AfD kratzt an der Macht, CDU kollabiert, BSW als Steigbügelhalter, SPD auf Realitätsflucht. Fünf Lehren aus einer Wahl, bei der die AfD leichtes Spiel hatte
Danke einmal mehr für die klare Analyse. Sie macht nochmal deutlich, wie tief die Krise ist und wie wenig die demokratischen Parteien ihr entgegenzusetzen haben. Was muss noch geschehen, bis sie verstehen, dass neoliberale Politik in den Abgrund führt?
Sehr viele richtige Punkte. Punkt 1 verkürzt den Wahlerfolg der AfD meiner Meinung nach jedoch zu stark auf den wirtschaftlichen Faktor. Wie man in den anderen Bundesländern sieht, verdoppelt die AfD ihre Wahlergebnisse dort auch, wohingegen Parteien des linken Spektrums nicht entsprechend von der wirtschaftlichen Stagnation "profitieren". Es tut mir leid, aber ich glaube die Erzählung nicht, dass 44 % der Wähler eine rechtsextreme Partei wählen, weil sie sich von deren Politik den wirtschaftlichen Aufstieg erhoffen. Das würde ja bedeuten, dass man diese Wähler durch Sachpolitik wieder zur Umkehr bewegen könnte. Die AfD baut ihren Erfolg ja nicht auf tollen Sachvorschlägen, sondern auf einer Emotionalisierung von Politik. Sie wendet mal mehr mal weniger geschickt faschistische Strategien an. Ihre Gegner helfen ihr dabei. Wir haben es hier mit einer System- und nicht mit einer Inhaltskrise zutun. Unser politisches System ist offensichtlich nicht (mehr) in der Lage mit diesen Kräften umzugehen. Wir sehen hier gerade live wie die bundesdeutsche Republik zerbricht. Letztendlich ist es auch ein Elitenproblem. Wenn man sieht, wie stark der (insgeheime) Zuspruch im wirtschaftlich-liberalen und konservativen Lager/Medien zu AfD-Positionen ist, dann ist der Aufschwung der AfD auch nicht überraschend. Ich habe leider keine Lösungsidee außer das Verbot der Partei und das konsequente Verbieten und Verfolgen etwaiger Nachfolgerorganisationen. Man kann es einfach niemandem (insbesondere zukünftige Generationen) erklären, warum es unsere Institutionen zulassen, dass eine gesichert rechtsextreme Organisation in Deutschland wieder regieren darf. Einfach den armen Menschen mehr Geld in die Hand drücken, wird nichts daran ändern, dass offensichtlich eine große Minderheit autoritär regiert werden will.
"Wir haben es hier mit einer System- und nicht mit einer Inhaltskrise zutun"
Stünde hier ein "auch" wärs ja ok. Aber komplett ohne, das geht meiner Ansicht nach völlig an der Realität vorbei. System interessiert die Leute höchstens am Rande. Auf den Alltag kommt es an.
Stimmt, die Formulierung in meinem Kommentar ist eine falsche Dichotomie. Besser wäre "Wir haben es hier mit einer System- und nicht nur mit einer Inhaltskrise zutun."
Ich glaube auch, dass ein nicht unbeträchtlicher Anteil dieser 44 % die AfD einfach nur aus Frust gewählt hat. Ich glaube, ein beträchtlicher Anteil der AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt hat die AfD gewählt, weil die "etablierten Parteien" so laut vor der AfD gewarnt haben. Ohne das mit Zahlen belegen zu können, bin ich mir sicher, dass es einen ganz erheblichen Anteil an Menschen in Sachsen-Anhalt gibt, die einfach nur "das System", das sie 1990 feindlich übernommen und ihre Lebensgrundlage weitestgehend zerstört hat, brennen sehen wollen. Ich glaube, ein Großteil der Wähler der AfD ist vom politischen System in Deutschland (und auch von den Linken) so nachhaltig enttäuscht und vor den Kopf gestoßen worden, dass sie einfach nur Rache nehmen und das System stürzen sehen wollen.
Und ich glaube, dem Großteil ist dabei auch egal, dass es ihnen mit der AfD wirtschaftlich nicht besser gehen wird. Die anderen Parteien haben, "das System" hat, ihr Leben ja ebenso wenig verbessert - aber die AfD reißt wenigstens "das System" ein.
Ja, und das Irre dabei ist: Die gleichen Leute, die diese Zerstörung wollen, haben total schreckliche Angst vor einer kommunistischen Revolution, einer DDR 2.0 bzw. sehen diese schon verwirklicht. Suizid aus Angst vor dem Tod sozusagen.
"Das wichtigste Thema der Wahl war soziale Sicherheit. Das ist eigentlich das Heimspiel der SPD"? Soziale Sicherheit ist seit 20 Jahren kein Heimspiel mehr für die SPD. Das Bild, für soziale Sicherheit zu stehen, hat die SPD unter Schröder mit Vollgas an die Wand gefahren - und fährt seit dem weiter in die selbe Richtung. Die SPD macht neoliberale Politik mit sozialem Anstrich. Die SPD hat zuletzt alle echten Linken aus der Partei gemobbt. Und der Rest labert von "sozialer Politik" und trägt die asoziale Politik der Union mit.
Unsere Gesellschaft erwirtschaftet mehr als genug Geld. Wir könnten uns einen richtig fetten Sozialstaat spielend leisten - aber wir werfen stattdessen das Geld den Überreichen in den Rachen und sparen Mittel- und Unterschicht zu Tode. Und zwar mit dem Segen der SPD.
Und einmal mit Gemeni gesprochen: Höfgens sozialökonomische These – dass ökonomische Unsicherheit und verfehlte Wirtschaftspolitik den Nährboden für radikale Parteien bilden – deckt sich mit den historischen Lehren aus dem Ende der Weimarer Republik.
Der historische Vergleich zeigt: Wenn der Staat in Zeiten von Transformation und Unsicherheit nicht als schützender und investierender Akteur wahrgenommen wird, suchen viele Wähler Zuflucht bei Kräften, die einfache Antworten und die Ablehnung des bestehenden Systems versprechen.
