermeiden]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/schwarz-rot-wiederholt-fatalen-ampel</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/schwarz-rot-wiederholt-fatalen-ampel</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Tue, 28 Apr 2026 10:37:41 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/5b594cee-7096-4db9-b8cd-ae351187664d_4000x2668.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Oft sehen Politiker klarer, wenn sie hohe &#196;mter abgelegt haben. So auch Robert Habeck, Ex-Wirtschaftsminister. Als ich Anfang 2025 im <a href="https://youtu.be/zlnSaU0g5lw?si=b3XpeTaloSoHU-sc&amp;t=390">Interview</a> mit ihm &#252;ber die Fehler der Ampel gesprochen habe, war seine r&#252;ckblickende Einsch&#228;tzung zur Ampel erstaunlich klar: Nach Kriegsbeginn, sp&#228;testens im Herbst 2022, h&#228;tte ein Konjunkturprogramm kommen m&#252;ssen. &#8222;Ein Kaufprogramm f&#252;r E-Autos made in Europe oder ein richtig gro&#223;es Programm f&#252;r den sozialen Wohnungsbau&#8220;, so Habeck. Dass das ausgeblieben ist, sei der &#8222;entscheidende &#246;konomische Kardinalfehler&#8220; gewesen.</p><p>Was Habeck &#252;ber 2022 sagt, stimmt auch f&#252;r die Gegenwart. Heute stehen wir wieder in einer &#228;hnlichen Lage. Ein externer Schock &#8211; diesmal der Iran-Krieg &#8211; sorgt f&#252;r Unsicherheit, treibt Energiepreise, senkt die Kaufkraft und bremst Investitionen. Die &#246;konomische Logik w&#228;re dieselbe wie damals: Der Staat m&#252;sste gegensteuern, also Nachfrage sichern und die Binnenwirtschaft st&#252;tzen.</p><div><hr></div><p><em>Anzeige</em></p><p><em><strong>Das Wirtschaftsmagazin Surplus, bei dem ich Mit-Herausgeber bin, k&#246;nnt ihr jetzt f&#252;r nur 1 &#8364; testen und erhaltet damit auch die neueste Print-Ausgabe zum Thema &#8220;Wirtschaftsdemokratie&#8221; nach Hause. Dazu gibt es vollen Zugriff auf das Magazin-Archiv sowie alle Beitr&#228;ge und Analyse. Nur f&#252;r kurze Zeit. </strong></em></p><p><em><strong><a href="https://www.surplusmagazin.de/maurice/?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=s8_probe_abo_maurice">Hier</a> entlang!</strong></em></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://www.surplusmagazin.de/maurice/?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=s8_probe_abo_maurice" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!AHZK!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fe2554bf0-be5e-42e9-884a-111ea3aa601a_1280x850.png 424w, 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class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg role="img" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><title></title><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a><figcaption class="image-caption"><a href="https://www.surplusmagazin.de/maurice/?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=s8_probe_abo_maurice">Zum Probe-Abo von Surplus</a></figcaption></figure></div><div><hr></div><p>Doch Schwarz-Rot macht das Gegenteil. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche erteilte auf der Pressekonferenz zum Wachstumsbericht einer &#8222;expansiven Fiskalpolitik&#8220; eine klare Absage. Das w&#252;rde die Preise nur weiter nach oben treiben, so ihre Position, die sehr an die von Ex-Finanzminister Lindner damals erinnert. Heute &#8211; einen Tag, bevor im Koalitionsausschuss die Eckwerte des n&#228;chsten Haushaltes verhandelt werden &#8211; will die Unionsfraktion zudem ein Papier beschlie&#223;en, das strikte Sparpolitik zur Ma&#223;gabe macht. Wachstum m&#252;sse ohne neue Schulden gelingen, die Ausgaben m&#252;ssen an die Einnahmen angepasst werden, notfalls auch &#252;ber pauschale K&#252;rzung von Finanzhilfen.</p><p>Seit Wochen blockiert die Union zudem die eigentlich im Koalitionsvertrag vereinbarte Reform der Schuldenbremse. Die daf&#252;r zust&#228;ndige Kommission sollte eigentlich l&#228;ngst einen Vorschlag machen, ist aber tief zerstritten und kann sich auf keinen Kompromiss einigen. Und auch die Notlagenklausel der Schuldenbremse soll nicht genutzt werden. Daf&#252;r hatte SPD-Fraktionschef Miersch neulich vorsichtig geworben, ebenso wie Umweltminister Schneider. Nicht aber mit der Union. Sie will die klaffenden L&#246;cher im Bundeshaushalt als Druckmittel f&#252;r K&#252;rzungen am Sozialstaat nutzen.</p><p>Und so schlittert Schwarz-Rot allm&#228;hlich in die Ampel-Krise. Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag spielen keine Rolle mehr, &#246;ffentlich wird &#252;ber Reformen gestritten, Finanz- und Wirtschaftsministerium arbeiten gegeneinander statt miteinander, der Wirtschaft droht eine Rezession, die Umfragewerte der Parteien sinken, das Vertrauen in die Regierung schwindet und in der Presse wird schon dar&#252;ber gemunkelt, ob Schwarz-Rot &#252;berhaupt die Legislaturperiode &#252;berlebt. Eine gef&#228;hrliche Abw&#228;rtsspirale.</p><p>Robert Habeck hat genau das erlebt. Als Wirtschaftsminister, Gr&#252;nen-Chef und Vizekanzler. Fast identisch also zu der Rolle, die Lars Klingbeil f&#252;r die SPD innehat &#8211; nur, dass er als Finanzminister deutlich mehr Macht und Handlungsspielraum hat. Doch Klingbeil scheut ein Konjunkturprogramm, neue Schulden und die Notlagenklausel, f&#252;r die es nicht einmal eine Zweidrittelmehrheit br&#228;uchte. Ein gro&#223;er Fehler.</p><div class="pullquote"><p>Sonst verantwortet er einen Fehler, der dem ganzen Land teurer zu stehen kommt, als ein Konjunkturprogramm je sein k&#246;nnte.</p></div><p>Und zwar aus gleich zwei Gr&#252;nden. Erstens: Wenn die Inflation vor allem durch externe Faktoren wie Energiepreise entsteht, dann bek&#228;mpft man sie nicht, indem man zus&#228;tzlich die Nachfrage im Inland schw&#228;cht. Zweitens: Die Geldpolitik wirkt bereits in genau diese Richtung. Die Europ&#228;ische Zentralbank wird bald die Zinsen wieder erh&#246;hen und damit Kredite verteuern, Investitionen bremsen und die Konjunktur zus&#228;tzlich d&#228;mpfen. Wenn der Staat gleichzeitig spart, ist das Ergebnis eine unn&#246;tige L&#228;hmung der Binnenwirtschaft. Gerade die ist aber der Teil der Wirtschaft, den Politik &#252;berhaupt direkt beeinflussen kann &#8211; anders als den Export, der stark von der globalen Lage abh&#228;ngt. Wenn hier nicht gegengesteuert wird, bleibt Wachstum aus, Investitionen werden verschoben und Besch&#228;ftigungspotenziale werden nicht genutzt.</p><p>Das ist auch deshalb kritisch, weil das Zeitfenster kleiner wird. Politisch, weil die AfD schon jetzt in Bundesumfragen vorne liegt und mit anhaltender Wirtschaftsflaute und erneutem Preisschock nur st&#228;rker wird. Und &#246;konomisch, weil in den kommenden Jahren die Babyboomer in Rente gehen, das Erwerbspersonenpotenzial also strukturell sinkt. Wer jetzt Nachfrage unterdr&#252;ckt, verschenkt Wohlstand, der sich sp&#228;ter nicht einfach nachholen l&#228;sst. Und versch&#228;rft damit alle Verteilungskonflikte.</p><p>Klingbeil sollte zum H&#246;rer greifen und sich Rat von Habeck holen. Sonst verantwortet er einen Fehler, der dem ganzen Land teurer zu stehen kommt, als ein Konjunkturprogramm je sein k&#246;nnte.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.geldfuerdiewelt.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"><em><strong>Als unabh&#228;ngiger Autor bin ich auf zahlende Leser angewiesen. 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Und wieso das brandgef&#228;hrlich w&#228;re]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/drei-klassen-medizin</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/drei-klassen-medizin</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Thu, 23 Apr 2026 14:37:15 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/8c5261cf-fa30-4c8c-9701-57391f42f59c_3722x2481.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Als w&#228;ren die geplanten K&#252;rzungen in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht schon genug. Weniger Krankengeld, mehr Zuzahlungen f&#252;r Medikamente, vielleicht sogar ein Karenztag bei der Lohnfortzahlung. Wer gesetzlich versichert ist, wird nach der Reform f&#252;r das gleiche Geld weniger bekommen. Und w&#228;hrend sich f&#252;r Privatversicherte nichts &#228;ndert, fordert Johannes Winkel, Chef der Jungen Union, noch h&#228;rter Einschnitte f&#252;r B&#252;rgergeldbezieher. N&#228;mlich einen eigenen Gesundheitstarif, der nur noch Notf&#228;lle abdeckt. Um nicht zu sagen: Winkel will aus der Zwei-Klassen-Medizin eine Drei-Klassen-Medizin machen.</p><div><hr></div><p><em><strong>Anzeige</strong></em></p><p><em>Kennst Du schon die Suchmaschine, die B&#228;ume pflanzt? <strong><a href="https://ecosia.co/geldfuerdiewelt">Ecosia</a></strong> verwendet 100 Prozent der Gewinne f&#252;r unseren Planeten und hat bereits mehr als 250 Millionen B&#228;ume in &#252;ber 35 L&#228;ndern gepflanzt. Wechsel jetzt zur klimapositiven Suchmaschine!</em></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!tWS1!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fcc59b6d6-299e-4f64-82d7-18341a5ad5f1_1920x1080.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!tWS1!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fcc59b6d6-299e-4f64-82d7-18341a5ad5f1_1920x1080.png 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!tWS1!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fcc59b6d6-299e-4f64-82d7-18341a5ad5f1_1920x1080.png 848w, 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg role="img" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><title></title><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a><figcaption class="image-caption"><a href="https://ecosia.co/geldfuerdiewelt">Jetzt zu Ecosia wechseln!</a></figcaption></figure></div><div><hr></div><p>Hintergrund ist ein Streit in der Bundesregierung. W&#228;hrend Kanzler Merz am liebsten alle 66 Ma&#223;nahmen umsetzen will, die die Gesundheitskommission zwecks Einsparungen vorgeschlagen hat, blockiert Finanzminister Klingbeil ausgerechnet den finanziell gr&#246;&#223;ten Posten: eine realistische Pauschale f&#252;r B&#252;rgergeldbezieher. Bisher zahlt der Bund f&#252;r B&#252;rgergeldbezieher n&#228;mlich nur 144 Euro pro Monat an die gesetzlichen Kassen. Viel zu wenig, klagen die Kassen &#8211; seit langem und auch tats&#228;chlich auch juristisch beim Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen. Damit w&#252;rden n&#228;mlich nur ein Drittel der tats&#228;chlichen Kosten gedeckt. Den Rest schultern dann die gesetzlich Versicherten mit ihren Beitr&#228;gen. Kostenpunkt: zw&#246;lf Milliarden Euro.</p><div class="pullquote"><p>Die Forderung ist brandgef&#228;hrlich, vergiftet das gesellschaftliche Klima und treibt die Spaltung voran.</p></div><p>&#8220;Der Staat kommt bei den Krankenkassenbeitr&#228;gen f&#252;r B&#252;rgergeldempf&#228;nger seiner finanziellen Verantwortung nicht nach&#8221;, sagt Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. &#8220;Er verschiebt die finanzielle Belastung auf die Beitragszahler in der gesetzlichen Krankenversicherung. Das muss sich &#228;ndern.&#8221; Es sei eine staatliche Aufgabe, die medizinische Versorgung von Menschen am Existenzminimum im Krankheitsfall abzusichern. &#8220;Wenn eine staatliche Aufgabe aus Beitragsgeldern bezahlt wird, werden Personen mit niedrigem Einkommen &#252;berproportional stark belastet und Privatversicherte gar nicht beteiligt&#8221;, so Baas.</p><p>Diese zw&#246;lf Milliarden Euro geh&#246;ren eigentlich in den Bundeshaushalt. Daf&#252;r m&#252;sste Finanzminister Klingbeil die Pauschale anheben. Eigentlich hatte das die SPD schon in der Ampel versprochen. Doch Klingbeil stellt sich quer. Daf&#252;r fehle das Geld im Bundeshaushalt. Schlie&#223;lich klaffe dort ja heute schon eine L&#252;cke von mehr als 100 Milliarden Euro bis 2029.</p><h2>Kein Geld im Bundeshaushalt?