So wahre Worte! Vielen Dank mal wieder für die klare Analyse. Es fehlt den Progressiven an einer kohärenten ökonomischen Gegenerzählung zum neoliberalen Mainstream. Dabei liegen die Themen auf der Hand. Es gab mal Zeiten, da war ökonomische Kompetenz ein Merkmal der Progressiven. It's the economy....
Ein Finanzminister ohne nachgewiesene volkswirtschaftliche Grundkenntnisse (mind. 4 Sem. VWL als Nebenfach o.ä.) - hatten wir jetzt schon seit 1990 oder so - sollte dieses Amt gar nicht erst ausüben dürfen! Und als Kanzler mindestens eine Legislaturperiode als MP, RB, Außenminister oder Diplomat nachweisen.
Maurice schreibt: «Die Vision einer linken Regierungsmehrheit, die progressive Reformen umsetzt, es gibt sie noch, sie lebt.»
Die SPD und die Grünen sind 2026 definitiv keine linken Parteien mehr. Oder seit wann ist eine wahnsinnige Aufrüstung "links"?
Maurice schreibt weiter: «Denn ohne Deutungshoheit in der Geldfrage bleibt jede progressive Politik Stückwerk.»
Wohl wahr. Leider ist weit und breit niemand zu sehen, der die Erkenntnisse der Ökonomen Stützel, Flassbeck, Höfgen, Paetz, Ehnts & Co in der politischen Arena aufnimmt und propagiert. Hier der Artikel von Heiner Fllassbeck "Mit halbherziger Wirtschaftsanalyse können Linke nur scheitern", der im "Surplus-Magazin" erschien und die Crux gut beschreibt. https://www.surplusmagazin.de/wirtschaftsanalyse-linke-scheitern-angebotsschock-nachfrageschock/
Es dürften vor allem die EBIT-Margen in der Rüstungsindustrie sein, welche das Begehren geweckt haben. Ohne diese Profit-Trächtigkeit würde der Friedenswillen bald Einzug halten.
Grundsätzlich stimme ich dir zu. Die fiskalpolitische Debatte in Deutschland ist geprägt von (makro-)ökonomischen Analphabetismus und Dilettantismus. Die Schuldenbremse und die schwarzen Nullen von der CDU und SPD (!!!) sind das beste Beispiel dafür. 16 Jahre das Land kaputt gespart.
Es ist jedoch nicht richtig, dass der deutsche Staat einfach durch schuldenfinanzierten Konsum die wirtschaftliche Stagnation überwinden kann. Zumal diese Schulden und die damit einhergehenden Zinsen wieder überwiegend nur in die Hände der Ultrareichen fließen. Die Ungleichheit wird damit erhöht, weil der Staat weniger öffentliche Güter finanziert bzw. die ärmeren Schichten unterstützen kann und mehr seines Budgets zukünftig für Zinszahlungen aufwenden muss. Das ist die falsche Art Umverteilung. Solange die EZB die Geldpolitik kontrolliert und weitgehend unabhängig ist, wird eine auf Konsumbelebung ausgerichtete Fiskalpolitik keine Auswirkungen haben.
Was der deutsche Staat aber meines Erachtens finanzieren muss sind Investitionen, die sich selber tragen, d.h. zukünftig automatisch zu mehr Steuereinnahmen führen, die dann in den Schuldendienst fließen. Dazu gehört massiv in Bildung (Kita, Schule, Hortbetreuung, Studium, BaFöG) zu investieren, das ist für mich ein no-brainer. Ferner Infrastruktur und damit meine ich nicht nur Autobahnen, sondern Kommunikationsnetze, Stromnetze, Ladeinfrastruktur, Energiespeicher etc. Die Unabhängigkeit von fossilen Energien kann, wie man gerade wieder sieht, nicht schnell genug kommen. Da muss noch mehr getan werden. Auch ins Gesundheitssystem muss massiv investiert werden mit dem Ziel vermeidbare Erkrankungen zu verhindern und unvermeidbare Erkrankungen schneller und besser zu behandeln. Da fällt einem sicher noch mehr ein, aber alleine mit dieser Aufzählung wären unsere Politiker und Beamte schon ausreichend ausgelastet, wenn es an die Umsetzung ginge.
