Muss die Bundesbank ihr Gold vor Trump retten?
Warum die Bundesbank ihr Gold nicht verlagern, sondern verkaufen sollte
Donald Trump hat längst beweisen: Er tut alles, um seine Interessen durchzusetzen. Politische Tabus, internationale Regeln, etablierte Institutionen – sind dem ruchlosen Machtpolitiker im Zweifel herzlich egal. Immer mehr Ökonomen und Politiker sorgen sich deshalb um Deutschlands Goldreserven in den Hochsicherheitstresoren der Federal Reserve Bank (Fed) in New York – und fordern, sie zurückzuholen.
„In einer Zeit wachsender globaler Unsicherheiten und unter der unberechenbaren US-Politik von Präsident Trump ist es nicht länger vertretbar, dass rund 37 Prozent der deutschen Goldreserven in Tresoren der Federal Reserve in New York lagern“, sagt etwa FDP-Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. „Vor diesem Hintergrund fordere ich die Bundesregierung auf, schnellstmöglich einen klaren Zeitplan zur vollständigen Rückführung der deutschen Goldreserven nach Deutschland vorzulegen“.
Funfact: Die AfD fordert das schon seit ihrer Gründung, noch bevor Trump als Argument herhalten konnte. Als Absicherung für den Euro-Zusammenbruch, den die AfD vor allem unter ihrem Ex-Chef Lucke herbeigeredet hat, und natürlich als symbolisches Misstrauen gegenüber den USA.
Also: Gute oder schlechte Idee?
100.000 Barren, gestapelt so groß wie der Mont Blanc
Genauer gesagt geht es um die Goldreserven der Bundesbank. Sie verfügt über den zweitgrößten Goldschatz der Welt – nur die USA selbst besitzen mehr Gold. Laut Jahresabschluss der Bundesbank beträgt der Goldbestand 3.352 Tonnen, die per 31.12.2024 einen Wert von 270 Milliarden Euro hatten. Seither ist der Goldpreis allerdings durch die Decke gegangen und um sage und schreibe 130 Prozent gestiegen. Heißt: heute ist das Gold mehr als das Doppelte Wert!
Die Hälfte dieses Goldschatzes lagert in Frankfurt, ein kleinerer Teil, etwa 400 Tonnen bei der Bank of England in London und der Rest, etwa 1.230 Tonnen, liegt in den USA, in den genannten Hochsicherheitstresoren der FED.
Um sich vorzustellen, wie viel Gold das ist: 1.230 Tonnen Gold entsprechen fast 100.000 Goldbarren. Würde man die stapeln, wäre der Goldberg fast fünf Kilometer hoch. Also so hoch wie der Mont Blanc. Oder eben 15 Stapel so hoch wie der Eiffelturm. Heißt auch: die Goldbarren sind nicht mal eben einfach in ein Flugzeug geladen und nach Frankfurt gebracht. Für die Menge an Barren bräuchte es 30 bis 40 Großraumfrachtflugzeuge. Unmöglich? Nein, aber gemessen an den nötigen Sicherheitsvorkehrungen ein teures Logistik-Unterfangen. Zum Vergleich: Von 2013 bis 2017 hat die Bundesbank schon einmal rund 300 Tonnen aus New York und 370 Tonnen aus Paris nach Frankfurt geholt und die Kosten dafür im einstelligen Millionenbereich beziffert.
Entschuldete Kommunen oder sanierte Brücken sind jedenfalls sinnvoller als unnötige Goldbestände in Zentralbanktresoren – ob in Frankfurt oder New York!
Goldschatz als Spiegelbild der Exportüberschüsse
Dass die Bundesbank derart große Goldreserven hat, liegt weit in der Vergangenheit begründet – im Bretton-Woods-Währungsregime. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Währungen an den US-Dollar gekoppelt und der wiederum an Gold. Und zwar zu einem fixen Kurs von 35 US-Dollar je Unze Feingold. In den 60er- und 70er-Jahren erzielte Deutschland enorme Exportüberschüsse, verdiente damit große Mengen an US-Dollar, tauschte die systematisch in Gold um und ließ sie bei der FED einlagern. Warum in New York? Weil es einfacher war, weniger Logistik bedeutete und in New York nun mal der größte Handelsplatz war und bis heute ist.
