US-Anleihen als Waffe gegen Trump?
Sollte die EU im Kampf um Grönland ihre US-Anleihen verkaufen, um sich bei Trump zu revanchieren? Nein, das wäre Harakiri!
Können die US-Amerikaner eher auf Rotwein und BMWs verzichten oder die Europäer auf Whisky und Harley-Davidson? Muss die EU eine Digitalsteuer für Google und Meta einführen oder dreht Trump der EU sonst das Flüssiggas ab? 2025 hat angerufen und will seinen Handelsstreit wieder!
Wobei es zu 2025 einen Unterschied gibt. Dem Streit vor einem Jahr konnte man zumindest noch einen Funken Rationalität andichten, weil sich Trump an den großen Importüberschüssen gestört hat. Dass sich Trump heute mit der EU – der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt – über Grönland (!) zerlegt, indem er neue Strafzölle ankündigt, ist endgültig absurd.
Konzertierte Aktion gegen US-Anleihen?
Was also tun? Die Spiegel-Korrespondenten Michael Brächer und Tim Bartz haben da eine Idee.
“Sie setzt dort an, wo die USA verwundbar sind, nämlich bei den Staatsschulden. Die Idee: Um Donald Trump zum Einlenken zu bewegen, könnten sich EU-Staaten in einer konzertierten Aktion von amerikanischen Anleihen trennen.”
Das Kalkül: Der konzertierte Abverkauf würde dafür sorgen, dass die Anleihen, Aktien und der US-Dollar an Wert verlieren. Umgekehrt würde die Anleiherendite steigen und die Neuverschuldung für Donald Trump teurer werden. Nimm das, Donald!
Auch im Netz kursieren viralen Videos zu diesem Vorschlag. Auslöser war die Ankündigung eines dänischen Pensionsfonds, seine ganzen US-Anleihen im Wert von 100 Millionen US-Dollar abzustoßen, weil man nicht mehr in die US-Finanzpolitik vertraue. Als der Kommentar in der Presse die Runde machte und der US-Finanzminister das als „irrelevant“ betitelte (so irrelevant, dass er es kommentieren muss?), sprang die Rendite auf 30-jährige US-Anleihen im Nachkommastellenbereich nach oben.
Die Rechnung ist allerdings ohne den Wirt gemacht. Und die Idee sträflich naiv.