Dieses Wunschdenken wird sich ohne größere Einsicht nicht umsetzen lassen.
Aber bei hinreichender Einsicht, welche eine fundiertere Saldenmechanik liefert, gibt es im Kontext mit Erkenntnissen aus Wettbewerb und Preisgestaltung ganz andere Möglichkeiten, ohne Schuldenaufnahme hinreichend Geldmittel zur Wohlstandsgewinnung zur Verfügung zu stellen.
Strukturelle Unterkonsumption aufgrund fehlender Zahlungsmittel bei bestimmten Bevölkerungsgruppen erhöhen nur die Produktionskosten je Einheit und führen damit zu strukturell höheren Preisen aufgrund mangelnder Auslastung der Ressourcen aufgrund höherer Stückkosten.
Mit den gängigen Instrumenten (ohne Umsteuerung bei den Steuern und Abgaben) gibt es keine Lösungen mehr, mit welchen die gesellschaftlichen Ressourcen den gesellschaftlichen Bedarf decken können. Und das nennt man volkswirtschaftlich Fehlallokation, obwohl die meisten Volkswirte das nicht verstehen, weil sie es gelernt haben, dies mit anderen Attributen in Verbindung zu setzen.
So sehr ich die gemeinsame Abkehr von X begrüße, so sehr befürchte ich, dass die drei Parteien sich eines weiteren wichtigen Social Media Reichweiten-Instruments berauben. Die Stärke der rechtspopulistischen "Seite" ist das dreiste, offensive Auftreten in den sozialen Medien.
Zumindest was die "Lautstärke" angeht, sollten sich die sozialgrünlinken ;-) ein Beispiel nehmen und Mut zu ein wenig mehr Populismus in die richtige Richtung haben.
Das holt Menschen mit Wunsch nach einfachen Antworten eher ab als sachliches Zerlegen durch Fakten und Faktenchecks.
Dieser Mechanismus ist es ja bekanntermaßen, der die Rechten auch in den USA so stark gemacht hat -> REICHWEITE.
Danke Maurice für Deine erfrischende Analyse. Deine Kernaussagen sind eigentlich immer die gleichen (das ist keine Kritik!). Wenn Du daraus 10 Gebote der Wirtschaft ableiten müsstest - wie würden die lauten? Ich mache mal einen augenzwinkernden Vorschlag:
1. Der Staat ist nicht wie ein Privathaushalt
2. Nicht Geld ist knapp – sondern reale Ressourcen
3. Die Schuldenbremse schadet Investitionen
4. Der Staat muss aktiv investieren
5. Sparpolitik verschärft Krisen
6. Inflation hat meist reale Ursachen – nicht nur „zu viel Geld“
7. Vermögen und Macht sind zu ungleich verteilt
8. Arbeit ist wichtiger als Finanzmärkte
9. Öffentliche Daseinsvorsorge ist kein Marktfehler, sondern Kernaufgabe
10.Wirtschaftspolitik muss gesellschaftlichen Nutzen maximieren – nicht nur BIP
Was macht man aber, wenn die CDU zum Beispiel Schulden dafür nutzt um die Unternehmenssteuer zu senken. Kritisiert man dann, dass dies noch nicht mal mit deren Konzept Sinn macht, sagt man einfach das wäre woanders besser angelegt oder macht man beides?
Tja, da wird die (begrüßenswerte) Abkehr von dem braunen Desinformationskanal beschlossen - und was passiert? Einige, auch aus der obersten Parteihierachie, machen schon wieder einen Rückzieher und wollen X nicht verlassen. Es mag dafür Gründe geben, aber gemeinsamer Beschluss ist nunmal ein gemeinsamer Beschluss, an den sich auch ALLE zu halten haben.
Es gibt genügend Alternativen zu Musks Pöbelkanal, auch aus Europa und dazu noch sicherer.