Seit Ende des Bretton-Woods-Systems haben sich die Goldbestände der Bundesbank nicht mehr nennenswert verändert. Die US-Dollar, die Deutschland heute mit Exportüberschüssen verdient, werden also nicht mehr gegen Gold getauscht – sondern vor allem in zinsbringende US-Staatsanleihen investiert.
Einen wirklichen Zweck für die Geldpolitik haben die Goldreserven aber nicht mehr. Bretton-Woods ist schließlich vorbei und der Euro ist weder an Gold noch an andere Währungen gekoppelt, sondern eine Fiatwährung mit flexiblem Wechselkursregime – auch wenn viele Deutsche noch immer dem Mythos anhängen, die Währung sei goldgedeckt.
Theoretisch könnte die Bundesbank ihre Goldbestände gegen US-Dollar tauschen, um damit Wechselkurspolitik zu machen, also den Kurs zwischen Euro und US-Dollar zu beeinflussen. Da es aber keine explizites Wechselkursziel gibt, sondern der Wechselkurs sich bewusst – flexibel – am Markt bilden soll, sind die Bestände auch dafür praktisch nutzlos. Ganz abgesehen davon, dass ein so reiches Land wie Deutschland mit einem so großen Exportüberschuss ohnehin kein Problem hat, bei Bedarf an US-Dollar zu kommen.
Nachdem der Goldkurs in den letzten zwei Jahren stark gestiegen ist, könnte man der Bundesbank natürlich eine gelungene Spekulation unterstellen. Die Bundesbank ist aber als Teil der Europäischen Zentralbank nicht auf Spekulationsgewinne angewiesen. Sie ist Schöpferin des Euros und kann den auf Knopfdruck unbegrenzt erzeugen, um damit ihre geldpolitischen Aufgaben zu erfüllen. Das alles kann sie auch ganz ohne Goldbestände.
Was also tun?
Verkaufen statt verlagern
Statt das Gold aufwendig zurückzuholen, damit die USA zu verprellen und Trump zu provozieren, sollte die Bundesbank ihre US-Bestände einfach verkaufen. Nicht auf einen Schlag selbstverständlich, sondern nach und nach. Damit würden die Sicherheitsbedenken auch ohne teure Logistik gelöst. Und es gäbe noch einen netten Nebeneffekt für den Bundeshaushalt.
Denn: den Großteil des Goldbestandes hat die Bundesbank ja unter Bretton-Woods zu 35 US-Dollar je Feinunze eingekauft. Heute notiert Gold an der Börse aber zu 4.200 Euro je Feinunze. Allein in den US-Beständen schlummern also zwei- bis dreistellige Milliarden an unrealisierten Buchgewinnen. Wie viele genau, lässt sich nicht seriös beziffern, weil sich nicht alle Barren zum aktuellen Marktpreis verkaufen lassen.
Aber: Diese milliardenschweren Bundesbankgewinne könnten in den Bundeshaushalt fließen und für zusätzlichen Spielraum unter der Schuldenbremse sorgen. Etwa für ein großes Konjunkturprogramm, für eine große Entschuldung der klammen Kommunen oder eben für mehr Investitionen. Natürlich nur einmalig (so viel Gold eben vorhanden ist) und natürlich nur, weil die selbst gemachten (und ziemlich dummen) Schuldenregeln den Haushalt blockieren – aber immerhin.
Entschuldete Kommunen oder sanierte Brücken sind jedenfalls sinnvoller als unnötige Goldbestände in Zentralbanktresoren – ob in Frankfurt oder New York!


Zur Begründung, warum die Bundesbank diese ganzen Goldreserven hat, hätte ich eine allgemeine Frage. Wie erhält die Bundesband US-Dollar aufgrund des Exportüberschusses, wenn doch die Unternehmen diese erzielen und die Steuern darauf (laut meinem Verständnis) ja in Euro (Oder damals noch Mark) zahlen müssen?
das klingt auch für mein Verständnis quite klug; und es wäre ja ein zeitlich gestreckter Effekt -- da man ja nicht alles auf einmal verkaufen wollte/sollte/könnte.
An die Kommunen wäre auch meine erste Idee -- neben Invest in Bildung (das im Föderalismus, wo Verantwortung auf die nächstschwächeren Schultern wandert, eher zukurzkommt...)