</h2><p>Das Argument von Klingbeil ist aber wohlfeil. Erstens w&#228;re das Geld, das f&#252;r die Senkung der Unternehmensteuer ausgegeben wurde, bei den Kassen viel besser aufgehoben. Zweitens sollte Klingbeil keine Einkommensteuerreform versprechen, wenn er nicht mal eine realistische Pauschale an die Kassen leisten kann. Zumal durch die zu kleine Pauschale, wie der TK-Chef richtig sagt, kleine Einkommen &#252;berproportional belastet und durch eine Einkommensteuersenkung nur unterproportional entlastet w&#252;rden. Und andersherum Spitzenverdiener bei der Einkommensteuersenkung am meisten sparen, aber meistens privat versichert sind und sich damit nicht an den GKV-Kosten f&#252;r B&#252;rgergeldbezieher beteiligen. Drittens k&#246;nnte Klingbeil das jetzt als Hebel nutzen, um Druck auf die Reform der Schuldenbremse zu machen, die eigentlich im Koalitionsvertrag vereinbart ist, aber von der Union blockiert wird. Die ist schlie&#223;lich auch der wahre Grund f&#252;r die Haushaltsl&#252;cken. Es ist ja nicht so, als k&#246;nnte der Bund nicht mehr Geld ausgeben. Sondern: die L&#252;cken bestehen gegen&#252;ber der viel zu strengen Schuldenbremse. </p><p>Und viertens sorgt Klingbeils Blockade jetzt daf&#252;r, dass die Union wieder ihre liebste Karte spielen kann: B&#252;rgergeld-Populismus, um sich der Mittelschicht anzubiedern, garniert mit unterschwelligem Fremdenhass. Das klingt dann so aus dem Mund von Johannes Winkel: &#8220;Wenn der Staat jetzt sagt, die Beitr&#228;ge steigen und die Leistungen werden an der einen oder anderen Stelle gek&#252;rzt &#8211; was ich glaube, richtig ist, weil wir gro&#223;en Reformbedarf haben &#8211;, dann kann es nicht sein, dass man ihnen gleichzeitig sagt, ihr finanziert weiter die B&#252;rgergeldempf&#228;nger, von denen ungef&#228;hr die H&#228;lfte noch nicht mal einen deutschen Pass hat&#8220;. </p><p>Seine Schlussfolgerung: Wenn Klingbeil die zw&#246;lf Milliarden nicht in den Haushalt &#252;bernimmt, m&#252;ssen die Kosten f&#252;r die gesetzlichen Kassen sinken, indem die Leistungen abgespeckt werden. Was Winkel vergisst: im B&#252;rgergeld sind nicht nur Arbeitslose (die er zu hassen scheint), sondern auch Millionen Kinder, deren Leistungen er damit einschr&#228;nken w&#252;rde. Dazu Menschen, die ihre Angeh&#246;rigen pflegen. Oder gar Menschen, die sehr wohl arbeiten, aber mit dem Lohn nicht &#252;ber die Runden kommen &#8211; und aufstocken m&#252;ssen. Oder Selbstst&#228;ndige, die zwar nicht freiwillig in die Arbeitslosenversicherung, sehr wohl aber in die Krankenversicherung eingezahlt haben, und deshalb bei Insolvenz gleich in das B&#252;rgergeld rutschen.</p><p>Und &#252;berhaupt w&#252;rde der Vorschlag ganz fundamental das Solidarit&#228;tsprinzip zerschlagen. B&#252;rgergeldbezieher aus der Solidarit&#228;t der Gemeinschaft auszuschlie&#223;en, &#246;ffnete die B&#252;chse der Pandora. Wie rechtfertigt man dann, dass die Gemeinschaft Raucher mitversichert, obwohl die statistisch gesehen h&#246;here Kosten verursachen? Oder Alkoholiker? Oder Menschen, die riskante Sportarten betreiben? Man sieht: die Forderung ist brandgef&#228;hrlich, vergiftet das gesellschaftliche Klima und treibt die Spaltung voran. Es ist jetzt an der SPD, die Debatte im Keim zu ersticken. Und an Finanzminister Klingbeil, keine Steilvorlagen f&#252;r solche Forderungen mehr zu geben!</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.geldfuerdiewelt.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"><strong>Als unabh&#228;ngiger Autor bin ich auf zahlende Leser angewiesen. 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Deren Ergebnisse will aber offenbar niemand wahrhaben]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/studie-tankrabatt-verringert-armut</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/studie-tankrabatt-verringert-armut</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Fri, 17 Apr 2026 11:00:12 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/89f1ec5a-7c65-4601-98c3-c0c7913b1ba3_2908x1938.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Wir alle lieben, wenn sich unsere Vorurteile und Klischees best&#228;tigen, oder? Ganz offensichtlich gilt das zumindest f&#252;r die Wirtschaftsjournalisten dieses Landes. Die berichteten n&#228;mlich gestern &#252;ber eine Studie der RWTH Aachen zum Tankrabatt und titelten &#8222;Reiche profitieren am meisten vom Tankrabatt&#8220; (Spiegel vom 16.04.2026).</p><p>Fast genauso lasen sich die Schlagzeilen bei T-Online, WDR, NTV und der Rheinischen Post. Wie sch&#246;n, endlich eine Studie, die die Kritik der vielen &#214;konomen, Journalisten, aber auch Gr&#252;nen- und Linken-Politikern best&#228;tigt. K&#246;nnte man meinen. Wenn man nur &#220;berschriften vertraut und die eigentlichen Studien gar nicht liest.</p><div class="pullquote"><p>Wer also behauptet, der Tankrabatt sei ungerecht, nicht zielgenau und vor allem f&#252;r Reiche, liegt faktisch daneben.</p></div><h2>Wer vom Tankrabatt profitiert</h2>
      <p>
          <a href="https://www.geldfuerdiewelt.de/p/studie-tankrabatt-verringert-armut">
              Read more
          </a>
      </p>
   ]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Was kann das Entlastungspaket?]]></title><description><![CDATA[Schon wieder ein Tankrabatt und ein steuerfreier Krisenbonus. Ist das gut? Und vor allem: reicht das?]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/was-kann-das-entlastungspaket</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/was-kann-das-entlastungspaket</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Mon, 13 Apr 2026 13:03:36 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/76c6bacb-d370-4ec1-8b8e-abf561549bf4_6000x4000.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Die gute Nachricht zuerst: Endlich handelt die Regierung. Nach wochenlangem Streit in der &#214;ffentlichkeit und stundenlangen Verhandlungen am Wochenende gibt es Beschl&#252;sse. Die schlechte Nachricht: die Ma&#223;nahmen sind zu klein, kommen zu sp&#228;t und werden ein &#228;hnliches PR-Desaster wie die 12-Uhr-Spritpreis-Regel.</p><p>Eigentlich hatte Kanzler Merz angek&#252;ndigt, er wolle keine Schnellsch&#252;sse. Doch zu gro&#223; wurde der Druck in der &#214;ffentlichkeit, nachdem sich die 12-Uhr-Regel als Flop entpuppte und die Verhandlungen um den Iran-Krieg scheiterten. Mit der AfD, die auf einer Welle von Rekordumfragen- und Wahlergebnissen reitet, war Nichtstun keine Option mehr. Richtigerweise.</p><p>Doch was Schwarz-Rot beschlossen hat, wirkt wie von der Ampel abgeschrieben. Ein neuer Tankrabatt, eine neue Entlastungspr&#228;mie, mehr Macht f&#252;r das Kartellamt &#8211; und vager Zuspruch f&#252;r eine &#220;bergewinnsteuer auf EU-Ebene. Fehlt nur noch das 9-Euro-Ticket und ein comichafter Titel f&#252;r das Paket. Wobei: ein &#8222;Wumms&#8220; ist es ja nicht. Allenfalls ein W&#252;mmschen, wenn &#252;berhaupt.</p><div class="pullquote"><p>So bleiben nur Mini-Entlastungen, die schneller verpuffen, als der Regierung lieb ist.</p></div><h2>Tankrabatt 2.0</h2><p>Aber der Reihe nach. Zuerst ist da der neue Tankrabatt. Um knapp 17 Cent pro Liter soll die Energiesteuer auf Benzin und Diesel senken. Brutto wohlgemerkt, also inklusive Mehrwertsteuer. Damit liegt die Steuer f&#252;r Diesel auf dem europ&#228;ischen Mindestma&#223;. Mehr w&#228;re nicht gegangen. Beim Benzin bleibt Schwarz-Rot allerdings &#252;ber dem Mindestma&#223; und sogar hinter der Ampel zur&#252;ck, die hatte die Energiesteuer f&#252;r Benzin damals um 30 Cent gesenkt. Und auch f&#252;r drei statt nur f&#252;r zwei Monate.</p><p>Zum Tankrabatt gibt es die meiste und lauteste Kritik. Von Linken, von Gr&#252;nen, von DIW-Chef Fratzscher, aber auch von der Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer. Der Tankrabatt sei nicht zielgenau, zerst&#246;re den Anreiz zum Sparen und werde nicht weitergegeben, so der Tenor. Doch: Einem Faktencheck h&#228;lt all das nicht stand.</p><p>Denn erstens: Der Tankrabatt ist sehr wohl zielgenau. Er entlastet proportional zur Belastung. Wer viel fahren und deshalb viel tanken muss, bekommt viel Entlastung. Wer E-Auto oder Bus f&#228;hrt &#8211; oder im Homeoffice arbeitet &#8211;, ist auch nicht von hohen Spritpreisen belastet &#8211; und ben&#246;tigt deshalb auch keine Entlastung. Ja, dem Tankrabatt ist egal, welches Auto getankt wird und wie viel der Fahrer des Autos verdient. Aber f&#252;r Verteilungsgerechtigkeit sind andere Steuern da: die Einkommensteuer etwa, oder die Erbschaftsteuer, aber doch nicht ein Tankrabatt.</p><p>Zweitens: Der Anreiz zum Sparen bleibt au&#223;erdem erhalten, weil Sprit auch nach dem Rabatt deutlich teurer sein wird als vor dem Irankrieg. Das Preissignal w&#228;re viel eher gest&#246;rt worden, wenn der Co2-Emissionshandel ausgesetzt worden w&#228;re. Denn von ihm soll ja die Botschaft ausgehen, dass fossile Energie in Zukunft immer teurer wird &#8211; nicht von der Energiesteuer.</p><p>Und drittens wurde der Tankrabatt 2022 sehr wohl &#8222;zum Gro&#223;teil&#8220; weitergegeben. Das hat das Kartellamt in einer Auswertung so bilanziert und zu dem Schluss kommen auch Studien vom Ifo-Institut und vom ZEW (<a href="https://www.geldfuerdiewelt.de/p/der-tankrabatt-ist-besser-als-sein">hier</a> im Detail besprochen). Gr&#246;&#223;te Ausnahme: Tankstellen an Autobahnen, weil dort gar keine Konkurrenz herrsche. Wer trotz dieser Faktenlage behauptet, die Steuersenkung sei ein Geschenk f&#252;r die Mineral&#246;lriesen und bringe den Verbrauchern nichts, hat nicht recherchiert oder betreibt Populismus.</p><p>Von all den Ma&#223;nahmen, die auf dem Tisch lagen &#8211; Preisdeckel, Pendlerpauschale, Mehrwertsteuer, Co2-Preis &#8211;, wirkt der Tankrabatt am schnellsten, ist am einfachsten umzusetzen und in seiner Wirkung zu &#252;berpr&#252;fen und entlastet genau im Verh&#228;ltnis zur Betroffenheit. Eine gute Entscheidung von schwarz-rot.</p><h2>Inflationsausgleichspr&#228;mie 2.0</h2><p>Viel schlechter ist die Idee der neuen Inflationsausgleichspr&#228;mie. So hie&#223; sie unter der Ampel, &#8222;Krisenbonus&#8220; nennen es Merz und Klingbeil heute. Statt 3.000 Euro wie unter der Ampel gibt es aber nur 1.000 Euro, die Arbeitgeber im Jahr 2026 freiwillig und frei von Steuern und Abgaben auszahlen k&#246;nnen. Klingt vielleicht gut und gerecht, ist es aber nicht.</p><p>Erstens gehen Rentner, Studenten, Arbeitslose und Einzelunternehmer leer aus &#8211; obwohl sie auch von h&#246;heren Energiepreisen betroffen sind. Zweitens k&#246;nnen sich die Pr&#228;mie derzeit wohl eher gro&#223;e und finanzstarke Unternehmen leisten, nicht aber kleinere oder krisenbelastete. Die Erfahrung aus der Ampel zeigt zudem: Im &#246;ffentlichen Dienst, in der Industrie und &#252;berall dort, wo Gewerkschaften noch relevanten Einfluss haben, sind die Pr&#228;mien geflossen. Aber im Gastgewerbe, im Handel, auf dem Bau und in der Landwirtschaft, wo allgemein eher wenig verdient wird, sind die Pr&#228;mien deutlich seltener geflossen. Wieso beklagt hier keiner die Zielgenauigkeit?</p><p>Au&#223;erdem waren die Pr&#228;mien damals Teil der Tarifverhandlungen und sind vielfach erst 2023 und 2024 geflossen, also um Jahre versp&#228;tet. Schwarz-Rot will die Pr&#228;mie aber auf 2026 begrenzen. Ohne anstehende Tarifverhandlungen haben die Gewerkschaften aber keinen Hebel. Hei&#223;t: viele Besch&#228;ftigte werden wohl leer ausgehen. Dazu kommt, drittens, dass Spitzenverdiener mit h&#246;heren Grenzsteuers&#228;tzen von der Steuerbefreiung nat&#252;rlich mehr profitieren als Geringverdiener. Und viertens ist die Pr&#228;mie unverh&#228;ltnism&#228;&#223;ig viel b&#252;rokratischer Aufwand f&#252;r Buchhaltungen, Steuerberater und Finanz&#228;mter. Das Geld w&#228;re in anderen Ma&#223;nahmen besser aufgehoben, etwa einer Preissenkung f&#252;r den &#214;PNV, einer Mehrwertsteuersenkung f&#252;r Lebensmittel oder einer Pr&#228;mie f&#252;r E-Autos.</p><h2>Neues PR-Desaster</h2><p>Herausgekramt werden im Internet unl&#228;ngst Videoschnipsel aus dem Jahr 2022, in denen Friedrich Merz als Oppositionsf&#252;hrer die Ampel-Ma&#223;nahmen als Flickenteppich kritisiert. Wohlgemerkt die Ma&#223;nahmen, die er jetzt selbst halbherzig kopiert hat. Ein neues PR-Desaster mit Ansage, das die ohnehin schon geringen Beliebtheitswerte der Regierung weiter reduzieren wird.</p><p>Der gr&#246;&#223;te Fehler steckt allerdings in der Dimension der Entlastungen. Durch den Irankrieg taumelt die Wirtschaft absehbar in das sechste Jahr in Folge, in denen die Wirtschaftsleistung auf oder unter dem Niveau von 2019 verharrt. Dagegen h&#228;tte es ein echtes Konjunkturpaket gebraucht, mit viel gr&#246;&#223;eren Entlastungen, die den Wohnungsbau, die energetischen Sanierungen, den E-Auto-Absatz und den Konsum ankurbeln.</p><p>Problem: Daf&#252;r w&#228;re ein Eingest&#228;ndnis n&#246;tig. N&#228;mlich, dass es noch mehr Schulden braucht und die Schuldenbremse mit Verweis auf den Irankrieg ausgesetzt werden m&#252;sste. Wenn nicht von Merz, dann wenigstens von Klingbeil. Doch auch dem SPD-Mann fehlt es offensichtlich an makro&#246;konomischer Weitsicht. So bleiben nur Mini-Entlastungen, die schneller verpuffen, als der Regierung lieb ist.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.geldfuerdiewelt.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"><strong>Als unabh&#228;ngiger Autor bin ich auf zahlende Leser angewiesen. Wenn Du meine Arbeit unterst&#252;tzen kannst und m&#246;chtest, geht es hier zum Abo! :-)</strong></p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Pendler entlasten? Aber nicht so!]]></title><description><![CDATA[Die Rufe nach einer h&#246;heren Pendlerpauschale werden lauter. Das Problem: sie kommt zu sp&#228;t, hilft den Falschen und ist ungerechter als der Tankrabatt]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/pendler-entlasten-aber-nicht-so-pendlerpauschale-tankrabatt</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/pendler-entlasten-aber-nicht-so-pendlerpauschale-tankrabatt</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Thu, 02 Apr 2026 13:57:50 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/2f7fefbe-a41c-4af4-938a-4ce21d8b74a3_6000x4000.