230 Milliarden Euro. So viel Geld wollen Unternehmen aus aller Welt bald in Deutschland investieren, verkündete Friedrich Merz nach dem “Invest in Germany”-Gipfel der Bundesregierung. Das zeigt, “Deutschland ist ein guter Standort für Investitionen“, sagte der Kanzler. “Deutschland ist zurück”, resümierte gar Lars Klingbeil, Vizekanzler und Finanzminister. Beiden ist auf der Pressekonferenz anzusehen, wie sie nach guten Nachrichten lechzen. Endlich gute Nachrichten nach all den Umfrageklatschen und Wahlniederlagen!
Genau das wiederum sollte uns aber skeptisch machen. Der Gipfel hatte nämlich allein zum Ziel, danach mit froher Kunde vor die Presse zu treten und mit Milliardensummen zu wedeln. Die 230 Milliarden, die Merz sich aus halbgaren Investitionszusagen zusammengeknobelt hat, sind keine seriöse Investitionsbilanz, sondern bloße Inszenierung. Um nicht zu sagen: politisches Marketing.
Denn bei den 230 Milliarden Euro handelt es sich nicht um 230 Milliarden Euro, die jetzt auf dem Konto liegen und darauf warten, in deutsche Fabriken, Maschinen oder Rechenzentren gesteckt zu werden. Es handelt sich um eine wilde Mischung aus Investitionsplänen, Ankündigungen und Absichtserklärungen – mit völlig unterschiedlichen Zeithorizonten, Verbindlichkeiten und Wahrscheinlichkeiten. Manche Projekte sind konkret, andere noch Zukunftsmusik. Manche sollen in den kommenden Jahren kommen, bei anderen ist gar nicht klar, wann überhaupt wie viel Geld fließen soll. Hauptsache, am Ende steht eine möglichst große Zahl auf dem Zettel. Von dieser großen Zahl mit den vielen Nullen sollte man sich also nicht blenden lassen.
Die Wahrheit ist: Deutschland ist längst nicht zurück. Die harten Zahlen erzählen eine andere Geschichte.
2025 lag der Überschuss für die Unternehmen bei rund 19 Milliarden Euro. So viel haben sie also weniger ausgegeben als eingenommen. Dieses Jahr sparen sie ganze 86 Milliarden Euro und 2027 sage und schreibe 130 Milliarden Euro.