Und dies kann der Anfang einer guten Zusammenarbeit von drei demokratischen Parteien induLa werden, es muss ein Gegengewicht zur Union und den Rechtsexkrementen geben, um eine rückwärtsgewandte Politik zu verhindern.
Zukunftsorientierte Politik geht nur mit GRR um die Zukunft der Jugend zu sichern.
Ich verstehe, dass man als Privatperson den Morast verlässt. Allerdings sind Parteien nun mal eben keine Privatleute, sie haben einen öffentlichen Auftrag (u.a. "politische Willensbildung"). Daher ist die Abkehr von X nicht nur politisch völlig falsch, sondern meines Erachtens auch pflicht- ja sogar vielleicht verfassungswidrig!
Dieser Beschluss reiht sich ein in eine lange Liste der Fehlentscheidungen und warum "linke" Parteien es nicht schaffen die AfD klein zu bekommen. Statt X zu verlassen, sollten die Parteien lieber massiv in die sozialen Medien drängen und die braune Kloake mit einem Tsunami wegspülen ("flooding the zone"). Für jeden TikTok-Clip eines rechtsextremen Influencers müsste es mindestens drei aus dem demokratischen Spektrum geben. Den Algorithmen ist die Ideologie egal, es siegt wer den meisten Content produziert. Und damit meine ich nicht irgendwelche lächerlichen Tanzvideos im Bundestag. Die Rechtsextremen haben das verstanden und über die Jahre ihre Ökosysteme und Pipelines in den sozialen Medien aufgebaut. Jetzt fahren sie die Ernte ein.
Franziska Brantner hat nicht zum ersten Mal konservative Märchen zu Fiskalpolitik verbreitet. Schon als das Sondervermögen beschlossen wurde, sprach sie von einer Belastung für ihre Kinder.
Und jetzt hat sie auch noch einen eigenen Artikel im Heft zu „Wirtschaftsdemokratie“ von Surplus bekommen 😕
Lieber Herr Höfgen, ich lese Ihre Beiträge immer sehr gerne. Zumal immer ein leichter grüner Hauch mich dabei umweht.
Aber diese ganze Diskussion über die Schuldenbremse ist doch faktisch völlig absurd. Man nehme die tatsächliche Neuverschuldung 26 / 27 mit allen Anteilen an irgendwelchen Sondervermögen, schaue sich das an und dann fragt man sich was diese ganze bigotte Diskussion eigentlich soll.
Warum macht man sich nicht ehrlich? Am Ende zählt die gesamte Verschuldung / Neukreditaufnahme. Für die Verschuldung / die Zinslasten und mögliche Tilgungen ist der Zweck dieser Schulden unerheblich. Es sei denn es würde hohe Multiplikatoren geben. Sehen Sie die? Ich nicht.
Jeder BWler würde sich darüber kaputtlachen. Man stelle sich eine solche Bilanz vor mit einer Unterbilanz, die man verschämt keiner Bank, keinem Aktionär zeigen will.
Das Grundproblem ist, dass wir eine bestimmte Art von Schuldenaufnahme einfach als notwendig setzen und uns dann in vielen Artikeln über die faktisch schon lange gekippte Schuldenbremse für andere Zwecks zerfleddern.
Am Ende steht Sozialabbau und eine hochgehaltene Schuldenbremse selbst für volkswirtschaftlich sinnvolle oder nötige Ausgaben wird eisern verteidigt.
Eine Partei, ob grün, rot, schwarz oder rosa sollte erst mal eine ehrliche, offene Diskussion über die Schulden machen, die wir heute so ganz im stillen über alle "Progressive" als gesetzt, selbstverständlich hinnehmen. Dann kann man auch rational über die Schuldenbremse reden.