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Der bayerische SPD-Vorsitzende Sebastian Roloff fordert eine Erh&#246;hung der Pendlerpauschale auf 45 Cent pro Kilometer. &#8222;Wer jeden Tag zur Arbeit f&#228;hrt, braucht jetzt eine Entlastung, mit der er kalkulieren kann&#8220;, sagt er. Unterst&#252;tzung bekommt er nicht nur aus der eigenen Partei. Auch die eingesetzte Taskforce der Regierung sowie die Bundeswirtschaftsministerin Reiche zeigen sich offen f&#252;r eine Erh&#246;hung der Pendlerpauschale.</p><p>Das klingt erst einmal vern&#252;nftig. Die Energiepreise steigen, viele Menschen sind auf das Auto angewiesen, der Arbeitsweg wird teurer. Also: Pendlern bei der n&#228;chsten Steuererkl&#228;rung einfach mehr Geld zur&#252;ckgeben. Problem gel&#246;st, oder? Leider nein.</p><div><hr></div><p><em><strong>Anzeige</strong></em></p><p><em>Kennst Du schon die Suchmaschine, die B&#228;ume pflanzt? <strong><a href="https://ecosia.co/geldfuerdiewelt">Ecosia</a></strong> verwendet 100 Prozent der Gewinne f&#252;r unseren Planeten und hat bereits mehr als 240 Millionen B&#228;ume in &#252;ber 35 L&#228;ndern gepflanzt. 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg role="img" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><title></title><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a><figcaption class="image-caption"><a href="https://ecosia.co/geldfuerdiewelt">Jetzt zu Ecosia wechseln!</a></figcaption></figure></div><div><hr></div><p>Denn die Pendlerpauschale hat ein grundlegendes Problem, das durch eine Erh&#246;hung nicht verschwindet. Im Gegenteil: Es wird sogar gr&#246;&#223;er. Die Pauschale &#8211; die offiziell Entfernungspauschale hei&#223;t &#8211; sorgt n&#228;mlich nicht daf&#252;r, dass alle Pendler gleich entlastet werden. Sie sorgt daf&#252;r, dass Spitzenverdiener st&#228;rker profitieren als Menschen mit niedrigen Einkommen. Und genau das ist in einer Krise, die vor allem die unteren und mittleren Einkommen trifft, ziemlich absurd. &#214;konomisch wie auch politisch.</p><div class="pullquote"><p>Die Pendlerpauschale ist also ungerechter als der oft kritisierte Tankrabatt!</p></div><h2>Der Konstruktionsfehler der Pendlerpauschale</h2><p>Um das zu verstehen, muss man sich kurz anschauen, wie das System funktioniert. Die Pendlerpauschale senkt nicht direkt die Steuer, die man zahlt, sondern sie senkt das zu versteuernde Einkommen. Und nat&#252;rlich gilt: Je weiter die Pendelstrecke, desto h&#246;her die Kosten, die dann vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden. So weit, so gut. Dann aber wird es ungerecht. Denn wie viele Steuern man dadurch spart, h&#228;ngt vom pers&#246;nlichen Grenzsteuersatz ab. </p><p>Wer viel verdient, hat einen hohen Grenzsteuersatz - in der Spitze 42 oder gar 45 Prozent. Wer wenig verdient, hat einen niedrigen &#8211; oder zahlt gar keine Einkommensteuer. Das f&#252;hrt zu einem ziemlich schr&#228;gen Ergebnis. F&#252;r die gleiche Pendelstrecke spart ein Bankmanager mehr Steuern als eine Kassiererin. </p><p>Konkret: Ein Spitzenverdiener kann pro Kilometer 14 bis 17 Cent an Steuern sparen. Eine Kassiererin vielleicht 7 bis 10 Cent. Und wer so wenig verdient, dass gar keine Einkommensteuer anf&#228;llt, bekommt: nichts. Gleiche Strecke, gleiche Kosten &#8211; aber v&#246;llig unterschiedliche Entlastung. Die Pendlerpauschale ist also ungerechter als der oft kritisierte Tankrabatt!</p><p>Und damit nicht genug. Viele Besch&#228;ftigte profitieren ohnehin gar nicht von der Pendlerpauschale. Entweder, weil sie keine Steuererkl&#228;rung machen oder weil ihre Werbungskosten unter dem Arbeitnehmerpauschbetrag liegen. </p><p>Und selbst wenn sie davon profitieren, dann erst im n&#228;chsten Jahr &#8211; nach Bearbeitung der Steuererkl&#228;rung. Also viel zu sp&#228;t. &#214;konomisch zu sp&#228;t, weil die h&#246;heren Spritkosten heute trotzdem K&#252;rzungen an anderen Stellen n&#246;tig machen und so f&#252;r Umsatzausf&#228;lle in der Wirtschaft sogar. Bei B&#228;ckereien, bei Kinos, bei Friseuren und und und. Die Pendlerpauschale kann den kurzfristigen Nachfrageausfall nicht verhindern. Und politisch zu sp&#228;t, weil man der AfD viel Zeit gibt, um die Belastung an der Tankstelle zu skandalisieren und f&#252;r sich populistisch auszuschlachten. Angesichts der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und den AfD-Umfragewerten im Bundestrend ein schwerer Fehler.</p><p>Wenn jetzt also &#252;ber 45 Cent pro Kilometer diskutiert wird, dann klingt das nach einer gro&#223;en Entlastung. In der Realit&#228;t bedeutet es vor allem: h&#246;here Entlastung f&#252;r diejenigen, die ohnehin schon mehr verdienen; weiterhin wenig bis gar nichts f&#252;r diejenigen, die wirklich unter den steigenden Kosten leiden; und f&#252;r alle sowieso viel zu sp&#228;t.</p><h2>Mobilit&#228;tsgeld statt Pendlerpauschale</h2><p>Immerhin: die SPD k&#246;nnte die Debatte &#252;ber die Pendlerpauschale zum Anlass nehmen, sie gerechter auszugestalten und zu reformieren. Wenn man Pendler &#8211; unabh&#228;ngig vom gegenw&#228;rtigen Energiepreisschock &#8211; wirklich entlasten will, dann sollte man die Entlastung vom Einkommen entkoppeln. So fordern es Gewerkschaften und die Partei die Linke schon seit Jahren. </p><p>Statt die Steuerbemessungsgrundlage zu senken, k&#246;nnte man ein Mobilit&#228;tsgeld einf&#252;hren, das (wenn m&#246;glich) direkt von der Steuerschuld abgezogen wird. Zum Beispiel 15 Cent pro Kilometer f&#252;r alle. </p><p>Der entscheidende Unterschied ist: Wer keine Einkommensteuer zahlt, bekommt das Geld trotzdem ausgezahlt. Und wer viel verdient, bekommt nicht automatisch mehr. Gleiche Strecke, gleiche Entlastung &#8211; wie beim Tankrabatt.</p><p>Anders als der Tankrabatt k&#228;me in der akuten Krise allerdings auch das Mobilit&#228;tsgeld zu sp&#228;t &#8211; n&#228;mlich erst mit der n&#228;chsten Steuererkl&#228;rung. Und es w&#252;rde wie die Pendlerpauschale an Studenten und Rentnern vorbeigehen, die ebenfalls von gestiegenen Spritpreisen betroffen sind. </p><p>Stellt sich also die Frage: Warum nicht direkt einen Tankrabatt? </p><div class="digest-post-embed" data-attrs="{&quot;nodeId&quot;:&quot;63b905dc-96ec-427f-b9ae-aca2a48510b9&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Es ist 2026 und wir m&#252;ssen wieder &#252;ber den Tankrabatt streiten. Wirklich? Ja, leider. Denn der Tankrabatt geh&#246;rt zu den Ma&#223;nahmen, die reflexartig Kritik ausl&#246;sen. Zu teuer, zu ungenau, klimapolitisch falsch &#8211; die Liste der Einw&#228;nde ist lang. Regierung, Gr&#252;ne, Linke: alle lehnen ihn ab. Nur die AfD nicht. 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Die Liste der Einw&#228;nde ist lang, aber nicht &#252;berzeugend]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/der-tankrabatt-ist-besser-als-sein</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/der-tankrabatt-ist-besser-als-sein</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Tue, 31 Mar 2026 13:52:21 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/6eaa6b91-812e-44b2-96e6-e3eb8730e4bf_2700x1800.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Es ist 2026 und wir m&#252;ssen wieder &#252;ber den Tankrabatt streiten. Wirklich? Ja, leider. Denn der Tankrabatt geh&#246;rt zu den Ma&#223;nahmen, die reflexartig Kritik ausl&#246;sen. Zu teuer, zu ungenau, klimapolitisch falsch &#8211; die Liste der Einw&#228;nde ist lang. Regierung, Gr&#252;ne, Linke: alle lehnen ihn ab. Nur die AfD nicht. Ein strategisches Geschenk, das man ihr nicht machen sollte.</p><p>Au&#223;erdem: Der Tankrabatt &#8211; also die Senkung der Energiesteuer &#8211; kam 2022 von Christian Lindner. Was von Lindner kommt, kann nicht gut sein, oder? Na ja, die Realit&#228;t ist komplizierter als das g&#228;ngige Narrativ. Wer genauer hinschaut, merkt schnell: Der Tankrabatt ist deutlich besser als sein Ruf. Und ihn kategorisch auszuschlie&#223;en, ist ein Fehler.</p><div class="pullquote"><p>Der Tankrabatt hat &#8211; mit Ausnahmen wie den Autobahnrastst&#228;tten &#8211; funktioniert.</p></div><h2><strong>&#8222;Der Tankrabatt ist nicht zielgenau&#8220;</strong></h2><p>Der wohl h&#228;ufigste Einwand: Der Tankrabatt sei ungerecht, weil er nach dem Gie&#223;kannenprinzip verteilt wird. Wer viel f&#228;hrt und gro&#223;e Autos betankt, bekommt viel Entlastung &#8211; unabh&#228;ngig vom Einkommen.</p><p>Das stimmt formal, ist aber kein Bug, sondern ein Feature. Also kein Nachteil, sondern ein Vorteil. Der Tankrabatt wirkt sofort, unb&#252;rokratisch und dort, wo die Belastung tats&#228;chlich entsteht &#8211; an der Zapfs&#228;ule. Er ist zwar nicht zielgenau im Verh&#228;ltnis zum Einkommen (oder Verm&#246;gen), aber zielgenau im Verh&#228;ltnis zum Verbrauch. Und darauf kommt es bei Notfallinstrumenten an.</p><p>Woher kommt der Anspruch, dass Kriseninstrumente immer perfekt auf die Einkommens- und Verm&#246;gensverteilung abgestimmt sein m&#252;ssen? Dass lieber Armen zu wenig als Reichen zu viel gegeben wird? Diesen Anspruch zu haben, ist nicht progressiv, sondern kleinkariert &#8211; vor allem, wenn er zur Blockade wird. Wie weit die Schere zwischen Einkommen und Verm&#246;gen auseinandergeht, entscheidet sich an den Billionen Euro von L&#246;hnen und Gewinnen sowie den Hunderten von Milliarden Euro an Steuern, die jedes Jahr gezahlt werden &#8211; und nicht an drei Milliarden Tankrabatt (so viel hat er 2022 gekostet).</p><p>Wenn ein Haus brennt, macht die Feuerwehr alles, um den Brand zu l&#246;schen. Ob bei dem L&#246;schvorgang der Vorgarten des Bonzennachbarn auch Wasser abbekommt, ist v&#246;llig egal. Dieses Mindset braucht es auch f&#252;r fiskalische Kriseninstrumente.</p><p>Und mal ehrlich: Die SPD hat in der Regierung ohne Bauchschmerzen eine Unternehmensteuersenkung durchgewunken, die jedes fucking Jahr mehr als zehn Milliarden Euro weniger Steuer auf Gewinne bedeutet und ohne jeden Anspruch an Zielgenauigkeit den Reichsten der Gesellschaft zugutekommt. Zum Hintergrund: Das reichste ein Prozent vereint je nach Sch&#228;tzung bis zu 60 Prozent des gesamten Unternehmensverm&#246;gens auf sich, die reichsten zehn Prozent bis zu 90 Prozent. Dorthin flie&#223;t die Unternehmensteuersenkung. V&#246;llig unabh&#228;ngig davon, ob die Unternehmen das Geld investieren, damit Aktien zur&#252;ckkaufen oder es als Dividenden aussch&#252;tten. Aber ein Tankrabatt in der Krise ist &#8222;nicht zielgenau&#8220;? Also, bitte!</p><p>&#220;berhaupt ist Mobilit&#228;t ist f&#252;r die meisten keine Luxusfrage, sondern existenziell f&#252;r den Alltag: Pendler, Handwerker, Pflegekr&#228;fte, Ehren&#228;mtler, Familien. Gerade im l&#228;ndlichen Raum gibt es oft (noch) keine praxistaugliche Alternative zum Auto.</p><p>Eine zielgenaue F&#246;rderung statt eines Gie&#223;kannen-Tankrabatts klingt gut, scheitert aber in der Praxis oft an B&#252;rokratie, Verz&#246;gerungen und Mitnahmeeffekten.</p><h2><strong>&#8222;Eine Einmalzahlung w&#228;re besser&#8220;</strong></h2><p>Womit wir bei der allseits beliebten Einmalzahlung w&#228;ren. Sie wirken einfacher und gerechter. Einfach auf den Knopf dr&#252;cken und &#8211; Zack! &#8211; haben alle Betrag X auf dem Konto. So lief es aber in der letzten Krise nicht. Die Abwicklung war kompliziert: Als Energiepauschale f&#252;r Rentner, als Inflationsausgleichspr&#228;mie f&#252;r Besch&#228;ftige und als Zuschuss per Uni-Antrag f&#252;r Studenten. Viel B&#252;rokratie, lange Wartezeiten und viel unn&#246;tige Arbeit f&#252;r Steuerberater und Finanzbeamte.</p><p>Mittlerweile soll das Finanzministerium einen einfacheren Weg gefunden haben. Soll &#8211; wohlgemerkt. Was fehlt, ist der praktische Beweis. Ein Klimageld gibt es ja auch noch nicht. Und selbst wenn es die technische M&#246;glichkeit gibt, bleiben zwei weitere Probleme.</p><p>Auch eine Einmalzahlung ist nicht zielgenau. Denn die Entlastung ist dann ja unabh&#228;ngig von der Belastung. Wer weite Wege zur Arbeit hat, wer auf dem Land wohnt, wer Verbrenner f&#228;hrt, ist viel st&#228;rker belastet, als wer im Homeoffice sitzt, in der Stadt mit Bus und Bahn gut klarkommt oder ein E-Auto f&#228;hrt. Und auch hier bek&#228;men Spitzenverdiener den gleichen Betrag wie Geringverdiener. Wirklich fairer ist das nicht. Weder verbrauchsgerecht noch einkommensgerecht.</p><p>Wenn man sie einkommensgerecht machen wollte, w&#228;re die einzige M&#246;glichkeit, die Zahlung als Bruttoeinkommen zu besteuern. Das wiederum erfordert, dass alle Empf&#228;nger eine Steuererkl&#228;rung abgeben &#8211; vom Studi bis zum Rentner. Die Folge: B&#252;rokratiewahnsinn f&#252;r ein paar hundert Euro Entlastung. Schlechte Idee.</p><h2><strong>&#8222;Das kommt doch gar nicht bei den Leuten an&#8220;</strong></h2>
      <p>