Und auch dieses gehört zur Diskussion: war auch wieder Germini in der Abfrage
Betrachtet man das real verfügbare Einkommen (Nettoeinkommen bereinigt um lokale Mieten und Lebenshaltungskosten), ist der Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland erstaunlich gering. Der klassische Satz „Im Osten bleibt viel weniger übrig“ stimmt in dieser Pauschalität nicht mehr, wenn man die Kosten mit einberechnet.
Ehemalige Muster der reinen Ost-West-Trennlinie wurden stark aufgeweicht. Heute verläuft die Grenze eher zwischen wirtschaftsstarken Regionen/ländlichem Raum versus überteuerten Großstädten und strukturschwachen Ballungsräumen.
1. Der Ost-West-Vergleich beim preisbereinigten Einkommen
Beim reinen Brutto- und Nettoeinkommen hinkt der Osten dem Westen zwar nach wie vor im Schnitt um 10\,\% bis 15\,\% hinterher. Da die Mieten und Dienstleistungen in Ostdeutschland (außerhalb des Berliner Spekulationsgürtels) jedoch spürbar günstiger sind, gleicht sich die Lücke beim realen Budget fast vollständig aus.
* Durchschnittlicher Abstand: Rechnet man die Kaufkraft aus, liegt der Osten im Schnitt nur noch etwa 3\,\% bis 6\,\% hinter dem Westen.
* Bundesländer-Ebene: Das preisbereinigte Pro-Kopf-Einkommen in Bundesländern wie Thüringen (~27.650 €/Jahr) oder Sachsen (~27.590 €/Jahr) liegt auf Augenhöhe mit westlichen Flächenländern wie dem Saarland (~27.350 €/Jahr) oder dem Land Nordrhein-Westfalen im Gesamtschnitt (~28.200 €/Jahr).
2. Der Vergleich: Ruhrgebiet vs. Ostdeutschland
Ein besonders spannendes Bild zeigt der direkte Vergleich zwischen den strukturschwachen Städten des Ruhrgebiets und ostdeutschen Regionen.
Studien des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) zur regionalen Kaufkraft zeigen regelmäßig, dass das Ruhrgebiet bei den real verfügbaren Einkommen oft SCHLECHTER abschneidet als große Teile Ostdeutschlands:
| Indikator | Ruhrgebiet (z. B. Gelsenkirchen, Duisburg, Herne) | Ostdeutsche Regionen (z. B. Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg) |
|---|---|---|
| Nominales Einkommen | Eher niedrig bis mittel (hohe Arbeitslosigkeit, viele niedrige Tarifstufen/Transferleistungen) | Moderat bis mittel (überwiegend solide Beschäftigung, stetiger Lohnanstieg) |
| Mieten & Nebenkosten | Mittel (in den letzten Jahren teils spürbar gestiegen) | Niedrig bis sehr niedrig (außerhalb der Top-Städte) |
| Effektiv verfügbares Einkommen | Rangliste ganz unten (Gelsenkirchen, Duisburg & Herne zählen deutschlandweit zu den Städten mit dem geringsten realen Budget) | Überraschend solide (Viele Landkreise in Thüringen, Sachsen und Brandenburg bieten mehr Netto-Kaufkraft als das Revier) |
Fazit dieses Vergleichs: Ein Arbeitnehmer im Ruhrgebiet hat nominal vielleicht ein ähnliches oder leicht höheres Bruttogehalt als im Osten. Da die Fixkosten und Mieten im Ruhrgebiet aber in den letzten Jahren schneller gestiegen sind als die Löhne, bleibt am Monatsende im Ruhrgebiet oft weniger freies Budget übrig als in weiten Teilen Ostdeutschlands.
Kern-Erkenntnis
Das verfügbare Rest-Einkommen ist im Osten kaum noch niedriger als im Westen. Vergleicht man ostdeutsche Flächenregionen gezielt mit westdeutschen Problemregionen wie dem Kern-Ruhrgebiet oder extrem teuren Städten wie München, steht der Osten beim monatlichen „Geld zur freien Verfügung“ heute oft sogar besser da.
.. klingt für mich plausibel, bzw es deckt sich mit anderen Infos..
Aber trotzdem wäre ein Link, zb zu der entsprechenden Studie des IW, nicht schlecht..!
(oder bietet Gemini keine Quellenangaben an, .. dann weiß man aber auch nicht, ob das so stimmt!)
Eine Überlegung dazu wäre dann auch, inwieweit sich durch meist anders lautenden Medien-Berichten, wo eben NUR auf das Einkommen geschaut wird, Menschen im Osten sich in ihrer vermeintlichen Opferrolle bestärkt fühlen, und so stark überdurchschnittlich Rechtsextremisten wählen 🤔?!
Auf S.48 sieht man zb., dass der Treiber für die unterschiedlichen Preisniveaus sich quasi komplett über die jeweilige Höhe der Wohnungskosten ergibt:
Die Schwankungsbreite der Kosten
Ohne Wohnungskosten: -0,6 bis +1,2%
mit Wohnungskosten: -15,4 bis +36,5% ❗
Nimmt man da die Extremwerte, liegen diese um sage und schreibe
➡️ 72,2%
auseinander❗
(Westdeutsche Top7 Städte: +146,9%
Ostdeutschland, städtische Kreise: 74,7%)
Es ist kaum anzunehmen, dass auf der anderen Seite die Einkünfte regional soweit auseinander gehen..
Wenn dem so ist, so trifft dann allerdings die Aussage von der besonders schlechten finanziellen Situation vieler Menschen in Ostdeutschland so nicht zu🤔❗
Um das abschließend zu beurteilen, bräuchte man natürlich noch andere Daten (Armutsquote, Arbeitslosigkeit, priv. Überschuldung etc.)
In der Frage hier, den Gründen für den AfD Aufwuchs und dessen Bekämpfung, ist das natürlich von zentraler Bedeutung:
Wählen jetzt so viele die Rechtsextremisten, primär wegen ihrer (vergleichsweise) schlechten wirtschaftlichen Lage, oder nur weil sie das so glauben, oder etwa doch ideologisch begründet, wegen rassistischer, libertärer, sozialdarwinistischer Ideologien, oder einer kulturellen und historischen Distanz zu den Grundsätzen der Demokratie 🤔❓
Die Polen werden sich nach diesem gruseligen Wahlerfolg der Rechtsextremen vielleicht nochmal überlegen, ob sie wirklich eine starke Bundeswehr wollen.