Gerne rede ich mit Ihnen über Schulden, allerdings mute ich Ihnen zu, dass Sie die Perspektive des BWLers, des Unternehmers und der schwäbischen Hausfrau verlassen müssen. Denn während die Unternehmen darauf angelegt sind, einen positiven Ertrag zu erzielen, also die Einnahmen die Ausgaben übersteigen, kann es - wenn man die Welt als eine Volkswirtschaft betrachtet - dort niemals einen Überschuss geben, weil die Einnahmen des einen zu jeder Zeit die Ausgaben des anderen sind. Oder anders ausgedrückt: Schulden + Ersparnisse = 0. Heruntergebrochen auf die deutsche Volkswirtschaft bedeutet dies, dass Sie einen relativ stabilen Beitrag von 7-8 % des BIP (aktuell + 300 Mrd € ) pro Jahr der privaten Haushalte und Unternehmen an Ersparnissen haben. Es bleibt eigentlich nur die Frage, wer von den weiteren Akteuren (Staat oder Ausland) in diesem Jahr die - 300 Mrd € Schulden macht, damit unsere Gleichung aufgeht. Bei einem Ausland, in dem sich große Akteure wie China und die USA aber gegen eine Verschuldung bei anderen Staaten wie Deutschland wehren, bleibt nur noch ein einziger Akteur, der mit „Schulden“ verhindern kann, dass Geld durch Einnahmeüberschüsse dem Wirtschaftskreislauf entzogen wird, dadurch die Volkswirtschaft sich rückläufig (rezessiv) entwickelt und das ist der Staat. Das ist die von Maurice angesprochene Logik, die in der gesamten politischen Diskussion bisher mangels Verständnis der Zusammenhänge in der gesamten Wirtschaft nicht begriffen wird.
Und bevor Sie mir jetzt die Zinskosten und Schuldentragfähigkeit vorrechnen, sei gesagt, dass Zinsen kein Ergebnis eines Marktvorgangs sind, sondern zu jeder Zeit von einer staatlichen Institution, der Zentralbank gesetzt werden. Der Staat setzt also selbst die Zinsen für die „Schulden“ die er macht.
Eine lesenswerte Replik. Hat aber nichts mit der vom mir aufgeworfenen Thematik zu tun. Zum einen dürfen Sie mir glauben, dass ich als Wirtschaftswissenschaftler die betriebliche und gesamtwirtschaftliche Ebene zu trennen weiss. Zun anderen lese auch ich immer wieder gerne die Ausführungen z.B. von Herrn Flassbeck. Von mir würden sie daher so einen Verweis auf "die schwäbische Hausfrau" nie hören. Weiss nicht wie Sie darauf kommen.
Der Rückgriff auf die Bilanz hatte nur den Zweck, ein wenig auf die Absurdität der Diskussion hin zu weisen. Natürlich hätte ich auch ein anderes Beispiel nehmen können, aber wäre das so plastisch? Es geht mir um diesen Trick mit dem Sondervermögen und dass dadurch defacto eine Schuldenbremse schon lange ad absurdum geführt wurde.
Ich kann auch den für mich völlig richtigen Gedanken von Herrn Höfgen teilen, dass dem Staat aktuell die Aufgabe zufällt die "VGR ins Lot" zu bringen. Und dass die Schuldenbremse so wie sie jetzt ist diesem Land nicht gut tut. Ob es allerdings daran liegt, dass "die von Maurice angesprochene Logik, die in der gesamten politischen Diskussion bisher mangels Verständnis der Zusammenhänge in der gesamten Wirtschaft nicht begriffen wird" da habe ich meine Zweifel. Begreifen ist eine Sache, dem Gedanken zu folgen eine andere. Das impliziert eine andere Wirtschaftspolitik.
Mir ging es darum die in Teilen absurde Diskussion zur Schuldenbremse als solche zu benennen. Für bestimmte Aufgaben / Ausgaben haben wir Geld ohne Ende. Frau Grimm hat in einem lesenswerten Beitrag Ende April in der Berliner Zeitung u.a. geschrieben : "Die Halteline und die zusätzliche Mütterrente kosten dreistellige Milliardenbeträge in den kommenden zehn Jahren – und das wird in einer Situation beschlossen, in der die Haushaltslage maximal angespannt ist und die Verteidigungsausgaben dringend steigen müssen."