          <a href="https://www.geldfuerdiewelt.de/p/der-tankrabatt-ist-besser-als-sein">
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          </a>
      </p>
   ]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Die 150-Milliarden-Euro-Bombe, die keine ist]]></title><description><![CDATA[Finanzexperten warnen vor explodierenden Zinskosten und einer Schuldenkrise. Darum liegen sie falsch]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/die-150-milliarden-euro-bombe-die</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/die-150-milliarden-euro-bombe-die</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Fri, 27 Mar 2026 16:14:49 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/53fc8a92-b3e7-4ddf-9f16-4d29d77df687_7632x5090.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Das war eine <a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/renditeanstieg-bundesanleihen-zinskosten-100.html">Schock-Meldung</a>. 150 Milliarden Euro an Zinskosten drohen dem Bundeshaushalt in Zukunft &#8211; jedes Jahr. So haben es die Finanzexperten Friedrich Heinemann vom Zentrum f&#252;r Europ&#228;ische Wirtschaftsforschung (ZEW) und Elmar V&#246;lker von der Landesbank Baden-W&#252;rttemberg (LBBW) errechnet. Grund sei der Ausverkauf deutscher Staatsanleihen infolge des Iran-Kriegs, der die Renditen in die H&#246;he getrieben habe.</p><p>Von 2,7 auf &#252;ber drei Prozent sprang die Rendite seit Kriegsbeginn. Laut Heinemann und V&#246;lker weil Investoren ein h&#246;heres Ausfallrisiko sehen, Bundesanleihen nicht mehr als sicherer Hafen gelten und das Schuldenpaket zu einem Reputationsverlust gef&#252;hrt habe. In ganz Europa steige &#8220;die Wahrscheinlichkeit einer Schuldenkrise&#8221;, so Heinemann. Die EZB k&#246;nnte deshalb in ein Dilemma geraten: Zur Inflationsbek&#228;mpfung seien Zinserh&#246;hungen angesagt, die aber w&#252;rden die Haushalte der Euro-Staaten noch tiefer in die Krise st&#252;rzen.</p><p>Auch rechte Politiker und YouTuber griffen die Meldung auf und sahen sich best&#228;tigt darin, das Schuldenpaket und die Aufweichung der Schuldenbremse kritisiert zu haben. &#8220;Zins-Explosion: Wohlstand steht auf der Kippe&#8221; hie&#223; es etwa bei Kolja Barghoorn. </p><p>Die gro&#223;e Frage: Stimmt das?</p><div><hr></div><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://go.fillter.me/maurice" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!KaSS!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F114afa35-c4c3-482f-b47a-a2e9986a9714_2560x1440.jpeg 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!KaSS!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F114afa35-c4c3-482f-b47a-a2e9986a9714_2560x1440.jpeg 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!KaSS!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F114afa35-c4c3-482f-b47a-a2e9986a9714_2560x1440.jpeg 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!KaSS!,w_1456,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F114afa35-c4c3-482f-b47a-a2e9986a9714_2560x1440.jpeg 1456w" sizes="100vw"><img 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg role="img" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><title></title><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" 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Die bildet den Zins f&#252;r zehnj&#228;hrige Interbankenkredite ab &#8211; und gilt als risikofreier Vergleichsma&#223;stab. Wenn Investoren wirklich Vertrauen verl&#246;ren und die Risikopr&#228;mie stiege, w&#228;re die rote Linie (die Differenz zwischen den blauen Linien) nach oben gegangen. Die Tatsache, dass Bundesanleihen aber keine 0,1 Prozent an Risikopr&#228;mie Abstand zum risikofreien Interbankenzins haben, beweist viel mehr: Bundesanleihen sind noch immer ein sicherer Hafen. Die Anleihen welches anderen Euro-Landes sollte es auch sonst sein?</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!lBKH!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F7b9be243-1a2f-46e1-9cce-6d2c85120079_2077x1272.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!lBKH!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F7b9be243-1a2f-46e1-9cce-6d2c85120079_2077x1272.png 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!lBKH!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F7b9be243-1a2f-46e1-9cce-6d2c85120079_2077x1272.png 848w, 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class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg role="img" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><title></title><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a><figcaption class="image-caption">Quelle: Dezernat Zukunft, 2026</figcaption></figure></div><p>Zweitens: Nur weil die Renditen w&#228;hrend des Krieges kurzfristig steigen, hei&#223;t es nicht, dass sie &#252;ber die n&#228;chsten Jahre so hoch liegen und Aberhunderte an Milliarden an Zinskosten ausl&#246;sen. Je eher der Krieg endet, desto kleiner f&#228;llt der Preisschock aus und desto schneller k&#246;nnen die Zinsen auch wieder sinken. Worst-Case-Rechnungen, die m&#246;glichst hohe Milliardensummen f&#252;r dramatische Schlagzeilen produzieren, sind schlicht unseri&#246;s.</p><p>Drittens: Es w&#228;re ein fataler Fehler, wenn die EZB als Reaktion auf die steigende B&#246;rsenpreise f&#252;r &#214;l und Gas die Zinsen wieder anheben w&#252;rde. Die Lektion aus dem Ukraine-Preisschock war ja gerade, dass die Zentralbank wenig dagegen ausrichten kann, wenn &#214;l oder Gas knapp zu werden drohen. Viel mehr br&#228;uchte es Entlastungen aus dem Bundeshaushalt, etwa durch eine Senkung der Energiesteuer (Stichwort: Tankrabatt), um den Preisanstieg abzumildern und die Verbraucher sp&#252;rbar zu entlasten. Denn je mehr Autofahrer an der Tankstelle zahlen, desto weniger Geld k&#246;nnen sie im Supermarkt und in der Innenstadt ausgeben. Ein solcher Preisschock belastet die ohnehin lahme Binnenwirtschaft. </p><p>Wenn die EZB jetzt auch noch die Zinsen anh&#246;be und allerlei Kredite verteuerte &#8211; etwa f&#252;r Unternehmensinvestitionen oder f&#252;r Immobilienfinanzierungen &#8211;, vergr&#246;&#223;erte sie nur den Schaden f&#252;r die deutsche Wirtschaft. Au&#223;erdem k&#246;nnte die EZB den Anstieg der Anleiherenditen einfach vermeiden. Entweder, indem sie Zinserh&#246;hungen ausschlie&#223;t, statt ihr das Wort zu reden. Das haben EZB-Chefin Lagarde und Bundesbank-Chef Nagel n&#228;mlich gemacht. Oder indem sie selbst Anleihen auf dem Markt kaufen &#8211; wie &#252;blich in Krisen. </p><p>Und viertens ist es falsch, h&#246;here Zinsen f&#252;r den Bund als Wohlstandsverlust zu bezeichnen. Die Zinsausgaben des Staates sind schlie&#223;lich die Zinseinnahmen der Anleihehalter. Also Banken, Zentralbanken, Versicherungen, Fonds und verm&#246;gende Einzelpersonen. Die nehmen leistungslos mehr ein, wenn der Staat mehr Zinsen bezahlt. Der Begriff &#8220;Zinskosten&#8221; ist makro&#246;konomisch irref&#252;hrend. Kosten sind es f&#252;r den Bundeshaushalt, aber nicht f&#252;r die gesamte Wirtschaft. Das Problem an steigenden Zinsen ist viel eher, dass steigende Zinsausgaben den Spielraum unter der Schuldenbremse verkleinern und damit andere Ausgaben verdr&#228;ngen. Ausgaben f&#252;r das Klima, f&#252;r den Sozialstaat oder f&#252;r andere Dinge. Sowohl die viel zu enge Schuldenbremse als auch die hohen Zinsen sind aber politische Entscheidungen, die sich korrigieren lie&#223;en &#8211; und keine externen Zw&#228;nge oder Naturkatastrophen gegen die man machtlos ist.</p><p>Also: Die 150-Milliarden-Schlagzeile ist &#252;bertrieben, falsch argumentiert und sowohl die Finanzexperten als auch die Crash-Youtuber ziehen die falschen Konsequenzen. Ebenso wohl leider auch die EZB, die mit Zinserh&#246;hungen die Wirtschaft abw&#252;rgen, die Haushalte erdrosseln und Reiche reicher machen wird &#8211; ohne die &#214;l- und Gaspreise auch nur ann&#228;hernd zu beeinflussen.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.geldfuerdiewelt.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"><strong>Als unabh&#228;ngiger Autor bin ich auf zahlende Leser angewiesen. 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Das w&#228;re aus drei Gr&#252;nden falsch]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/mehrwertsteuer-hoch-einkommensteuer</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/mehrwertsteuer-hoch-einkommensteuer</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Tue, 24 Mar 2026 16:03:39 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/f00b5a41-5f46-4ed2-ad4a-2e4f4aef955c_3364x2243.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Seit Wochen l&#228;uft die Debatte &#252;ber die Einkommensteuer. F&#252;r kleine und mittlere Einkommen soll sie sinken. So hat es sich Schwarz-Rot in den Koalitionsvertrag geschrieben. Und so hat es SPD-Chef und Finanzminister Lars Klingbeil nach der Wahlschlappe in Rheinland-Pfalz angek&#252;ndigt &#8211; sozusagen als Lehre aus der erneuten Niederlage. Der Druck ist gro&#223;.</p><p>Dabei gibt es zwei gro&#223;e Probleme. Erstens w&#252;rden damit gro&#223;e Einkommen st&#228;rker entlastet als kleine. Das lie&#223;e sich nur mit verhindern, wenn die Reform auch beinhaltete, den Spitzensteuersatz anzuheben &#8211; was CSU-Chef S&#246;der und auch Kanzler Merz aber nicht mittragen d&#252;rften, ja sogar in der Vergangenheit schon ausgeschlossen haben. Zweitens br&#228;chte das gro&#223;e Steuerausf&#228;lle f&#252;r den Haushalt, der ohnehin schon von der Schuldenbremse und den anstehenden Corona-Tilgungen erdrosselt wird.</p><p>Was also tun? Laut <a href="https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/haushalt-bundesregierung-prueft-hoehere-mehrwertsteuer/100210914.html">Handelsblatt</a> diskutieren SPD und Union in internen Runden nun ein Gesamtpaket. Die Einkommensteuer soll &#8211; wie versprochen &#8211; sinken, daf&#252;r allerdings die Mehrwertsteuer um zwei oder drei Prozentpunkte steigen. Das w&#228;re ein fataler Fehler.</p><div class="pullquote"><p>Deshalb, mein Rat: Liebe SPD, Finger weg von einer Mehrwertsteuererh&#246;hung.</p></div><p>Erstens: symbolisch, weil die Mehrwertsteuer alles verteuert. Die Kleidung beim Shoppen, die Getr&#228;nke beim Wocheneinkauf, das Popcorn im Kino und eben auch: den Sprit beim Tanken. F&#252;r die breite Mehrheit waren die letzten Jahre eine Krise der Bezahlbarkeit des Alltags. Diesen Alltag jetzt pauschal zu verteuern, w&#228;re das v&#246;llig falsche Signal &#8211; und ein Geschenk f&#252;r den Populismus der AfD.</p><p>Zweitens: verteilungspolitisch. W&#228;hrend die Einkommensteuersenkung an kleinen Einkommen vorbeigeht und &#252;berproportional gro&#223;e Einkommen entlastet, wirkt die Mehrwertsteuererh&#246;hung genau andersherum. Sie belastet kleine Einkommen im Verh&#228;ltnis st&#228;rker als gro&#223;e (siehe Grafik unterhalb). Der Grund: Wer wenig verdient, muss jeden Euro ausgeben, um den Alltag zu wuppen &#8211; und wird hart von der Steuererh&#246;hung getroffen. Wer hingegen viel verdient, spart, statt zu konsumieren &#8211; und entginge der Steuererh&#246;hung mit einem deutlich gr&#246;&#223;eren Teil des Einkommens. Die Kombination aus Einkommensteuer runter und Mehrwertsteuer rauf ist deshalb toxisch f&#252;r die ohnehin schiefe Einkommensverteilung.</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!9-IR!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fdf5f304c-2766-41a9-9218-3e6a9ae71c1f_800x579.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!9-IR!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fdf5f304c-2766-41a9-9218-3e6a9ae71c1f_800x579.png 424w, 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data-attrs="{&quot;src&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/df5f304c-2766-41a9-9218-3e6a9ae71c1f_800x579.png&quot;,&quot;srcNoWatermark&quot;:null,&quot;fullscreen&quot;:null,&quot;imageSize&quot;:null,&quot;height&quot;:579,&quot;width&quot;:800,&quot;resizeWidth&quot;:null,&quot;bytes&quot;:230588,&quot;alt&quot;:null,&quot;title&quot;:null,&quot;type&quot;:&quot;image/png&quot;,&quot;href&quot;:null,&quot;belowTheFold&quot;:false,&quot;topImage&quot;:true,&quot;internalRedirect&quot;:&quot;https://www.geldfuerdiewelt.de/i/191996438?img=https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fdf5f304c-2766-41a9-9218-3e6a9ae71c1f_800x579.png&quot;,&quot;isProcessing&quot;:false,&quot;align&quot;:null,&quot;offset&quot;:false}" class="sizing-normal" alt="" 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class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg role="img" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><title></title><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" 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Nur sind vier Prozent gar nicht erlaubt gem&#228;&#223; der EU-Mehrwertsteuersystemrichtlinie. Die sieht n&#228;mlich einen Mindestsatz von f&#252;nf Prozent vor. Und vor allem w&#252;rde eine Absenkung bei den erm&#228;&#223;igten S&#228;tzen nicht ann&#228;hernd den Kaufkraftverlust durch die Erh&#246;hung des regul&#228;ren Satzes kompensieren.