Um es ganz ehrlich zu sagen:
Wäre ich Ausländer, würde ich Deutschland nicht mehr über den Weg trauen. Nicht einmal ich traue Deutschland noch über den Weg.
Hätte mir das einer vor 20 Jahren gesagt, dass eine rechtsextreme Partei in einem Bundesland bei 44 Prozent landet, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Ich war mir sicher, dass unsere Gesellschaft dazugelernt hat.
Ich kann den Mist vom Protestwähler und nicht mitgenommenen Ossi echt nicht mehr hören. Die AfD-Wähler wollen in der Mehrheit genau das, was die AfD verkörpert - Ausländerfeindlichkeit, Ausgrenzung, Einteilung in Menschen erster und zweiter Klasse...
Es ist, als ob man eine Gesellschaft innerhalb weniger Jahre auf rechts gedreht hätte...
"Und dann erklärt die SPD: Jetzt sei nicht die Zeit, über sich selbst zu reden, weil die Demokratie unter Beschuss stehe. Doch genau deshalb muss sie über sich selbst reden." Da ist genau wo die meisten Linksparteien in Europa scheitern, z.B in Italien wo Giorgia Meloni seit 4 Jahren regiert. Man redet viel (zu Recht) über die Bedrohung für die Demokratie, aber man stellt nie den eigenen Politikvorschlag in Frage
Politik machen, die Menschen überzeugt. Genau. Nur, dazu müsste sie ihre bisherige über Bord werfen. Die alten Rezepte eines weichgespülten Kaputtalismus überzeugen eben niemanden mehr...
Klarer und guter Kommentar! Ich wünschte die Politiker hätten bei den Interviews und Reden ein paar Deiner Punkte aufgegriffen, leider wurde es meist Geschwafel. Du hast völlig recht, es geht um die Politik, die sie machen. Erschreckend!
So lange sich die konservativen Kreise der CxU nur über die Grüüünen echauffieren, kann die braune Suppe im Verborgenen gedeihen.
Dazu kommt noch ein Kanzler, dessen Mund schneller ist als das Hirn, der Arbeitnehmer als „faul, krank“ tituliert, sich selber aber das Recht rausnimmt in einer Krise den Urlaub zu verlängern. Der starke Defizite in der Kommunikation hat. Eine SPD, deren DNA nicht mehr sichtbar ist.
Leider wünschen sich viele eine DDR light zurück, es werden die negativen Seiten einfach ausgeblendet.
Das Erwachen wird noch kommen, aber dann ist es zu spät.
Wirtschaftsstruktur (80–90 % Fremdbesitz): Diese strukturelle Realität wird regelmäßig vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Studien zur ostdeutschen Eigentumsstruktur dokumentiert. Die wegweisende Studie „Wem gehört die ostdeutsche Wirtschaft?“ zeigt, dass Großunternehmen in Ostdeutschland fast ausnahmslos Zentralen im Westen oder Ausland haben.
BIP-Aufteilung (Löhne vs. Gewinne/Abschreibungen): Die exakten Zahlen (81,8 Mrd. € Gesamt-BIP, 45,2 Mrd. € Arbeitnehmerentgelt und der verbleibende Rest von knapp 36,6 Mrd. €) stammen aus den offiziellen Publikationen des Arbeitskreises „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder“ (AK VGRdL), koordiniert durch das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt (Pressemitteilungen und Berichte zur wirtschaftlichen Leistung und den Arbeitnehmerentgelten 2025/2026).
Wohnungseigentum: Dass der ostdeutsche Wohnungsmarkt stark in überregionaler Hand ist, belegen die Daten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die Geschäftsberichte der großen börsennotierten Immobilienkonzerne (wie Vonovia oder TAG Immobilien). Ergänzend zeigt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in seinen Wohnungsmarktberichten, dass die private Eigentumsquote an Immobilien in Ostdeutschland mit rund 30–35 % weit unter der Westquote (über 45–50 %) liegt.
Erbschaften: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) veröffentlicht regelmäßig das „Erbschafts- und Schenkungsverhalten in Deutschland“. Diese Studien belegen, dass aufgrund des fehlenden Privateigentums in der DDR-Historie rund 90 % des gesamten deutschen Erbschaftsvolumens im Westen anfallen.
Die „Herausgerechneten“ (Logik vor 2004) Die Rohdaten-Zeitreihen der BA zur Aktivierung und Entlastung. Die Schätzwerte für die seit den Hartz-Reformen ausgeblendeten Gruppen basieren auf den gesetzlichen Sonderkategorien der BA: Ältere Erwerbslose: Statistiken nach § 53a SGB II (Personen über 58 Jahre, die seit über einem Jahr kein Jobangebot erhalten haben, fallen automatisch aus der Arbeitslosen- und Unterbeschäftigungsquote). Kranke am Stichtag: Erfasst in den Sonderauswertungen der BA zur erwerbsbedingten Nicht-Verfügbarkeit. Ein-Euro-Jobs: Aufgeführt unter den monatlichen „Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung“ im SGB-II-Berichtwesen der BA.
Mein politischer Lebenslauf ist, in der Rückschau, beängstigend. Vor 40 Jahren wählte ich als Auslandsdeutscher CDU. Dann CSU, Grüne und irgendwann war ich Wahlverweigerer, macht nur noch ein großes Kreuz. Kein Nichtwähler, Wahlverweigerer. Jetzt tue ich mir schwer, keine der Partei der Mitte hatte mich in den letzten Jahrzehnten im Auge, jede regierte an meinen Bedürfnissen vorbei. Einzig die Linke wäre eine Option, wäre nicht die unklug Haltung zur Nato.
Das ist auch mein großes Problem mit der Partei Die Linke. Diese vollkommen idiotische Einstellung zur NATO und zur Bundeswehr. Als sei die NATO unser Sicherheitsproblem. Als sei die Bundeswehr eine Invasionsarmee.