Für bestimmte Ausgabenfelder gibt es diese Diskussion um eine Schuldenbremse nicht. Hier sollte erst einmal offen diskutiert werden, was für den Staat als "Saldenauffüller" wirklich wichtig ist und wofür wir dann die Schulden machen, mit welcher Wirkung. Das wäre auch eine Diskussion der "progressiven" Parteien, wobei ich befürchte, dass diese Parteien bestimmte Ausgabenfelder nicht (vom BSW in Teilen abgesehen) diskutieren werden. Jetzt über die Schuldenbremse jammern und gleichzeitig im alten Bundestag gigantische einseitige Sondervermögen mit beschließen? Nicht gerade schlüssig.
Bei ihrem Satz: "Und bevor Sie mir jetzt die Zinskosten und Schuldentragfähigkeit vorrechnen, sei gesagt, dass Zinsen kein Ergebnis eines Marktvorgangs sind, sondern zu jeder Zeit von einer staatlichen Institution, der Zentralbank gesetzt werden. Der Staat setzt also selbst die Zinsen für die „Schulden“ verstehe ich die Logik nicht. In der Theorie mag das so sein, dass die Zentralbank die Zinshöhe setzt bzw. setzen möchte.
Aber sie finden in Europa / auf der Welt genügend Beispiele, dass die Zinshöhe eben nicht autonom nur von der Zentralbank bestimmt wird. Natürlich legt sie ihn fest, aber auch eine Zentralbank / der Staat muss mitunter den Zins zahlen, den Anleihekäufer erwarten. Den Markt da raus zu definieren trifft die Realität nur bedingt.
Und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass auch ein Land wie die BRD mit einer insgesamt sehr soliden Verschuldung hier irgendwann stärker den Erwartungen des Marktes folgen muss, wenn die Tranchen nachhaltig deutlich höher werden.
Aber egal wie der Zins entsteht, er muss dennoch gezahlt werden.
Flassbeck und Höfgen sehen keinerlei Zahlungsprobleme für den deutschen Staat und positionieren sich konsequent für die Abschaffung der Schuldenbremse. Dieser Logik folgend wäre eine Reform der Schuldenbremse bestenfalls eine weniger schlechte Ausgestaltung eines an sich untauglichen Instruments.
Da gehe ich mit. Wobei aus meiner Sicht diese Schuldenbremse faktisch schon so ausgehöhlt wurde, dass das was übrig ist eher eine Schimäre ist. Was verteidigen die Konservativen da noch so verbissen?
Und wenn man für die Ausgaben, die man für prioritär erklärt, jedwede Begrenzung abschafft, sollte man sich doch gleich ehrlich machen und das ganze Instrument abschaffen oder zumindest grundlegend reformieren. Und einen ehrlichen Haushalt vorlegen. Die Republik wird sicher nicht untergehen wenn wir das abschaffen. Eher im Gegenteil.
Man gewinnt ab und an den Eindruck, dass es in erster Linie auch nicht um eine Begrenzung der Schulden geht, sondern die Schulden zu verhindern, die in einigen politisch-ökonomischen Kreisen nicht gewollt sind.
Und die "eigenen gewollten" Schulden dann über die Krücke Sondervermögen durch zu setzen, die aus Sicht dieser Politiker notwendig sind. Die Steigerung von Moral ist manchmal eben Doppelmoral.
Der Mythos "Haushaltsdisziplin" scheint so fest verankert im gemeinschaftlichen konservativen Werteempfinden, dass die Doppelmoral als solche nicht erkannt wird. Ergebnis eines degenerierten Forschungsprogramms (nach Lakatos), aus meiner Sicht spielte P. Samuelson eine zentrale Rolle.
Ich hielt es immer für eine gute Idee dem ideologisch fremden Publikum neue Argumente zugänglich zu machen, wie du es auch bei z.B. Bild Auftritten getan hast, oder beim Gespräch mit Höcke. Das Gegenteil passiert bei diesem Schritt X zu verlassen. Ich bin und will auf keine der anderen Plattformen und das geht offensichtlich vielen Nutzern so. Wieso gibt man das Feld einfach her? Und, wie du sagst, stellt man sich die Frage, weshalb man sich nicht für wichtigere Anliegen zusammen tut.