</p><p>Und drittens: &#246;konomisch. Nicht nur die Exporte schw&#228;cheln &#8211; wegen Trumps Z&#246;llen, Chinas E-Autos und der zeitweise hohen Energiepreise &#8211; sondern auch die Binnenwirtschaft. Letztere k&#246;nnte mit einem mutigen Konjunkturprogramm belebt werden. Eine Mehrwertsteuererh&#246;hung, die fast jeden Kauf verteuert, w&#228;re das komplette Gegenteil &#8211; eine &#246;konomische Geisterfahrt.</p><p>Da die Eckpunkte f&#252;r den Haushalt 2027 bis Ende April stehen m&#252;ssen und die SPD nach den verlorenen Wahlen unter Zugzwang steht, k&#246;nnte jetzt schnell Bewegung in die Sache kommen. Gro&#223;e Verhandlungshebel hat die SPD gegen&#252;ber der Union nicht mehr, schlie&#223;lich hat die schon fast alle ihre Lieblingsprojekte aus dem Koalitionsvertrag durchbekommen. Die Ausgangsposition k&#246;nnte nicht schlechter sein f&#252;r die SPD.</p><p>Deshalb, mein Rat: Liebe SPD, Finger weg von einer Mehrwertsteuererh&#246;hung. Im Zweifel w&#228;re es sogar besser, auf die Einkommensteuersenkung zu verzichten und die Union daf&#252;r verantwortlich zu machen. &#8222;Weil die Union nicht den Spitzensteuersatz anheben wollte, konnten wir kleine und mittlere Einkommen nicht entlasten&#8220; w&#228;re das deutlich bessere Narrativ als &#8220;Sorry, dass wir alles teurer machen mussten&#8221;. </p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.geldfuerdiewelt.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"><strong>Als unabh&#228;ngiger Autor bin ich auf zahlende Leser angewiesen. Wenn Du meine Arbeit unterst&#252;tzen kannst und m&#246;chtest, geht es hier zum Abo! :-)</strong></p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Empörung zum Sondervermögen? Eigentor!]]></title><description><![CDATA[Warum die Studien zum Sonderverm&#246;gen und die reaktion&#228;re Emp&#246;rung dar&#252;ber falsch sind. Und was die bessere Strategie f&#252;r Progressive w&#228;re]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/emporung-zum-sondervermogen-eigentor-95-prozent-ifo-schulden-klingbeil</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/emporung-zum-sondervermogen-eigentor-95-prozent-ifo-schulden-klingbeil</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Wed, 18 Mar 2026 14:39:00 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/4cf3c34f-4c9e-4dcd-864f-85650301fe8e_5964x3976.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Alle schimpfen &#252;ber diese Zahl: 95 Prozent des Sonderverm&#246;gens sei 2025 zweckentfremdet worden. So hat es das Ifo-Institut errechnet. Und auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kommt auf &#228;hnliche Zahlen. Von ganz rechts bis ganz links hagelt es Emp&#246;rung. Politischer Kreditbetrug! W&#228;hlert&#228;uschung! Abrissparty statt Sanierung! Unsere Kinder bezahlen Wahlgeschenke! Skandal, Skandal, Skandal!</p><p>Okay, wir atmen durch &#8211; und analysieren, statt zu emp&#246;ren. Dazu drei Punkte.</p><div class="pullquote"><p>Das Problem: Mit dieser reaktion&#228;ren Kritik kann man Merz vielleicht &#228;rgern, aber man best&#228;rkt vor allem die konservativen Vorbehalte gegen&#252;ber lockeren Schuldenregeln und staatlichen Schulden generell. </p></div><h2>Eine Zahl f&#252;r den Knallmoment</h2><p>Erstens: Beide Studien kommen von arbeitgebernahen Instituten. Und beide lieben die Aufmerksamkeit, die sie jetzt bekommen haben. Das ist gut f&#252;r den eigenen Ruf und er&#246;ffnet die M&#246;glichkeit, auf gro&#223;er B&#252;hne die eigenen Forderungen zu platzieren. Daf&#252;r brauchte es einen Knallmoment. Zum Beispiel eine gro&#223;e Zahl. 95 Prozent f&#252;r das Jahr 2025? Jackpot!</p><p>Und dann am besten noch etwas, was das ganze Land &#8211; von links bis rechts &#8211; bl&#246;d findet: Staatsschulden. Die Schlagzeilen haben sich von allein geschrieben. Obendrauf sichern die reaktion&#228;ren Reflexe der Opposition eine zweite Welle der Berichterstattung. Und die Reaktion der Regierung sogar noch eine dritte. Mindestens. Ein PR-Masterplan. Hut ab!</p><h2>95 Prozent sind &#252;bertrieben</h2><p>Zweitens und viel schlimmer: Die 95 Prozent sind faktisch &#252;bertrieben. Das sieht man allein daran, dass die errechnete &#8222;Zweckentfremdungsquote&#8220; schon dieses Jahr von 95 Prozent auf 32 und 2027 auf 28 Prozent sinkt. Hei&#223;t: ab jetzt flie&#223;en mehr als Zweidrittel des Sonderverm&#246;gens in zus&#228;tzliche Investitionen. Es wird endlich mehr investiert. Klingt doch gu, oder? Die Kehrseite, also dass weniger als ein Drittel des Sonderverm&#246;gens die L&#252;cken im Haushalt stopft, der &#8211; mit Ausnahme von R&#252;stungsausgaben &#8211; von der Schuldenbremse erdrosselt wird, sollte zudem wirklich niemanden &#252;berraschen. Schon gar nicht Gr&#252;ne oder Linke, die die Schuldenbremse seit Jahren kritisieren &#8211; und die erdrosselnde Wirkung kennen.</p><p>Dazu kommt: 2025 galt bis Oktober noch der vorl&#228;ufige Haushalt der alten Regierung. Die Ampel war schlie&#223;lich daran zerbrochen, sich f&#252;r 2025 auf einen neuen Haushalt zu einigen. Der schwarz-rote Haushalt samt neuem Sonderverm&#246;gen wiederum galt also f&#252;r lediglich drei Monate. Diese drei Monate als Referenz f&#252;r ein Zw&#246;lf-Jahre-Sonderverm&#246;gen zu nehmen, ist nicht seri&#246;s.</p><p>Zumal noch einige Rechentricks genutzt wurden, um wirklich auf &#8222;skandaltr&#228;chtige&#8220; 95 Prozent zu kommen. Etwa, dass f&#252;r den hypothetischen Haushalt 2025 ganze 17 Milliarden an Investitionen aus dem Klimafonds zum Vergleichsma&#223;stab genommen wurden. Der Klimafonds war in der Ampel-Planung neun Milliarden Euro &#252;berbucht. Ohne das neue Sonderverm&#246;gen Infrastruktur h&#228;tten die geplanten Klimainvestitionen gar nicht realisiert werden k&#246;nnen. Rechnete man diese neun Milliarden dem neuen Sonderverm&#246;gen und nicht dem alten Klimafonds zu, halbierten sich die 95 Prozent. W&#228;re halt seri&#246;ser, aber vermasselte nat&#252;rlich den Knallmoment (Zwinker-Emoji).</p><p>Au&#223;erdem sollten aus dem Sonderverm&#246;gen noch acht Milliarden an die L&#228;nder flie&#223;en. Weil die L&#228;nder aber noch bis M&#228;rz 2026 brauchten, um konkrete Investitionspl&#228;ne zu schmieden, floss das Geld nicht mehr ab, kommt aber 2026 obendrauf. Ebenso wie einige andere Investitionen, die von kaputtgesparten Beh&#246;rden ausgebremst wurden.</p><div class="pullquote"><p>Sollten die Gr&#252;nen jetzt &#8211; wie angedroht &#8211; gegen das Sonderverm&#246;gen klagen, um sich an Merz zu r&#228;chen, der ja selbst eine Klage gegen die Ampel gewonnen hat, machten sie zwar Schwarz-Rot das Leben schwer, aber das Leben der Menschen nicht besser.</p></div><h2>Ein reaktion&#228;res Eigentor</h2><p>Drittens: sich mit AfD und FDP gemeinsam und reaktion&#228;r zu emp&#246;ren, ist ein strategisches Eigentor. Erst recht, wenn man auch noch deren Framing kopiert. Geld werde verprasst, Steuerzahler betrogen und die zuk&#252;nftige Generation belastet, so der Tenor. Selbst bei den Gr&#252;nen.</p><p>Hier drei Beispiele. Der junge und eigentlich progressive Gr&#252;nen-Abgeordnete Timon Dzienus schreibt zu der Studie: &#8222;Man leiht sich 100 Euro von seinen eigenen Kindern, um in deren Zukunft zu investieren &#8211; und dann vers&#228;uft man davon 95 Euro&#8220;. Der Post hat sogar tausende Likes bekommen. Dann ist da die Gr&#252;nen-Fraktionschefin Katharina Dr&#246;ge. Sie wirft Merz vor, das Sonderverm&#246;gen verzockt zu haben. &#8222;Friedrich Merz hatte die Aufgabe, ein Haus zu renovieren, und hat sich stattdessen daf&#252;r entschieden, eine Abrissparty zu feiern&#8220;, so ihr Statement. Und zuletzt wetterte auch die Gr&#252;nen-Vorsitzende Brantner: &#8222;Friedrich Merz hatte Reformen und Investitionen versprochen, ohne Schulden zu machen, jetzt macht er Schulden ohne Reformen und Investitionen&#8220;. Zum Vergleich: Ex-Finanzminister und Ex-FDP-Chef Lindner kommentiert rechthaberisch mit: &#8222;Die Aufweichung der Schuldenbremse erleichtert Kamelle-Politik&#8220;. Merz habe mit dem Sonderverm&#246;gen die B&#252;chse der Pandora ge&#246;ffnet. Sein FDP-Nachfolger, Christian D&#252;rr, klingt &#228;hnlich: &#8222;Wenn es nicht tragischerweise die junge Generation so dramatisch belasten w&#252;rde, k&#246;nnte man &#252;ber die Dreistigkeit der SPD jetzt fast lachen&#8220;.</p><p>Das Problem: Mit dieser reaktion&#228;ren Kritik kann man Merz vielleicht &#228;rgern, aber man best&#228;rkt vor allem die konservativen Vorbehalte gegen&#252;ber lockeren Schuldenregeln und staatlichen Schulden generell. Man sch&#252;rt genau das Mindset, das die Schuldenbremse m&#246;glich und den Investitionsstau verursacht hat. &#214;konomisch ist es au&#223;erdem schlicht falsch: Staatsschulden erzeugen neue Ersparnisse, sie bereichern die k&#252;nftige Generation und belasten sie nicht. Au&#223;erdem steckt die Wirtschaft seit Jahren in der Krise, die Binnenwirtschaft lahmt und der Export&#252;berschuss sinkt. Beides zwingt den Staat zu h&#246;heren Schulden &#8211; auch ganz unabh&#228;ngig vom gro&#223;en Investitionsstau. Wer &#8211; wie die Gr&#252;nen &#8211; Schulden aber nur f&#252;r Investitionen und Verteidigung guthei&#223;t, verengt den Spielraum, den es braucht, um den Sozialstaat vor K&#252;rzungen zu sch&#252;tzen und ein Konjunkturprogramm &#252;berhaupt m&#246;glich zu machen.</p><p>Mehr als ein Jahrzehnt hat es gebraucht, um die Schuldenbremse an immerhin zwei Stellen auszuhebeln. F&#252;r Verteidigung und f&#252;r eben jenes Sonderverm&#246;gen. Diese zwei Ausnahmen sind aber noch immer zu wenig. Sonst k&#228;me der Sozialstaat im Kernhaushalt ja nicht unter Druck und sonst w&#228;ren Steuerreformen einfacher m&#246;glich. Sollten die Gr&#252;nen jetzt &#8211; wie angedroht &#8211; gegen das Sonderverm&#246;gen klagen, um sich an Merz zu r&#228;chen, der ja selbst eine Klage gegen die Ampel gewonnen hat, machten sie zwar Schwarz-Rot das Leben schwer, aber das Leben der Menschen nicht besser.</p><h2>Man gibt dem Krieg auf, um die Schlacht zu gewinnen?</h2><p>Ja, mit dem Sonderverm&#246;gen werden auch Haushaltsl&#252;cken gestopft &#8211; zu ungef&#228;hr einem Drittel. Und ja, das erm&#246;glicht wiederum Reformen, die man als Linker und Gr&#252;ner nicht gut findet. Die Unternehmensteuersenkung zum Beispiel. Nur: Dann bitte kritisiert diese Entscheidung an sich. Und w&#228;hlt nicht den Umweg &#252;ber die h&#246;heren Schulden durch das Sonderverm&#246;gen, das wiederum die vermeintlichen Haushaltl&#246;cher stopft. Andersherum l&#228;sst man der Regierung ja auch nicht durchgehen, wenn sie Sozial- oder Klimak&#252;rzungen damit legitimiert, das Geld im Haushalt fehlt. Das aber sind zwei Seiten einer Medaille.</p><p>Anders formuliert: Progressive sollten besser politische Entscheidungen an sich kritisieren als technokratische Kniffe wie das Sonderverm&#246;gen, die die Schuldenbremse umgehen. Oder eben die Kritik am Sonderverm&#246;gen damit verbinden, dass die Schuldenbremse die Ursache ist. Das aber hat in der Debatte um die Zweckentfremdung keiner gemacht. Sondern sich in FDP-Manier zu billigem und &#246;konomisch widersinnigem Schulden-sind-schlecht-Populismus hinrei&#223;en lassen. Damit l&#228;sst sich vielleicht eine Schlacht gegen Merz gewinnen, aber den Krieg um die Schuldenbremse und die &#246;konomische Deutungshoheit gibt man auf.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.geldfuerdiewelt.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"><strong>Als unabh&#228;ngiger Autor bin ich auf zahlende Leser angewiesen. 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Ein Fehler!]]></title><description><![CDATA[Kanzler Merz beklagt zu viele Krankentage, aber schaut zu, wie die gesetzliche Kasse an Psychotherapeuten spart?]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/rotstift-fur-psychotherapie-ein-fehler</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/rotstift-fur-psychotherapie-ein-fehler</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Fri, 13 Mar 2026 16:45:49 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/cf7f8985-3ee8-4444-9c63-db0df7bb65a8_6106x4071.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Friedrich Merz macht keinen Hehl daraus: 14,5 Krankentage pro Jahr sind ihm zu viel. Daher seine rhetorische Frage: Ist das wirklich richtig, ist das wirklich notwendig? Zu gro&#223; die Belastung f&#252;r die Arbeitgeber, f&#252;r die Beitragszahler, f&#252;r das Bruttoinlandsprodukt, so die Sorgen des Kanzlers. Und w&#228;hrend seine Partei noch laut &#252;ber einen Karenztag nachdenkt, an dem krankgeschriebene Arbeitnehmer weniger &#8211; oder gar keinen &#8211; Lohn bekommen, um sich gef&#228;lligst auch mit Schnupfen und Migr&#228;ne zur Arbeit zu schleppen, schaffen die gesetzlichen Krankenkassen l&#228;ngst Tatsachen. Dort w&#252;tet der Rotstift.