Wenn schon bei den Polen der Konsens herrscht, dass eine schwache Bundeswehr sehr viel gefährlicher ist für Polen, als eine starke, kampfkräftige Bundeswehr, und die baltischen Staaten gerne auch mehrere Bundeswehrbrigaden beherbergen würden, dann ist es vollkommener Blödsinn zu sagen, dass eine starke Bundeswehr den Frieden in Europa gefährdet.
Den Frieden in Europa gefährden Putin und sein Regime. Putin ist Schulhofschläger mit Großmachtambitionen. Und Schulhofschläger hören nur auf, wenn sie ernsthaft Angst haben müssen, eins auf die Fresse zu bekommen. Das ist die Logik dieser Typen. Daher braucht es eine starke Bundeswehr im Verbund mit starken Verbündeten - damit Putin sich nicht traut uns anzugreifen.
Aber diese Logik des Gegners will bei der Partei die Linke der Großteil der Leute nicht einsehen.
Danke für deine Analyse!”Das Sein bestimmt das Bewusstsein."
… ich vermute, viele Tatsachen werden vom gesammten politischen System einfach ignoriert.
Fremdbesitz der Wirtschaft: Über 80 bis 90 % der großen und mittelständischen Unternehmen in Sachsen-Anhalt gehören westdeutschen oder internationalen Mutterkonzernen, Fonds oder Eigentümern. 36 % des BIP sind Abschreibungen, Produktionssteuern und vor allem Betriebsüberschüsse (die Unternehmensgewinne), die zum größten Teil das Land verlassen.
Der Immobilienmarkt: Auch der Wohnraum gehört in den Städten zu großen Teilen westdeutschen Immobilienkonzernen oder überregionalen Investoren.
Das durchschnittliche Nettovermögen eines Haushalts in Ostdeutschland (inklusive Sachsen-Anhalt) beträgt laut Bundesbank-Daten oft weniger als die Hälfte des Westniveaus.
Erbschaften als Verstärker: Vermögen wird in Deutschland primär vererbt. Da in der DDR kein privates Großvermögen oder Immobilieneigentum im heutigen Sinne gebildet werden konnte, wird in Sachsen-Anhalt kaum etwas vererbt.
In Sachsen-Anhalt ist der Anteil der Bürgergeld-Empfänger mit knapp 12 % deutlich höher als der Bundesschnitt (8,2 %) und das Land hängt aufgrund fehlender eigener Großkonzerne und einer überalterten Bevölkerung dauerhaft am Sozial- und Finanztropf des Länderausgleichs (erhält jährlich über eine Milliarde Euro aus dem Topf, der maßgeblich von Bayern, Baden-Württemberg und Hessen gefüllt wird).
In Sachsen-Anhalt beziehen Senioren mit durchschnittlich 1.545 Euro im Monat die zweitniedrigsten Renten im gesamten Bundesgebiet (nur Thüringen liegt knapp darunter).
Sachsen-Anhalt hat mit einem Anteil von rund 28 % an Über-65-Jährigen die älteste Bevölkerung aller Bundesländer und liegt damit dramatisch über dem bundesweiten Durchschnitt.
Wenn man die Arbeitslosen-Rechenlogik auf das Jahr 2004 zurückdreht, als es noch keine Hartz-IV-Statistikbereinigung gab und diese Quote konsequent auf die gesamte Bevölkerung bezieht, würde die reale Quote der Menschen ohne reguläre Arbeit in Sachsen-Anhalt heute bei 10-15% liegen und da sind Umschulungen, die massive Abwanderung seit dem und die überproportionale Alterung noch nicht eingerechnet.
Der Fokus liegt auch mir hier eindeutig zu stark auf den Inhalten statt auf der Form des Wahlkampfs als Erklärung für das Ergebnis. Ausschlaggebend für die Wahlentscheidungen waren doch mehr denn je Emotionen und Irrtümer und viel weniger Rationalität und Inhalte.
Anders gesagt: Mit Emotionen und Lügen ist nach meiner Überzeugung aktuell mehr zu gewinnen als mit der besten Politik der Welt zu holen wäre.
"mehr denn je Emotionen und Irrtümer und viel weniger Rationalität und Inhalte."
Das liegt auch sicherlich eben auch teils an den unzureichenden Inhalten der übrigen Parteien. Sie bieten eben genauso wenig realistische Lösungen und Verbesserungen an und viele der AfD Wähler dürften mittlerweile eine "Egal was die machen und sagen, besser wirds eh nicht" Erfahrung gemacht haben. Daher stören sie sich an den sinnbefreiten Inhalten der AfD auch weniger und wollen ihnen erstmal eine Chance geben, anstelle auf Worte zu hören.
Vielleicht liegt genau darin der gemeinsame Mechanismus hinter CDU- und SPD-Reaktion:
Die Entscheidung bleibt stehen. Nur die Erklärung ihres Scheiterns wird ausgetauscht.
Bei der CDU heißt das Problem Kommunikation. Bei der SPD ist für Aufarbeitung gerade nicht der richtige Zeitpunkt. Beides schützt zunächst dieselbe Stelle vor Veränderungsdruck: die eigene Politik.
Danke einmal mehr für die klare Analyse. Sie macht nochmal deutlich, wie tief die Krise ist und wie wenig die demokratischen Parteien ihr entgegenzusetzen haben. Was muss noch geschehen, bis sie verstehen, dass neoliberale Politik in den Abgrund führt?
