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Avatar von Oliver Schmidt

Die Versorgungslage im Bereich Psychotherapie ist schon katastrophal. Welche Verachtung spricht aus solchen Maßnahmen.

Avatar von Gerold Winz

Ich weiß nicht, ob es in der Bundesregierung Menschen gibt, die sich mit statistischer Datenanalyse auskennen. Es werden Zahlen hinausposaunt offensichtlich ohne sich deren Zustande kommen genauer anzuschauen. Und das ist bei den Krankheitstagen nicht anders als z.B. bei den ursprünglich propagiert 5 Mrd. Einsparung beim Bürgergeld.

Schaut man sich mal die Verteilung der Krankentage an, sieht man folgendes:

Krankheitstage pro Jahr Anteil der Beschäftigten

0 Tage ca. 30–40 %

1–5 Tage ca. 20–25 %

6–10 Tage ca. 10–15 %

11–20 Tage ca. 10–15 %

21–40 Tage ca. 5–8 %

über 40 Tage ca. 3–5 %

Entscheidend dabei ist, dass der relative kleine Anteil der über 40 Tage Kranken den Hauptanteil für den genannten Mittelwert (14,5) bildet. Die Ursachen für diese langen Ausfallzeiten sind typischerweise Fälle wie:

- Operationen mit Reha

- psychische Erkrankungen (z. B. Depression oder Burnout)

- schwere Rückenprobleme

- Krebsbehandlungen

- lange Infekte mit Komplikationen

Jetzt haben diese Krankheiten leider eine sehr lange Entstehungsphase bzw. werden oft einfach viel zu spät entdeckt. Eine Möglichkeit dem entgegenzuwirken, sind Vorsorgeuntersuchungen und damit die Chance im Bedarfsfall frühzeitig mit einer Behandlung zu beginnen. Dies gilt insbesondere für Psychotherapien. Depressionen oder auch Burnout gelten heutzutage immer noch als heimliche Krankheiten. Damit sind wir wieder bei der Statistik. Es gibt Studien zum Präsentismus (krank zur Arbeit), die zeigen u. a. zwei Effekte.

Erstens: Das mehr Menschen krank zur Arbeit gehen (was nie in eine Statistik auftaucht) als tatsächlich krankgeschrieben und erfasst werden.

Zweitens: Die Kosten für Unternehmen durch Präventivmus ungefähr doppelt so hoch sind, wie die bei einer Krankschreibung.

Zum Schluss noch ein Wort zum Median - also dem mittleren Wert eine Datenreihe. Der Median entspricht also dem typischen Arbeitnehmer und der ist ca. 5-7 Tage im Jahr krank.

Es wäre also sehr interessant zu erfahren, wie man auf eine Kürzung der Honorare für psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent kommt und was als Datengrundlage gedient hat - vielleicht durch Würfeln, da kann der Mittelwert auch mal eine Kommastelle haben.

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