</p><p>Der Grund: Die Kassen schreiben Defizite, m&#252;ssen den Zusatzbeitrag immer weiter anheben und leiden noch immer unter den hohen Coronakosten, die die letzten drei Bundesregierungen &#8211; anders als versprochen &#8211; noch immer nicht ersetzt haben. Eigentlich br&#228;uchten die Kassen vom Bund eigentlich Zusch&#252;sse im zweistelligen Milliardenbereich, bekommen aber nur einstelligen Darlehen als Trostpflaster.</p><div class="pullquote"><p>4,5 Prozent K&#252;rzung bei der Psychotherapie &#8211; ist das wirklich richtig, ist das wirklich notwendig?</p></div><h2>Gleiche Leistung, mehr Bedarf, weniger Geld</h2><p>Besonders getroffen vom Rotstift: die Psychotherapie. Ab dem 1. April werden die Honorare f&#252;r psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent abgesenkt. Zwar werden gleichzeitig sogenannte Strukturzuschl&#228;ge angehoben, die aber kompensieren nicht ann&#228;hernd die Honorark&#252;rzung. Hei&#223;t: Psychotherapeuten bekommen f&#252;r jede Behandlung etwas weniger Geld von den gesetzlichen Krankenkassen. Gleiche Leistung, weniger Geld.</p><p>Beschlossen hat das nicht die Regierung und nicht der Bundestag, sondern der Bewertungsausschuss, ein Gremium aus Krankenkassen und &#196;rzteschaft (die sogenannte Kassen&#228;rztlicher Bundesvereinigung, kurz: KBV). Dieser Ausschuss muss j&#228;hrlich &#252;berpr&#252;fen muss, ob die gezahlten Honorare angemessen sind. Dieses Mal konnten sich beide Parteien aber nicht einigen. Deshalb kam ein weiteres Gremium ins Spiel: der erweiterte Bewertungsausschuss. Dabei wird der Ausschuss um einen unparteiischen Vorsitzenden und zwei weitere unparteiische Mitglieder erg&#228;nzt. Mit diesen Stimmen wurde schlie&#223;lich gegen den Willen der KBV beschlossen, die Honorare kurzerhand um 4,5 Prozent abzusenken.</p><p>Weil die Kassen sogar urspr&#252;nglich eine K&#252;rzung von zehn Prozent wollten, nennen sie die 4,5 Prozent einen &#8222;angemessenen Kompromiss&#8220;. Die Interessenvertretungen von Psychotherapeuten und die KBV bezeichnen die K&#252;rzung hingegen als &#8222;Unding&#8220;. Und das zu Recht. Die K&#252;rzung ist medizinisch kurzsichtig und &#246;konomisch sch&#228;dlich.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.geldfuerdiewelt.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"><strong>Als unabh&#228;ngiger Autor bin ich auf zahlende Leser angewiesen. 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Offensichtlich wird also am falschen Ende gespart.</p><p>Zweitens: Psychotherapeuten trifft eine K&#252;rzung der gesetzlichen Verg&#252;tung besonders hart &#8211; weil ihre Praxen gr&#246;&#223;tenteils von Kassenpatienten leben. 90 Prozent ihrer Einnahmen kommen von gesetzlich Versicherten. Bei Arztpraxen sind es im Schnitt 72 Prozent, bei Zahnarztpraxen sogar nur 52 Prozent. Umgekehrt sind deren Einnahmen von Privatpatienten bei &#196;rzten und Zahn&#228;rzten entsprechend h&#246;her. F&#252;r die Psychotherapie aber hei&#223;t das: Wenn die gesetzliche Verg&#252;tung sinkt, versch&#228;rft das den Anreiz, Privatpatienten zu bevorzugen. Privatpatienten bringen schon jetzt h&#246;here Honorare und mit der K&#252;rzung wird der Abstand zu gesetzlich Versicherten bald noch gr&#246;&#223;er. F&#252;r die bedeutet das in Zukunft noch l&#228;ngere Wartezeiten. Dabei m&#252;ssen schon heute viele Menschen Monate auf einen Therapieplatz warten.</p><div class="pullquote"><p>F&#252;r weniger Fehlzeiten braucht es mehr Kapazit&#228;ten f&#252;r psychische Gesundheit &#8211; nicht weniger.</p></div><p>Drittens nimmt der Bedarf an Psychotherapie zu, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. <a href="https://deutschezentren.de/news/wie-forschung-psychische-stoerungen-bei-kindern-und-jugendlichen-reduzieren-soll-dzpg-nimmt-risikofaktoren-in-den-fokus/">Studien</a> zeigen, dass inzwischen rund jedes f&#252;nfte Kind psychische Auff&#228;lligkeiten zeigt. Gerade in jungen Jahren ist eine gute Versorgung besonders wichtig: Viele psychische Erkrankungen beginnen bereits in der Kindheit oder Jugend. Wenn sie fr&#252;h behandelt werden, lassen sich Chronifizierungen und sp&#228;tere schwere Krankheitsverl&#228;ufe oft verhindern.</p><p>Und viertens ist die Psychotherapie im Gesundheitssystem keineswegs ein gro&#223;er Kostenblock. F&#252;r ambulante Psychotherapie geben die gesetzlichen Krankenkassen rund 4,6 Milliarden Euro pro Jahr aus. Das entspricht nur etwa anderthalb Prozent der gesamten GKV-Ausgaben. Mit anderen Worten: Von 100 Euro Krankenkassenbeitr&#228;gen flie&#223;en nur etwa ein bis zwei Euro in Psychotherapie. Das Deutsche Psychotherapeutennetzwerk hat errechnet, dass die Honorark&#252;rzungen von 4,5 Prozent die Gesamtkosten der gesetzlichen Krankenversicherungen gerade einmal um l&#228;cherliche 0,05 Prozent senken w&#252;rden &#8211; daf&#252;r aber fatale Folgen haben.</p><p>Denn psychische Erkrankungen geh&#246;ren zu den wichtigsten Gr&#252;nden f&#252;r lange Krankheitsausf&#228;lle. Depressionen, Angstst&#246;rungen oder Burnout f&#252;hren oft zu Ausf&#228;llen von mehreren Wochen oder Monaten. Entsprechend gro&#223; ist ihr Anteil an den gesamten Krankheitstagen. N&#228;mlich: fast 19 Prozent, kurz hinter Atemwegserkrankungen, die rund 20 Prozent aller Krankheitstage verursachen. Erk&#228;ltungen kommen zwar h&#228;ufiger vor, dauern aber nicht so lange wie psychische Erkrankungen.</p><p>Dazu kommt: Der gr&#246;&#223;te Teil der Kosten psychischer Erkrankungen entsteht nicht im Gesundheitssystem, sondern durch <strong>Produktivit&#228;tsverluste</strong>. Durch Krankentage, verringerte Leistungsf&#228;higkeit bei der Arbeit oder Fr&#252;hverrentungen. Diese indirekten Kosten sind volkswirtschaftlich deutlich h&#246;her als die direkten Ausgaben f&#252;r die Behandlung. Wer vorne bei der Behandlung k&#252;rzt, erzeugt hintenrum deutlich h&#246;here Kosten. Man muss es deshalb so hart sagen: Sparen an der Psychotherapie ist Sparen f&#252;r Dumme.</p><p>Die politische Botschaft ist paradox: W&#228;hrend der Kanzler &#246;ffentlich &#252;ber zu viele Krankentage klagt, spart das System ausgerechnet bei der Behandlung einer der wichtigsten Ursachen. Gerade f&#252;r die Psychotherapie gilt: Wenn Menschen fr&#252;hzeitig behandelt werden, lassen sich viele dieser Verl&#228;ufe verk&#252;rzen oder verhindern. Ambulante Therapie kann teure Klinikaufenthalte, Chronifizierung und lange Arbeitsausf&#228;lle vermeiden. F&#252;r weniger Fehlzeiten braucht es mehr Kapazit&#228;ten f&#252;r psychische Gesundheit &#8211; nicht weniger.</p><p>Die Frage, die der Bundeskanzler also bei seiner n&#228;chsten Rede stellen sollte, lautet also nicht: 14,5 Krankentage im Jahr &#8211; ist das wirklich richtig, ist das wirklich notwendig? Sondern: 4,5 Prozent K&#252;rzung bei der Psychotherapie &#8211; ist das wirklich richtig, ist das wirklich notwendig?</p><h2>144.000 Unterschriften dagegen</h2><p>Die Psychotherapeutin Johanna Jung hat nach der Entscheidung umgehend eine <a href="https://www.change.org/p/monatelange-wartezeiten-und-jetzt-werden-psychotherapeutische-leistungen-gek%C3%BCrzt?recruiter=44621983&amp;recruited_by_id=c23b5d60-7306-0130-ab59-3c764e044e9e&amp;utm_source=share_petition&amp;utm_campaign=psf_promote_or_share&amp;utm_term=psf&amp;utm_medium=twitter&amp;share_id=mvm2Lsynkq">Petition</a> gestartet und bereits 144.000 Unterschriften. &#8222;Diese Entscheidung sendet ein widerspr&#252;chliches Signal: W&#228;hrend politisch gefordert wird, Krankheitszeiten zu reduzieren und die Erwerbsf&#228;higkeit zu st&#228;rken, wird gleichzeitig genau die Versorgung geschw&#228;cht, die Menschen dabei hilft, psychische Krisen zu bew&#228;ltigen, gesund zu werden und wieder am Arbeitsleben teilzunehmen&#8220;, so die Kritik von Jung. </p><p>Die Forderungen der Petition:</p><blockquote><p>1. die R&#252;cknahme der Abwertung der psychotherapeutischen Gespr&#228;chsleistungen im EBM</p><p>2. eine politische Strategie zur nachhaltigen St&#228;rkung der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung</p><p>3. eine Verg&#252;tungsstruktur, die der gesellschaftlichen Bedeutung psychischer Gesundheit gerecht wird</p></blockquote><p>Wer nach mir unterschreiben will, <a href="https://www.change.org/p/monatelange-wartezeiten-und-jetzt-werden-psychotherapeutische-leistungen-gek%C3%BCrzt?recruiter=44621983&amp;recruited_by_id=c23b5d60-7306-0130-ab59-3c764e044e9e&amp;utm_source=share_petition&amp;utm_campaign=psf_promote_or_share&amp;utm_term=psf&amp;utm_medium=twitter&amp;share_id=mvm2Lsynkq">hier</a> entlang.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.geldfuerdiewelt.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"><strong>Als unabh&#228;ngiger Autor bin ich auf zahlende Leser angewiesen. Wenn Du meine Arbeit unterst&#252;tzen kannst und m&#246;chtest, geht es hier zum Abo! :-)</strong></p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Kuhhandel um die Schuldenbremse]]></title><description><![CDATA[Die SPD hat ihre Verhandlungsmasse abgeschenkt und muss jetzt um die Reform der Schuldenbremse kuhhandeln. Ein Zeichen von Verzweiflung. Und F&#252;hrungskrise?]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/kuhhandel-um-die-schuldenbremse-reform-wahlrecht-klingbeil-merz-spd</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/kuhhandel-um-die-schuldenbremse-reform-wahlrecht-klingbeil-merz-spd</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Thu, 12 Mar 2026 09:52:42 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/455e8238-3170-4807-ad8f-6ccc4b58aa1a_5231x3487.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>In der Koalition steht ein gro&#223;er Konflikt an. Ende des Monats soll die Kommission zur Reform der Schuldenbremse ihre Vorschl&#228;ge pr&#228;sentieren. Eigentlich soll die Schuldenbremse dann modernisiert werden. Und zwar so, dass es dauerhaft mehr Spielraum im Bundeshaushalt gibt. Die L&#252;cken sind schlie&#223;lich gro&#223;.</p><p>Doch nach der Wahl in Baden-W&#252;rttemberg hat Friedrich Merz klargemacht, dass er eine weitere Aufweichung der Schuldenbremse ablehnt. Es gebe zwar ein paar technische Details zur Schuldenbremse zu verbessern, aber mehr Schulden kommen f&#252;r ihn nicht infrage. Die Grenze der Schuldentragf&#228;higkeit sei aus seiner Sicht bereits erreicht. &#8222;Das wei&#223; auch die SPD&#8220;, so Merz.</p><p>Faktencheck: Deutschlands Schuldenquote liegt bei 62 Prozent der Wirtschaftsleistung. Selbst mit all den Sonderverm&#246;gen, der Verdreifachung der Verteidigungsausgaben im Bundeshaushalt und lahmem Wirtschaftswachstum l&#228;ge die Quote im Jahr 2029 bei nur 80 Prozent. Alle anderen G7-Industriestaaten liegen deutlich &#252;ber 100 Prozent. Dazu kommt: Der Zins f&#252;r zehnj&#228;hrige Staatsanleihen lag vor dem Irankrieg bei 2,6 Prozent, also nur moderat &#252;ber dem Leitzinsniveau. Alle Ratingagenturen bescheinigen Deutschland au&#223;erdem bestm&#246;gliche Kreditw&#252;rdigkeit, das ber&#252;hmte Triple-A-Rating. Woran Kanzler Merz die Grenze der Kreditf&#228;higkeit festmacht? Ist wohl sein Geheimnis. Oder ein billiger politischer Vorwand. Und zwar einer, den Lars Klingbeil &#8211; als SPD-Chef und Finanzminister &#8211; &#246;ffentlich entkr&#228;ften sollte.</p><div class="pullquote"><p>Sollte die Reform der Schuldenbremse nicht gelingen, kann sich Lars Klingbeil als SPD-Chef und Finanzminister nicht l&#228;nger aus der Verantwortung stehlen &#8211; so wie sonst immer.</p></div><h2>So gro&#223; sind die L&#252;cken im Haushalt</h2><p>F&#252;r viele in der Union ist Merz Absage, aber genau das, was sie h&#246;ren wollen. Ihnen kommen die L&#252;cken im Bundeshaushalt gar entgegen, um den Staat zu verkleinern und den Sozialstaat zurechtzuschneiden. Strukturreformen statt neuer Schulden hei&#223;t es dann. Und genau das hat Friedrich Merz auch erst vor kurzem auf dem CDU-Parteitag versprochen, sich sogar nach einem Jahr noch einmal f&#252;r das 500-Milliarden-Schuldenpaket dem&#252;tig gerechtfertigt.</p><p>Die Finanzplanung des Bundes zeigt, wie eng der finanzielle Spielraum wird. Besonders ab 2028. Dann m&#252;ssen die Corona-Schulden zur&#252;ckgezahlt werden und gleichzeitig f&#228;llt die Konjunkturkomponente der Schuldenbremse deutlich kleiner aus (weil die Wirtschaft so lange stagniert). Der regul&#228;re Verschuldungsspielraum &#8211; also abseits der Bereichsausnahme f&#252;r Verteidigung und der Sonderverm&#246;gen &#8211; schrumpft deshalb massiv: von rund 36 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf etwa 9,4 Milliarden im Jahr 2028 und sogar nur noch rund 4,8 Milliarden Euro im Jahr 2029. Sp&#228;testens dann wird sichtbar, wie wenig Spielraum der Bund unter der aktuellen Schuldenbremse tats&#228;chlich hat.</p><h2>Wahlrecht gegen Schuldenbremse?</h2><p>Die SPD versucht deshalb die Reform der Schuldenbremse mit einer politischen Taktik durchzusetzen, an der die Ampel zerbrochen ist: dem Kuhhandel. Dabei werden zwei Vorhaben einander zur Bedingung gemacht, obwohl sie inhaltlich gar nichts miteinander zu tun haben. Bestes Beispiel: Die FDP hat damals die Verl&#228;ngerung der Mietpreisbremse so lange blockiert, bis die SPD ihr bei der Vorratsdatenspeicherung entgegengekommen ist. Nun dreht die SPD das Ganze um: Ohne Reform der Schuldenbremse keine Reform des Wahlrechtes &#8211; ein Herzensprojekt der CSU. Beides steht im Koalitionsvertrag, hat aber inhaltlich nichts miteinander zu tun. Strategisch ist dieser Kuhhandel allerdings fragw&#252;rdig.</p><div class="pullquote"><p>Besser w&#228;re gewesen, die SPD h&#228;tte die Senkung der Unternehmensteuer an die Reform der Schuldenbremse gekn&#252;pft.</p></div>