Sehr viele richtige Punkte. Punkt 1 verkürzt den Wahlerfolg der AfD meiner Meinung nach jedoch zu stark auf den wirtschaftlichen Faktor. Wie man in den anderen Bundesländern sieht, verdoppelt die AfD ihre Wahlergebnisse dort auch, wohingegen Parteien des linken Spektrums nicht entsprechend von der wirtschaftlichen Stagnation "profitieren". Es tut mir leid, aber ich glaube die Erzählung nicht, dass 44 % der Wähler eine rechtsextreme Partei wählen, weil sie sich von deren Politik den wirtschaftlichen Aufstieg erhoffen. Das würde ja bedeuten, dass man diese Wähler durch Sachpolitik wieder zur Umkehr bewegen könnte. Die AfD baut ihren Erfolg ja nicht auf tollen Sachvorschlägen, sondern auf einer Emotionalisierung von Politik. Sie wendet mal mehr mal weniger geschickt faschistische Strategien an. Ihre Gegner helfen ihr dabei. Wir haben es hier mit einer System- und nicht mit einer Inhaltskrise zutun. Unser politisches System ist offensichtlich nicht (mehr) in der Lage mit diesen Kräften umzugehen. Wir sehen hier gerade live wie die bundesdeutsche Republik zerbricht. Letztendlich ist es auch ein Elitenproblem. Wenn man sieht, wie stark der (insgeheime) Zuspruch im wirtschaftlich-liberalen und konservativen Lager/Medien zu AfD-Positionen ist, dann ist der Aufschwung der AfD auch nicht überraschend. Ich habe leider keine Lösungsidee außer das Verbot der Partei und das konsequente Verbieten und Verfolgen etwaiger Nachfolgerorganisationen. Man kann es einfach niemandem (insbesondere zukünftige Generationen) erklären, warum es unsere Institutionen zulassen, dass eine gesichert rechtsextreme Organisation in Deutschland wieder regieren darf. Einfach den armen Menschen mehr Geld in die Hand drücken, wird nichts daran ändern, dass offensichtlich eine große Minderheit autoritär regiert werden will.
"Wir haben es hier mit einer System- und nicht mit einer Inhaltskrise zutun"
Stünde hier ein "auch" wärs ja ok. Aber komplett ohne, das geht meiner Ansicht nach völlig an der Realität vorbei. System interessiert die Leute höchstens am Rande. Auf den Alltag kommt es an.
Stimmt, die Formulierung in meinem Kommentar ist eine falsche Dichotomie. Besser wäre "Wir haben es hier mit einer System- und nicht nur mit einer Inhaltskrise zutun."
Ich glaube auch, dass ein nicht unbeträchtlicher Anteil dieser 44 % die AfD einfach nur aus Frust gewählt hat. Ich glaube, ein beträchtlicher Anteil der AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt hat die AfD gewählt, weil die "etablierten Parteien" so laut vor der AfD gewarnt haben. Ohne das mit Zahlen belegen zu können, bin ich mir sicher, dass es einen ganz erheblichen Anteil an Menschen in Sachsen-Anhalt gibt, die einfach nur "das System", das sie 1990 feindlich übernommen und ihre Lebensgrundlage weitestgehend zerstört hat, brennen sehen wollen. Ich glaube, ein Großteil der Wähler der AfD ist vom politischen System in Deutschland (und auch von den Linken) so nachhaltig enttäuscht und vor den Kopf gestoßen worden, dass sie einfach nur Rache nehmen und das System stürzen sehen wollen.
Und ich glaube, dem Großteil ist dabei auch egal, dass es ihnen mit der AfD wirtschaftlich nicht besser gehen wird. Die anderen Parteien haben, "das System" hat, ihr Leben ja ebenso wenig verbessert - aber die AfD reißt wenigstens "das System" ein.
Ja, und das Irre dabei ist: Die gleichen Leute, die diese Zerstörung wollen, haben total schreckliche Angst vor einer kommunistischen Revolution, einer DDR 2.0 bzw. sehen diese schon verwirklicht. Suizid aus Angst vor dem Tod sozusagen.
"Das wichtigste Thema der Wahl war soziale Sicherheit. Das ist eigentlich das Heimspiel der SPD"? Soziale Sicherheit ist seit 20 Jahren kein Heimspiel mehr für die SPD. Das Bild, für soziale Sicherheit zu stehen, hat die SPD unter Schröder mit Vollgas an die Wand gefahren - und fährt seit dem weiter in die selbe Richtung. Die SPD macht neoliberale Politik mit sozialem Anstrich. Die SPD hat zuletzt alle echten Linken aus der Partei gemobbt. Und der Rest labert von "sozialer Politik" und trägt die asoziale Politik der Union mit.
Unsere Gesellschaft erwirtschaftet mehr als genug Geld. Wir könnten uns einen richtig fetten Sozialstaat spielend leisten - aber wir werfen stattdessen das Geld den Überreichen in den Rachen und sparen Mittel- und Unterschicht zu Tode. Und zwar mit dem Segen der SPD.
Und einmal mit Gemeni gesprochen: Höfgens sozialökonomische These – dass ökonomische Unsicherheit und verfehlte Wirtschaftspolitik den Nährboden für radikale Parteien bilden – deckt sich mit den historischen Lehren aus dem Ende der Weimarer Republik.
Der historische Vergleich zeigt: Wenn der Staat in Zeiten von Transformation und Unsicherheit nicht als schützender und investierender Akteur wahrgenommen wird, suchen viele Wähler Zuflucht bei Kräften, die einfache Antworten und die Ablehnung des bestehenden Systems versprechen.
Und auch dieses gehört zur Diskussion: war auch wieder Germini in der Abfrage
Betrachtet man das real verfügbare Einkommen (Nettoeinkommen bereinigt um lokale Mieten und Lebenshaltungskosten), ist der Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland erstaunlich gering. Der klassische Satz „Im Osten bleibt viel weniger übrig“ stimmt in dieser Pauschalität nicht mehr, wenn man die Kosten mit einberechnet.
Ehemalige Muster der reinen Ost-West-Trennlinie wurden stark aufgeweicht. Heute verläuft die Grenze eher zwischen wirtschaftsstarken Regionen/ländlichem Raum versus überteuerten Großstädten und strukturschwachen Ballungsräumen.
1. Der Ost-West-Vergleich beim preisbereinigten Einkommen
Beim reinen Brutto- und Nettoeinkommen hinkt der Osten dem Westen zwar nach wie vor im Schnitt um 10\,\% bis 15\,\% hinterher. Da die Mieten und Dienstleistungen in Ostdeutschland (außerhalb des Berliner Spekulationsgürtels) jedoch spürbar günstiger sind, gleicht sich die Lücke beim realen Budget fast vollständig aus.
* Durchschnittlicher Abstand: Rechnet man die Kaufkraft aus, liegt der Osten im Schnitt nur noch etwa 3\,\% bis 6\,\% hinter dem Westen.
* Bundesländer-Ebene: Das preisbereinigte Pro-Kopf-Einkommen in Bundesländern wie Thüringen (~27.650 €/Jahr) oder Sachsen (~27.590 €/Jahr) liegt auf Augenhöhe mit westlichen Flächenländern wie dem Saarland (~27.350 €/Jahr) oder dem Land Nordrhein-Westfalen im Gesamtschnitt (~28.200 €/Jahr).
2. Der Vergleich: Ruhrgebiet vs. Ostdeutschland
Ein besonders spannendes Bild zeigt der direkte Vergleich zwischen den strukturschwachen Städten des Ruhrgebiets und ostdeutschen Regionen.
Studien des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) zur regionalen Kaufkraft zeigen regelmäßig, dass das Ruhrgebiet bei den real verfügbaren Einkommen oft SCHLECHTER abschneidet als große Teile Ostdeutschlands:
| Indikator | Ruhrgebiet (z. B. Gelsenkirchen, Duisburg, Herne) | Ostdeutsche Regionen (z. B. Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg) |
|---|---|---|
| Nominales Einkommen | Eher niedrig bis mittel (hohe Arbeitslosigkeit, viele niedrige Tarifstufen/Transferleistungen) | Moderat bis mittel (überwiegend solide Beschäftigung, stetiger Lohnanstieg) |
| Mieten & Nebenkosten | Mittel (in den letzten Jahren teils spürbar gestiegen) | Niedrig bis sehr niedrig (außerhalb der Top-Städte) |
| Effektiv verfügbares Einkommen | Rangliste ganz unten (Gelsenkirchen, Duisburg & Herne zählen deutschlandweit zu den Städten mit dem geringsten realen Budget) | Überraschend solide (Viele Landkreise in Thüringen, Sachsen und Brandenburg bieten mehr Netto-Kaufkraft als das Revier) |
Fazit dieses Vergleichs: Ein Arbeitnehmer im Ruhrgebiet hat nominal vielleicht ein ähnliches oder leicht höheres Bruttogehalt als im Osten. Da die Fixkosten und Mieten im Ruhrgebiet aber in den letzten Jahren schneller gestiegen sind als die Löhne, bleibt am Monatsende im Ruhrgebiet oft weniger freies Budget übrig als in weiten Teilen Ostdeutschlands.
Kern-Erkenntnis
Das verfügbare Rest-Einkommen ist im Osten kaum noch niedriger als im Westen. Vergleicht man ostdeutsche Flächenregionen gezielt mit westdeutschen Problemregionen wie dem Kern-Ruhrgebiet oder extrem teuren Städten wie München, steht der Osten beim monatlichen „Geld zur freien Verfügung“ heute oft sogar besser da.
.. klingt für mich plausibel, bzw es deckt sich mit anderen Infos..
Aber trotzdem wäre ein Link, zb zu der entsprechenden Studie des IW, nicht schlecht..!
(oder bietet Gemini keine Quellenangaben an, .. dann weiß man aber auch nicht, ob das so stimmt!)
Eine Überlegung dazu wäre dann auch, inwieweit sich durch meist anders lautenden Medien-Berichten, wo eben NUR auf das Einkommen geschaut wird, Menschen im Osten sich in ihrer vermeintlichen Opferrolle bestärkt fühlen, und so stark überdurchschnittlich Rechtsextremisten wählen 🤔?!
https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/sonderveroeffentlichungen/2023/regionaler-preisindex-big-data-dl.pdf?__blob=publicationFile&v=5
Regionalranking 2026: 400 Kreise und Städte im Vergleichhttps://www.iwconsult.de/projekte/regionalranking-2026/
Interessante Studie (selbst vom IW) 👍
Auf S.48 sieht man zb., dass der Treiber für die unterschiedlichen Preisniveaus sich quasi komplett über die jeweilige Höhe der Wohnungskosten ergibt:
Die Schwankungsbreite der Kosten
Ohne Wohnungskosten: -0,6 bis +1,2%
mit Wohnungskosten: -15,4 bis +36,5% ❗
Nimmt man da die Extremwerte, liegen diese um sage und schreibe
➡️ 72,2%
auseinander❗
(Westdeutsche Top7 Städte: +146,9%
Ostdeutschland, städtische Kreise: 74,7%)
Es ist kaum anzunehmen, dass auf der anderen Seite die Einkünfte regional soweit auseinander gehen..
Wenn dem so ist, so trifft dann allerdings die Aussage von der besonders schlechten finanziellen Situation vieler Menschen in Ostdeutschland so nicht zu🤔❗
Um das abschließend zu beurteilen, bräuchte man natürlich noch andere Daten (Armutsquote, Arbeitslosigkeit, priv. Überschuldung etc.)
In der Frage hier, den Gründen für den AfD Aufwuchs und dessen Bekämpfung, ist das natürlich von zentraler Bedeutung:
Wählen jetzt so viele die Rechtsextremisten, primär wegen ihrer (vergleichsweise) schlechten wirtschaftlichen Lage, oder nur weil sie das so glauben, oder etwa doch ideologisch begründet, wegen rassistischer, libertärer, sozialdarwinistischer Ideologien, oder einer kulturellen und historischen Distanz zu den Grundsätzen der Demokratie 🤔❓
Die Polen werden sich nach diesem gruseligen Wahlerfolg der Rechtsextremen vielleicht nochmal überlegen, ob sie wirklich eine starke Bundeswehr wollen.
Um es ganz ehrlich zu sagen:
Wäre ich Ausländer, würde ich Deutschland nicht mehr über den Weg trauen. Nicht einmal ich traue Deutschland noch über den Weg.
Hätte mir das einer vor 20 Jahren gesagt, dass eine rechtsextreme Partei in einem Bundesland bei 44 Prozent landet, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Ich war mir sicher, dass unsere Gesellschaft dazugelernt hat.
Ich kann den Mist vom Protestwähler und nicht mitgenommenen Ossi echt nicht mehr hören. Die AfD-Wähler wollen in der Mehrheit genau das, was die AfD verkörpert - Ausländerfeindlichkeit, Ausgrenzung, Einteilung in Menschen erster und zweiter Klasse...
Es ist, als ob man eine Gesellschaft innerhalb weniger Jahre auf rechts gedreht hätte...