      <p>
          <a href="https://www.geldfuerdiewelt.de/p/kuhhandel-um-die-schuldenbremse-reform-wahlrecht-klingbeil-merz-spd">
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          </a>
      </p>
   ]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Was lernen aus der BaWü-Wahl?]]></title><description><![CDATA[Warum die Gr&#252;nen sich in falscher Euphorie w&#228;hnen, die SPD einen Kurswechsel braucht und die AfD immer st&#228;rker wird]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/was-lernen-aus-der-bawu-wahl</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/was-lernen-aus-der-bawu-wahl</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Mon, 09 Mar 2026 14:45:36 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/4177ccbc-a859-4420-af5a-e30b9b817c90_4044x2696.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Die Gr&#252;nen feiern, die SPD verzwergt sich. Die AfD kann vor Kraft kaum laufen, die Union stolpert &#252;ber Eva &#8211; und ihre rehbrauen Augen. Die Linke gewinnt Erstw&#228;hler, die FDP verliert bald ihre Existenz. Das w&#228;re die Wahlanalyse in drei S&#228;tzen. Doch es gibt noch mehr zu lernen und sich vor falschen Schlussfolgerungen zu bewahren.</p><p>Ein gr&#252;ner Ministerpr&#228;sident als Wahlgewinner darf nicht dar&#252;ber hinwegt&#228;uschen, dass die Wahl ein weiterer Rechtsruck ist. SPD, Gr&#252;ne und Linke verlieren zusammen 7,1 Prozent; CDU, AfD und FDP gewinnen 8,6 Prozent. Wobei die FDP und die SPD die gr&#246;&#223;ten Verlierer sind, mit historisch schlechten Ergebnissen.</p><p>Wirtschaft war das wahlentscheidende Thema. Vor sozialer Sicherheit, Klima und innerer Sicherheit. Sinkende Exporte, kriselnde Autoindustrie, grassierende Kurzarbeit, all das schl&#228;gt in BaW&#252; zu. Das Problem: Wirtschaftskompetenz schreibt die Mehrheit der Bev&#246;lkerung noch immer eher rechten Parteien zu. Traditionell der CDU, aber immer mehr auch der AfD. Gefragt danach, wem W&#228;hler zu trauen, die Wirtschaft anzukurbeln und Arbeitspl&#228;tze zu retten, landet die AfD auf dem zweiten Platz &#8211; vor den Gr&#252;nen und weit vor der SPD. Daraus leitet sich ein wichtiger Auftrag ab: SPD, Gr&#252;ne und Linke m&#252;ssen diese Kompetenzzuschreibung dringend umkehren, wenn es linke Mehrheiten im Land geben soll. Daf&#252;r m&#252;sste sie rechte Wirtschaftspolitik entzaubern, statt sie in kleinerer Dosis selbst zu praktizieren (Stichwort: Unternehmensteuersenkungen und Sozialk&#252;rzungen).</p><h2>AfD-Zugewinn nach alten Mustern</h2><p>Der Zugewinn der AfD (+9,1%) erkl&#228;rt sich in BaW&#252; mit den gleichen Mustern wie bei anderen Wahlen in der j&#252;ngeren Vergangenheit. Die AfD gewinnt auch in BaW&#252; &#8211; neben Rechten, die die innere Sicherheit gef&#228;hrdet sehen und gegen Zuwanderung sind &#8211;immer mehr Arbeiter, mit niedrigem Einkommen, Sorgen um ihren Arbeitsplatz und ihren Lebensstandard, mit tendenziell niedrigeren Bildungsabschl&#252;ssen, wohnhaft in l&#228;ndlichen Regionen mit weniger Einwohnern und h&#246;herer Arbeitslosigkeit. Dazu tendenziell mehr M&#228;nner als Frauen, vorherige Nichtw&#228;hler und punktet vor allem in der erwerbst&#228;tigen Altersklasse von 25 bis 59 Jahren. Bei Rentner schneidet sie am schlechtesten ab und verzeichnet auch die niedrigsten Zuw&#228;chse; bei den ganz Jungen holt die AfD langsam auf.</p><p>Auch die BaW&#252;-Wahl best&#228;tigt also, was ich gebetsm&#252;hlenartig wiederhole: Wer die AfD klein bekommen will, muss Politik machen, die kleine Geldbeutel gr&#246;&#223;er macht und wirtschaftliche Existenz&#228;ngste beseitigt. F&#252;nf Jahre Wirtschaftskrise, Kaufkraftverlust, steigende Preise und Arbeitslosigkeit: All das war Wasser auf die M&#252;hlen der AfD. Diese Erkenntnis scheint in der Bundesregierung aber noch nicht verstanden zu sein, obwohl sie uns jetzt bei der X-ten Wahl hintereinander ins Gesicht springt. Schwarz-Rot gibt viel Geld f&#252;r Verteidigung und Unternehmensteuersenkungen aus, aber plant weder ein echtes Konjunkturpaket noch sp&#252;rbare Verbesserungen f&#252;r kleine und mittlere Einkommen. Ein &#246;konomischer Fehler, und ein politischer obendrein.</p><h2>Falsche Euphorie bei den Gr&#252;nen</h2><p>Die Gr&#252;nen wiederum haben mehr gejubelt als angemessen w&#228;re. Sie w&#228;hnen sich in falscher Euphorie. Auch wenn Cem &#214;zdemir und Parteichefin Franziska Brantner das gerne h&#228;tten: Das Ergebnis ist kein Beweis daf&#252;r, dass der konservative Realo-Kurs der Beste ist und zuk&#252;nftig aus BaW&#252; auf den Bundeskurs &#252;bertragen werden sollte.</p><div class="pullquote"><p>Die Frage stellt sich: Wozu hat er eigentlich gewonnen? </p></div><p>Erstens, weil Cem &#214;zdemir nicht gewonnen, sondern Manuel Hagel verloren hat. W&#228;re sein Skandal-Interview aus der Vergangenheit nicht aufgetaucht und h&#228;tte er nicht den verdienten Shitstorm erhalten, h&#228;tte es f&#252;r Hagel wohl gereicht. Zweitens, weil die Gr&#252;nen im Vergleich zu 2021 trotzdem Stimmen und Sitze verloren haben und nun mit einer m&#228;chtigeren CDU als Partner klarkommen und wohl schlechtere Kompromisse machen m&#252;ssen. Und drittens, weil v&#246;llig offen ist, wof&#252;r &#214;zdemir seine Macht eigentlich wirklich einsetzen will. Im Wahlkampf hat er sich vom gr&#252;nen Programm und klassisch gr&#252;nen Forderungen distanziert. Zum Beispiel vom &#8222;Verbrenner-Aus&#8220;. Klimaschutz? Nur wenn er wirtschaftlich ist, so &#214;zdemir.</p><p>Stattdessen hat er partei&#252;bergreifende L&#246;sungen versprochen und sich als unabh&#228;ngiger, parteiferner Landesvater inszeniert. Zu dem Image passte gleichwohl, dass er auch Bundeslandwirtschaftsminister in der Ampel schon wenig daf&#252;r tat, um auch nur kleinste Dosen &#246;kologischer Politik durchzusetzen. Die Frage stellt sich: Wozu hat er eigentlich gewonnen? Was bringt Macht nur der Macht willen?</p><h2>Die Selbstverzwergung der SPD</h2><p>Und dann ist da noch die SPD. Also das Bisschen, was von ihr nach dem schlechtesten Landtagswahlergebnis seit Kriegsende noch &#252;ber ist. Aus &#252;ber 30 Prozent bei der Wahl 2001 wurden gestern j&#228;mmerliche f&#252;nfeinhalb. In einem industriell gepr&#228;gten Bundesland mit vielen gewerkschaftlich organisierten Jobs wohlgemerkt. Symbolisch daf&#252;r: Der Stimmanteil unter Arbeitern ist in dem Zeitraum von 32 auf f&#252;nf Prozent geschrumpft. Ein langer Niedergang endete gestern in einer Vollkatastrophe.</p><div class="pullquote"><p>Die BaW&#252;-Wahl beweist: die SPD hat eine existenzbedrohliche F&#252;hrungskrise. </p></div><p>Und der derzeit m&#228;chtigste SPD-Mann, der schwieg gestern. Finanzminister, Vizekanzler und SPD-Chef Klingbeil blieb den Kameras fern. Stattdessen stellten sich seine Co-Chefin Bas und sein Generalsekret&#228;r Kl&#252;ssendorf den Fragen der Journalisten. Man habe darunter gelitten, dass es am Ende auf ein knappes Duell zwischen &#214;zdemir und Hagel hinausgelaufen sei, rechtfertigt Kl&#252;ssendorf das Ergebnis. Was f&#252;r eine peinliche Selbstverzwergung f&#252;r eine Partei, die Volkspartei sein will? Man habe die richtigen Themen angesprochen, aber sei nicht durchgedrungen, so Bas. Was f&#252;r eine billige Floskel. Vielleicht liefert die SPD derzeit auch einfach die falschen Antworten, hat das schon mal jemand in der Parteispitze in Erw&#228;gung gezogen?</p><p>Fast Zweidrittel der W&#228;hler finden, die SPD habe im Bund zu wenig von dem gehalten, was sie vor der Wahl versprochen hatte. Und: sie haben Recht. 15 Euro Mindestlohn? Gibt es nicht. Mieterschutz beim Heizungsgesetz? Ups, vergessen. Angleichung von Kindergeld und Kinderfreibetrag? Anhebung des Elterngeldes? Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel? Steuerentlastung f&#252;r kleine und mittlere Einkommen? Kein Anschluss unter dieser Nummer.</p><p>Stattdessen? Lauter Prestigeprojekte von CDU und CSU durchgewunken: Asylwende, Familiennachzug ausgesetzt, Gelder f&#252;r Integrationskurse gestrichen, Gastrosteuer gesenkt, Unternehmensteuer gesenkt, B&#252;rgergeld abgeschafft und so weiter und so fort.</p><p>Die BaW&#252;-Wahl beweist: die SPD hat eine existenzbedrohliche F&#252;hrungskrise. Sie m&#252;sste aus der Bundesregierung heraus liefern, um Vertrauen zur&#252;ckzugewinnen, aber sie l&#228;sst sich von der Union permanent &#252;ber den Tisch ziehen und liegt auch im Bund in Umfragen l&#228;ngst hinter ihrem Bundestagswahlergebnis. Der Trend geht nach unten, nicht nach oben. Hei&#223;t auch: Der aktuelle SPD-Kurs beschleunigt den Rechtsruck.</p><p>Und in zwei Wochen steht schon die n&#228;chste Wahl an. Dann steht f&#252;r die SPD noch mehr auf dem Spiel: N&#228;mlich das Amt des Ministerpr&#228;sidenten Alexander Schweitzer. Mit Ignoranz gegen&#252;ber den eigenen Fehlern und Selbstverzwergung schafft die SPD jedenfalls keine Wende!</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.geldfuerdiewelt.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"><strong>Als unabh&#228;ngiger Autor bin ich auf zahlende Leser angewiesen. Wenn Du meine Arbeit unterst&#252;tzen kannst und m&#246;chtest, geht es hier zum Abo! :-)</strong></p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[So tickt der neue Wirtschaftsweise]]></title><description><![CDATA[Gabriel Felbermayr folgt bei den Wirtschaftsweisen auf Ulrike Malmendier. Ideologisch ist er aber der versp&#228;tete Ersatz f&#252;r Lars Feld]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/so-tickt-der-neue-wirtschaftsweise</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/so-tickt-der-neue-wirtschaftsweise</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Thu, 05 Mar 2026 12:19:55 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/e7437f84-8e65-4cb3-b331-c8fce1c9c89d_5568x3712.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt ist es also beschlossen. Der &#246;sterreichische &#214;konom Gabriel Felbermayr folgt auf Ulrike Malmendier in den Rat der Wirtschaftsweisen. So hat es das Bundeskabinett auf Vorschlag von Wirtschaftsministerin Reiche dem Bundespr&#228;sidenten vorgeschlagen, der Felbermayr formal ernennen muss. Welche &#214;konomen auf die f&#252;nf Posten des prestigetr&#228;chtigen Beratergremiums verteilt werden, ist seit jeher ein Politikum. Das Ziel: Lagerbildung zwecks Diskurshoheit.</p><p>Traditionsgem&#228;&#223; wird jeweils ein Posten auf Vorschlag der Arbeitgeberverb&#228;nde und ein Posten auf Vorschlag der Gewerkschaften besetzt. Das sind derzeit Martin Werding auf dem Arbeitgeberticket und Achim Truger auf dem Gewerkschaftsticket. Die restlichen drei Posten werden zwischen den Regierungsparteien ausgedealt. Sind also abh&#228;ngig von Macht, Timing und Verhandlungsgeschick.</p><div class="pullquote"><p>Von 2010 bis 2019 arbeitete er beim M&#252;nchner ifo Institut, erst unter Pr&#228;sident Hans-Werner Sinn, dann unter dessen Nachfolger Clemens Fuest, der heute wiederum als Lieblings&#246;konom der CDU gilt.</p></div><h2>Ideologischer Nachfolger von Lars Feld</h2><p>Und genau so muss man auch die Ernennung von Felbermayr verstehen. Er wurde nicht ausgew&#228;hlt, weil er aus objektiver Sicht ein grandioser &#214;konom sei (ist er nicht), sondern weil er ideologisch in die von der CDU gew&#252;nschte Lagerbildung passt. Mit Martin Werding, Veronika Grimm und Gabriel Felbermayr gibt es jetzt ein neoliberales, rechtes, arbeitgeberfreundliches &#220;bergewicht im Rat. Wirklich dagegen steht nur Achim Truger, allein auf weiter Flur. Monika Schnitzer, die den Rat zudem f&#252;hrt, vertritt zwar h&#228;ufig auch neoliberale Positionen, l&#228;sst sich aber nicht eindeutig zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite einsortieren. Was auch f&#252;r Ulrike Malmendier galt.</p><p>Als Progressiver muss man um das Ausscheiden von Malmendier aber gewiss nicht trauern. Ein Beispiel: F&#252;r Malmendier war es ein &#8222;Puzzle&#8220;, wieso der Konsum trotz steigender Reall&#246;hne nicht ansprang. Was sie &#252;bersah: die Reall&#246;hne stiegen zwar, lagen aber noch immer unter dem Vorkrisenniveau von 2019. Kein Wunder, dass die Menschen aus den L&#228;den nicht mehr G&#252;ter schleppen als 2019. &#220;berhaupt hat sie sich selten f&#252;r progressive Reformen stark gemacht, geschweige denn die viel diskutierten Sozialk&#252;rzungen kritisiert. Ihr Fokus lag auf der Einf&#252;hrung einer Aktien-Fr&#252;hstartrente, der Vollendung der europ&#228;ischen Kapitalmarktunion und mehr Altersvorsorge am Kapitalmarkt. Kurz: Sie war aus progressiver Sicht l&#228;ngst nicht so problematisch wie Grimm, aber eben auch kein Fels in der Brandung wie Truger.</p><p>Dazu muss man wissen: Malmendier war ein Kompromiss der Ampel. Sie &#252;bernahm Ende 2022 den Posten vom ordoliberalen Hardliner Lars Feld, der damals den Posten aufgab, um Chefberater von Finanzminister Christian Lindner zu werden. Der wiederum war voher &#8211; in der gro&#223;en Koalition unter Angela Merkel &#8211; von der CDU in den Rat gehievt worden. Insofern ist Felbermayr die ideologische, wenn auch versp&#228;tete Nachfolge auf Lars Feld &#8211; und Malmendier nur das Bauernopfer.</p><h2>&#8222;Wir m&#252;ssen den G&#252;rtel enger stellen&#8220;</h2>