"Und dann erklärt die SPD: Jetzt sei nicht die Zeit, über sich selbst zu reden, weil die Demokratie unter Beschuss stehe. Doch genau deshalb muss sie über sich selbst reden." Da ist genau wo die meisten Linksparteien in Europa scheitern, z.B in Italien wo Giorgia Meloni seit 4 Jahren regiert. Man redet viel (zu Recht) über die Bedrohung für die Demokratie, aber man stellt nie den eigenen Politikvorschlag in Frage
Politik machen, die Menschen überzeugt. Genau. Nur, dazu müsste sie ihre bisherige über Bord werfen. Die alten Rezepte eines weichgespülten Kaputtalismus überzeugen eben niemanden mehr...
Klarer und guter Kommentar! Ich wünschte die Politiker hätten bei den Interviews und Reden ein paar Deiner Punkte aufgegriffen, leider wurde es meist Geschwafel. Du hast völlig recht, es geht um die Politik, die sie machen. Erschreckend!
So lange sich die konservativen Kreise der CxU nur über die Grüüünen echauffieren, kann die braune Suppe im Verborgenen gedeihen.
Dazu kommt noch ein Kanzler, dessen Mund schneller ist als das Hirn, der Arbeitnehmer als „faul, krank“ tituliert, sich selber aber das Recht rausnimmt in einer Krise den Urlaub zu verlängern. Der starke Defizite in der Kommunikation hat. Eine SPD, deren DNA nicht mehr sichtbar ist.
Leider wünschen sich viele eine DDR light zurück, es werden die negativen Seiten einfach ausgeblendet.
Das Erwachen wird noch kommen, aber dann ist es zu spät.
Quellen dazu ... ist ein bisschen viel
https://www.dw.com/de/landtagswahl-wie-geht-es-der-wirtschaft-in-sachsen-anhalt-cdu-spd-fdp-afd-arbeitslosigkeit-migration/a-78499645
https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/sachsen-anhalt-wo-das-bundesland-wirtschaftlich-zurueckliegt-und-fuehrt-a-fbcd3b79-eef6-47ee-af9b-b6b2e0aacdac
https://web.de/magazine/reise/bundesland-leben-durchschnittlich-aeltesten-menschen-deutschlands-41416570
https://statistik.sachsen-anhalt.de/news/news-details/bevoelkerung-im-ruhestand-waechst-alterungsprozess-in-sachsen-anhalt-setzt-sich-fort
https://statistik.arbeitsagentur.de/Auswahl/raeumlicher-Geltungsbereich/Politische-Gebietsstruktur/Bundeslaender/Sachsen-Anhalt.html
https://www.zew.de/fileadmin/FTP/economicstudies/ES_36.pdf
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/sachsen-anhalt-wirtschaft-wahl-afd-100.html
https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/rueckgang-bevoelkerung-sachsen-anhalt-thueringen-statistisches-bundesamt,einwohnerzahl-100.html
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/sachsen-anhalt-wahl-demografie-wirtschaft-106.html
https://statistik.sachsen-anhalt.de/news/news-details/erwerbstaetigkeit-in-sachsen-anhalt-im-1-quartal-2026-weiter-gesunken
https://table.media/ceo/analyse/wie-es-um-die-wirtschaft-in-sachsen-anhalt-steht
Wirtschaftsstruktur (80–90 % Fremdbesitz): Diese strukturelle Realität wird regelmäßig vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Studien zur ostdeutschen Eigentumsstruktur dokumentiert. Die wegweisende Studie „Wem gehört die ostdeutsche Wirtschaft?“ zeigt, dass Großunternehmen in Ostdeutschland fast ausnahmslos Zentralen im Westen oder Ausland haben.
BIP-Aufteilung (Löhne vs. Gewinne/Abschreibungen): Die exakten Zahlen (81,8 Mrd. € Gesamt-BIP, 45,2 Mrd. € Arbeitnehmerentgelt und der verbleibende Rest von knapp 36,6 Mrd. €) stammen aus den offiziellen Publikationen des Arbeitskreises „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder“ (AK VGRdL), koordiniert durch das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt (Pressemitteilungen und Berichte zur wirtschaftlichen Leistung und den Arbeitnehmerentgelten 2025/2026).
Wohnungseigentum: Dass der ostdeutsche Wohnungsmarkt stark in überregionaler Hand ist, belegen die Daten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die Geschäftsberichte der großen börsennotierten Immobilienkonzerne (wie Vonovia oder TAG Immobilien). Ergänzend zeigt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in seinen Wohnungsmarktberichten, dass die private Eigentumsquote an Immobilien in Ostdeutschland mit rund 30–35 % weit unter der Westquote (über 45–50 %) liegt.
Erbschaften: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) veröffentlicht regelmäßig das „Erbschafts- und Schenkungsverhalten in Deutschland“. Diese Studien belegen, dass aufgrund des fehlenden Privateigentums in der DDR-Historie rund 90 % des gesamten deutschen Erbschaftsvolumens im Westen anfallen.
Die „Herausgerechneten“ (Logik vor 2004) Die Rohdaten-Zeitreihen der BA zur Aktivierung und Entlastung. Die Schätzwerte für die seit den Hartz-Reformen ausgeblendeten Gruppen basieren auf den gesetzlichen Sonderkategorien der BA: Ältere Erwerbslose: Statistiken nach § 53a SGB II (Personen über 58 Jahre, die seit über einem Jahr kein Jobangebot erhalten haben, fallen automatisch aus der Arbeitslosen- und Unterbeschäftigungsquote). Kranke am Stichtag: Erfasst in den Sonderauswertungen der BA zur erwerbsbedingten Nicht-Verfügbarkeit. Ein-Euro-Jobs: Aufgeführt unter den monatlichen „Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung“ im SGB-II-Berichtwesen der BA.
https://www.demografie-portal.de/DE/Fakten/bevoelkerung-altersstruktur-sachsen-anhalt.html
https://statistik.sachsen-anhalt.de/themen/gesamtrechnungen-und-erwerbstaetigenrechnung/erwerbstaetigenrechnung
Mein politischer Lebenslauf ist, in der Rückschau, beängstigend. Vor 40 Jahren wählte ich als Auslandsdeutscher CDU. Dann CSU, Grüne und irgendwann war ich Wahlverweigerer, macht nur noch ein großes Kreuz. Kein Nichtwähler, Wahlverweigerer. Jetzt tue ich mir schwer, keine der Partei der Mitte hatte mich in den letzten Jahrzehnten im Auge, jede regierte an meinen Bedürfnissen vorbei. Einzig die Linke wäre eine Option, wäre nicht die unklug Haltung zur Nato.
Das ist auch mein großes Problem mit der Partei Die Linke. Diese vollkommen idiotische Einstellung zur NATO und zur Bundeswehr. Als sei die NATO unser Sicherheitsproblem. Als sei die Bundeswehr eine Invasionsarmee.
Wenn schon bei den Polen der Konsens herrscht, dass eine schwache Bundeswehr sehr viel gefährlicher ist für Polen, als eine starke, kampfkräftige Bundeswehr, und die baltischen Staaten gerne auch mehrere Bundeswehrbrigaden beherbergen würden, dann ist es vollkommener Blödsinn zu sagen, dass eine starke Bundeswehr den Frieden in Europa gefährdet.
Den Frieden in Europa gefährden Putin und sein Regime. Putin ist Schulhofschläger mit Großmachtambitionen. Und Schulhofschläger hören nur auf, wenn sie ernsthaft Angst haben müssen, eins auf die Fresse zu bekommen. Das ist die Logik dieser Typen. Daher braucht es eine starke Bundeswehr im Verbund mit starken Verbündeten - damit Putin sich nicht traut uns anzugreifen.
Aber diese Logik des Gegners will bei der Partei die Linke der Großteil der Leute nicht einsehen.
Danke für deine Analyse!”Das Sein bestimmt das Bewusstsein."
… ich vermute, viele Tatsachen werden vom gesammten politischen System einfach ignoriert.
Fremdbesitz der Wirtschaft: Über 80 bis 90 % der großen und mittelständischen Unternehmen in Sachsen-Anhalt gehören westdeutschen oder internationalen Mutterkonzernen, Fonds oder Eigentümern. 36 % des BIP sind Abschreibungen, Produktionssteuern und vor allem Betriebsüberschüsse (die Unternehmensgewinne), die zum größten Teil das Land verlassen.
Der Immobilienmarkt: Auch der Wohnraum gehört in den Städten zu großen Teilen westdeutschen Immobilienkonzernen oder überregionalen Investoren.
Das durchschnittliche Nettovermögen eines Haushalts in Ostdeutschland (inklusive Sachsen-Anhalt) beträgt laut Bundesbank-Daten oft weniger als die Hälfte des Westniveaus.
Erbschaften als Verstärker: Vermögen wird in Deutschland primär vererbt. Da in der DDR kein privates Großvermögen oder Immobilieneigentum im heutigen Sinne gebildet werden konnte, wird in Sachsen-Anhalt kaum etwas vererbt.
In Sachsen-Anhalt ist der Anteil der Bürgergeld-Empfänger mit knapp 12 % deutlich höher als der Bundesschnitt (8,2 %) und das Land hängt aufgrund fehlender eigener Großkonzerne und einer überalterten Bevölkerung dauerhaft am Sozial- und Finanztropf des Länderausgleichs (erhält jährlich über eine Milliarde Euro aus dem Topf, der maßgeblich von Bayern, Baden-Württemberg und Hessen gefüllt wird).
In Sachsen-Anhalt beziehen Senioren mit durchschnittlich 1.545 Euro im Monat die zweitniedrigsten Renten im gesamten Bundesgebiet (nur Thüringen liegt knapp darunter).
Sachsen-Anhalt hat mit einem Anteil von rund 28 % an Über-65-Jährigen die älteste Bevölkerung aller Bundesländer und liegt damit dramatisch über dem bundesweiten Durchschnitt.
Wenn man die Arbeitslosen-Rechenlogik auf das Jahr 2004 zurückdreht, als es noch keine Hartz-IV-Statistikbereinigung gab und diese Quote konsequent auf die gesamte Bevölkerung bezieht, würde die reale Quote der Menschen ohne reguläre Arbeit in Sachsen-Anhalt heute bei 10-15% liegen und da sind Umschulungen, die massive Abwanderung seit dem und die überproportionale Alterung noch nicht eingerechnet.
Jens
interessante & wichtige Daten, nur die Links zu den Quellen dazu fehlt❗
Danke für die nachgereichten Links weiter oben, da habe ich ja was zu lesen 🙂👍
Der Fokus liegt auch mir hier eindeutig zu stark auf den Inhalten statt auf der Form des Wahlkampfs als Erklärung für das Ergebnis. Ausschlaggebend für die Wahlentscheidungen waren doch mehr denn je Emotionen und Irrtümer und viel weniger Rationalität und Inhalte.
Anders gesagt: Mit Emotionen und Lügen ist nach meiner Überzeugung aktuell mehr zu gewinnen als mit der besten Politik der Welt zu holen wäre.
"mehr denn je Emotionen und Irrtümer und viel weniger Rationalität und Inhalte."
Das liegt auch sicherlich eben auch teils an den unzureichenden Inhalten der übrigen Parteien. Sie bieten eben genauso wenig realistische Lösungen und Verbesserungen an und viele der AfD Wähler dürften mittlerweile eine "Egal was die machen und sagen, besser wirds eh nicht" Erfahrung gemacht haben. Daher stören sie sich an den sinnbefreiten Inhalten der AfD auch weniger und wollen ihnen erstmal eine Chance geben, anstelle auf Worte zu hören.
Vielleicht liegt genau darin der gemeinsame Mechanismus hinter CDU- und SPD-Reaktion:
Die Entscheidung bleibt stehen. Nur die Erklärung ihres Scheiterns wird ausgetauscht.
Bei der CDU heißt das Problem Kommunikation. Bei der SPD ist für Aufarbeitung gerade nicht der richtige Zeitpunkt. Beides schützt zunächst dieselbe Stelle vor Veränderungsdruck: die eigene Politik.
Ein treffender Kommentar!
Es gibt keine „demokratische Mehrheit gegen die AfD“ mehr. Nichtmal mit der PdL reicht es mehr.
Außer natürlich ne surreale Allparteienkoalition mit dem BSW inklusive.
Wie lange das hält, abgesehen von der Wirkung auf die CDU, kann sich jeder denken.
Isch over 🤷♂️