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   ]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Ölpreis hoch, Zinsen hoch? Nicht schon wieder!]]></title><description><![CDATA[Warum die EZB als Reaktion auf den Irankrieg nicht die Zinsen erh&#246;hen, sondern die Regierung ermahnen sollte]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/gaspreis-hoch-zinsen-hoch-nicht-schon</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/gaspreis-hoch-zinsen-hoch-nicht-schon</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Tue, 03 Mar 2026 15:49:10 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/983d046b-1eac-44dd-bb76-85df76eb86bd_4500x3000.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Die Stra&#223;e von Hormus, durch die Tanker 30 Prozent des weltweiten Fl&#252;ssiggases und 20 Prozent der weltweiten &#214;lproduktion verschiffen, ist de facto unpassierbar. In Katar musste weltgr&#246;&#223;te Produzent von Fl&#252;ssiggas seine Produktion wegen Drohnenangriffen einstellen. In Saudi-Arabien brannte die Mega-Raffinerie des &#214;lriesen Aramco.</p><p>Jede weitere Meldung l&#228;sst die Energiepreise auf den B&#246;rsen weiter explodieren. Der &#214;lpreis ist um mehr als zehn Prozent gestiegen. Der Gaspreis an der niederl&#228;ndischen B&#246;rse TTF verdoppelte sich sogar zu Freitag. Erschwerend hinzu kommt, dass der Euro zum US-Dollar an Wert verliert &#8211; und Energieimporte verteuert. Und auch an den Zapfs&#228;ulen in Deutschland ist der Irankrieg l&#228;ngst angekommen.</p><p>Unweigerlich dr&#228;ngen sich die schmerzhaften Erinnerungen an den Energiepreisschock aus dem Jahr 2022 wieder auf. So wohl auch bei der Europ&#228;ischen Zentralbank. Der EZB-Chefvolkswirt Philip Lane warnte bereits vor steigendem Inflationsdruck. Die Folgen f&#252;r die Inflation h&#228;ngen zwar von der Dauer des Konflikts ab, so Lane, aber die EZB werde die Lage genau beobachten. Was aus dem Zentralbankdeutsch &#252;bersetzt hei&#223;t: Die EZB bereitet wieder Zinserh&#246;hungen vor.</p><div class="pullquote"><p>Jede neu eingebaute fossile Heizung verl&#228;ngert die Abh&#228;ngigkeit von fossiler Energie und verst&#228;rkt das Risiko solcher Preisschocks. </p></div><p>Genau das ist aber heute schon die falsche Botschaft und w&#228;re in Zukunft auch die falsche Ma&#223;nahme. Denn noch heute leidet die europ&#228;ische Wirtschaft &#8211; und am allermeisten die deutsche Wirtschaft &#8211; unter den drastischen Zinserh&#246;hungen als Reaktion auf den Ukrainekrieg. Die Inflationsrate ist zwar l&#228;ngst wieder im Normalbereich, aber die Konjunktur noch immer am Boden. Nur: die Inflationsrate gesenkt, haben nicht die h&#246;heren Zinsen, sondern Alternativen zum russischen Gas sowie staatliche Preisbremsen und Entlastungen.</p><p>Diese Einsicht aber leugnet die EZB bis heute. Noch schlimmer: Sie f&#252;hlt sich in der gesunkenen Inflationsrate gar best&#228;tigt und feiert ihre Zinspolitik als Erfolg. Miese Konjunktur, hohe Arbeitslosigkeit, unn&#246;tig gro&#223;e Zinslasten in den Haushalten? Sollen die Regierungen eben mit leben, ist nicht Sache der EZB, so die Haltung, aus der heraus auch folgt, dass die EZB seit mehr als einem halben Jahr die Zinsen trotz Inflationsrate unter der Zwei-Prozent-Grenze und mieser Wirtschaftslage nicht weiter gesenkt hat.</p><div><hr></div><div class="digest-post-embed" data-attrs="{&quot;nodeId&quot;:&quot;13c0ad62-96f4-44ae-af42-6a1f8647b475&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Die Inflation ist vorbei. Seit mittlerweile fast zwei Jahren. In Deutschland lag sie zuletzt bei rund 2,4 Prozent, im Euroraum bei 2,2 Prozent. Das ist nahezu eine Punktlandung auf der Zielvorgabe. Was allerdings noch nicht vorbei ist, sind die sch&#228;dlichen Auswirkungen der Inflation.&quot;,&quot;cta&quot;:&quot;Read full story&quot;,&quot;showBylines&quot;:true,&quot;size&quot;:&quot;lg&quot;,&quot;isEditorNode&quot;:true,&quot;title&quot;:&quot;Senkt die Zinsen!&quot;,&quot;publishedBylines&quot;:[{&quot;id&quot;:8063406,&quot;name&quot;:&quot;Maurice H&#246;fgen&quot;,&quot;bio&quot;:&quot;Unabh&#228;ngiger Autor, &#214;konom und YouTuber&quot;,&quot;photo_url&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/b6a4f4bd-b584-49b6-ab16-ebca3eccd453_2000x2000.jpeg&quot;,&quot;is_guest&quot;:false,&quot;bestseller_tier&quot;:1000}],&quot;post_date&quot;:&quot;2025-10-29T06:34:18.121Z&quot;,&quot;cover_image&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/17ff044f-a451-4a6e-9a31-8db5d154cd4b_4500x3000.jpeg&quot;,&quot;cover_image_alt&quot;:null,&quot;canonical_url&quot;:&quot;https://www.geldfuerdiewelt.de/p/senkt-die-zinsen&quot;,&quot;section_name&quot;:null,&quot;video_upload_id&quot;:null,&quot;id&quot;:177365415,&quot;type&quot;:&quot;newsletter&quot;,&quot;reaction_count&quot;:97,&quot;comment_count&quot;:6,&quot;publication_id&quot;:548829,&quot;publication_name&quot;:&quot;Geld f&#252;r die Welt&quot;,&quot;publication_logo_url&quot;:&quot;https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!FNrG!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fbucketeer-e05bbc84-baa3-437e-9518-adb32be77984.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Facabbecf-2979-4294-ab39-bc7900083e80_1280x1280.png&quot;,&quot;belowTheFold&quot;:false,&quot;youtube_url&quot;:null,&quot;show_links&quot;:null,&quot;feed_url&quot;:null}"></div><div><hr></div><p>Der Fehler beginnt schon damit, den Energiepreisschock mit Inflation gleichzusetzen. W&#228;hrend des Ukrainekrieges habe ich mir dazu die Finger wund geschrieben und den Mund fusselig geredet. Ein Preisschock ist eine einmalige kurzfristige Verschiebung des Preisniveaus. Etwa, wenn sich der Gaspreis &#8211; wie jetzt &#8211; an der B&#246;rse verdoppelt. Inflation dagegen ist ein kontinuierlicher und sich selbst verst&#228;rkender Anstieg des Preisniveaus. Etwa, wenn Gewerkschaften und Arbeitgeber die ber&#252;hmte Lohn-Preis-Spirale befeuern. Inflationsdruck resultierte aus dem Irankrieg also erst, wenn die Gewerkschaften h&#246;here L&#246;hne fordern, um den Kaufkraftverlust de Besch&#228;ftigen zu kompensieren. Nicht aber, wenn der Krieg nur von kurzer Dauer ist und die Produktion wieder hochgefahren werden kann.</p><p>Statt also so zu tun, als h&#228;tte die EZB selbst die Z&#252;gel in der Hand, h&#228;tte Chefvolkswirt Lane besser die EU-Regierungen ermahnt, schnellstm&#246;glich von fossilen Energien loszukommen. Allen voran: Deutschland. Immerhin hat die Bundesregierung erst letzte Woche eine Reform des Heizungsgesetzes vorgestellt, die es Eigent&#252;mern wieder leichter macht, neue &#214;l- und Gasheizungen einzubauen. Heute kostet Heiz&#246;l wegen des Irankrieges rund ein Viertel mehr. Klasse Timing, Wirtschaftsministerin Reiche.</p><p>Jede neu eingebaute fossile Heizung verl&#228;ngert die Abh&#228;ngigkeit von fossiler Energie und verst&#228;rkt das Risiko solcher Preisschocks. Wer weiter auf &#214;l und Gas setzt, gibt sich in die unberechenbaren H&#228;nde der Scheichs, der Trumps, der Terroristen und der Glaubenskrieger dieser Welt. Sich einzureden, man k&#246;nne deren Macht mit Zinserh&#246;hungen beikommen, ist eine Illusion, die sich die EU nicht l&#228;nger leisten kann.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.geldfuerdiewelt.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"><strong>Als unabh&#228;ngiger Autor bin ich auf zahlende Leser angewiesen. 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In Wahrheit aber verlieren Mieter und Klima]]></description><link>https://www.geldfuerdiewelt.de/p/mieter-klima-gaslobby-die-spd-hat-gebauede-reform-heiziung</link><guid isPermaLink="false">https://www.geldfuerdiewelt.de/p/mieter-klima-gaslobby-die-spd-hat-gebauede-reform-heiziung</guid><dc:creator><![CDATA[Maurice Höfgen]]></dc:creator><pubDate>Thu, 26 Feb 2026 14:09:35 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/592b491a-3783-4ef7-b1eb-ef0a6e7d4b1b_5609x3739.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Diese <a href="https://www.youtube.com/watch?v=-FZu4C3WP0Y">Pressekonferenz</a> war ein Fiebertraum. Und gerade deshalb symbolisch f&#252;r die Reform des Geb&#228;udeenergiegesetzes. Jedes f&#252;nfte Wort lautete Habeck oder Freiheit. Die Unions-Fraktionschefs Spahn und Hoffmann klangen, als h&#228;tten Sie den Geist von Robert Habeck aus den Heizungskellern der Nation vertrieben. Und Hauseigent&#252;mer von den Fesseln der W&#228;rmepumpen befreit. &#8222;Der Heizungskeller ist jetzt wieder Privatsache&#8220;, triumphiert Spahn. W&#228;hrend Wirtschaftsministerin Katherine Reiche in zweiter Reihe steht, ohne Mikrofon, s&#252;ffisant grinst &#8211; und die Performance der Fraktions-Schreih&#228;lse genie&#223;t.</p><h2><strong>W&#228;rmepumpen sagt man nicht?</strong></h2><p>Und die SPD? Fraktionschef Miersch z&#228;hlte vor allem die Dinge auf, die mit der Reform nicht abgeschafft. Als w&#228;re das ein Erfolg. Auff&#228;llig: Das Wort W&#228;rmepumpe traute er sich nicht in den Mund zu nehmen, als spielte er Tabu. Das klang dann zum Beispiel so: &#8222;Ich bin &#252;berzeugt, dass in der Gemengelage viele B&#252;rger auf das umsteigen werden, was wir am Ende f&#246;rdern werden&#8220;. Also? Na ja, vor allem: W&#228;rmepumpen. Zweidrittel aller Neubauten werden mit W&#228;rmepumpen beheizt. Aber die SPD traut sich nicht mehr &#252;ber W&#228;rmepumpen zu sprechen? Und spricht stattdessen so abstrakt, dass die eine H&#228;lfte nichts versteht und die andere H&#228;lfte nach dem zweiten Nebensatz einschl&#228;ft?</p><p>Ein Blick in die zweite Reihe. Hinter Miersch steht niemand von der SPD. Sprich: neben Wirtschaftsministerin Reiche steht niemand. Nicht der SPD-Umweltminister Schneider, nicht die SPD-Bauministerin Hubertz. Schneider wollte sich die Blamage wohl nicht antun, Hubertz ist seit Dezember im Mutterschutz. Was &#252;berhaupt die Frage aufwirft: Wieso wird dieses wichtige Gesetz ausgerechnet dann zu Ende verhandelt, wenn die Ministerin im Mutterschutz ist?</p><div class="pullquote"><p>Und so hat der populistische Wir-haben-es-Habeck-gezeigt-Triumph die fossile Lobby als Gewinner, aber die SPD, die Mieter und den Klimaschutz als Verlierer.</p></div><h2><strong>Neues Leben f&#252;r alte Brennstoffe</strong></h2><p>Zur Reform: K&#252;nftig sollen wieder neue &#214;l- und Gasheizungen in Wohnh&#228;user eingebaut werden d&#252;rfen. Vorher hatte die Ampel eingef&#252;hrt, dass neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden m&#252;ssen. Was in den meisten F&#228;llen bedeutet h&#228;tte: W&#228;rmepumpe oder gr&#252;ne Fernw&#228;rme statt eigener &#214;l- oder Gasheizung.</p><p>An die Stelle der 65 Prozent tritt jetzt eine sogenannte Gr&#252;ngas-Quote. Bei neuen fossilen Heizungen soll also nicht nur klassisches Erdgas durch die Leitung flie&#223;en, sondern Biomethan oder Wasserstoff beigemischt sein. Oder eben synthetischer Diesel f&#252;r &#214;lheizungen. Allerdings erst ab 2029 und nur zu kleinem Anteil von zehn Prozent. Damit f&#228;llt die neue Regelung sogar hinter das zur&#252;ck, was die letzte Merkel-Regierung im Jahr 2020 &#8211; also vor Habecks Ministerposten &#8211; beschlossen hatte. Ein Verbot von neuen &#214;lheizungen ab 2026 n&#228;mlich.</p><p>Habecks Regeln h&#228;tten der Gas- und &#214;l-Lobby das Gesch&#228;ftsmodell geschrumpft und sogar das Gasnetz mit der Zeit &#252;berfl&#252;ssig gemacht. Die neuen Regeln hingegen hauchen dem fossilen Gesch&#228;ftsmodell noch ein weiteres Jahrzehnt Leben ein. Bei der Lobby knallen die Korken. Die Quittung zahlen daf&#252;r allerdings die Mieter.</p><h2><strong>Achtung, steigende Betriebskosten</strong></h2>
      <p>
          <a href="https://www.geldfuerdiewelt.de/p/mieter-klima-gaslobby-die-spd-hat-gebauede-reform-heiziung">
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          </a>
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   ]]></content:encoded></item></channel></rss>