Das kann sein. So schlimm wie gerne getan wird ist es meine Meinung nach auch nicht. Währenddessen man jetzt schon die fünfte Twitter/x boykottaktion startet, die eigentlich den Effekt einer selbst erfüllenden Prophezeiung haben dürfte.
Klar sehe ich auch den immer gleichen bullshit der z.B. unter jedem Post von Maurice. Aber das ist doch gleichzeitig auch als Zeichen zu deuten, dass man Leute erreicht, die außerhalb der eigenen bubble sind. Bluesky dagegen ist einfach maximale Blasenbildung, während man gleichzieht darüber schimpft wie schlimm so eine Abschottung ist und keiner mehr für Fakten zugänglich wäre.
Zitat: „SPD, Grüne und Linke haben sich verabredet, abgestimmt und gemeinsam etwas durchgezogen. Wie das nur wäre, Rot-Rot-Grün statt fauler Kompromisse mit Friedrich Merz oder Christian Lindner. Die Vision einer linken Regierungsmehrheit, die progressive Reformen umsetzt, es gibt sie noch, sie lebt.“
Vielen Dank für die griffige Zusammenfassung. Diese "schwäbische Mentalität" (Schulden = schlecht) steckt hat in unser aller Köpfen drin, und die konservative Rechte macht sich dies zunutze. Aber wenn ich mir die Finanzhistorie meiner Eltern ansehe: ein gelernter Schreiner, Alleinverdiener, später Angestellter bei seiner Heimatstadt als Bademeister, dann Angestellter bei einer Versicherung bis zu seiner Erwerbsunfähigkeit durch Hörsturz im 60. Lebensjahr, hat es durch kluges Schuldenmachen zu einem Eigenheim (einem großen und schönen) geschafft. Alle haben gesagt: das schaffst Du nie. Aber mein Papa konnte rechnen, und er war clever und hatte Glück, dass er nie arbeitslos wurde. Das zeigt mir: das Schuldenmachen funktioniert zur Kapitalbeschaffung. Hätte er gewartet, bis er genug Eigenkapital beisammen hatte zum Hausbau oder -kauf, hätten wir nie ein Eigenheim bekommen.
Dann hätte ich noch ein *ganz* anderes Thema, was mich nicht mehr schlafen lässt. Ich habe DeepSeek mal gefragt, wieviel die unbezahlte Arbeitsleistung von Hausarbeit (meist Frauenarbeit in Deutschland) verglichen mit dem BIP wert ist. Nicht schlecht: 825 Milliarden Euro jährlich (verglichen mit 770 Milliarden Nettolöhne). Das heisst: wir zahlen für diese Leistung, die schwerer wiegt als alle Nettolöhne zusammen, *nichts* in die Steuer- und in die Rentenkasse ein! Grummel... merkt Ihr was? Wir werden irgendwie vorgeführt. Es wird Zeit, dass sich was ändert. Hier die DeepSeek-Zusammenfassung aus Zahlen der Bundeszentrale für politische Bildung, die ich erstmal als belastbar ansehe. Bitte greift dieses Thema auf. Redet keiner drüber, die Zahlen sind größer als alles, was wir so im Mainstream zum Thema Schulden/Rente zu hören/lesen bekommen:
Die unbezahlte Haus- und Sorgearbeit, die mehrheitlich von Frauen geleistet wird, stellt einen beträchtlichen wirtschaftlichen Wert dar, der in der offiziellen Berechnung des Bruttosozialprodukts (bzw. des Bruttoinlandsprodukts, BIP) nicht erfasst wird. Genaue Berechnungen variieren je nach Methodik, doch alle zeigen, dass es sich um eine Summe in dreistelliger Milliardenhöhe handelt.
### 📊 Größenordnung der unsichtbaren Wirtschaftsleistung
Die folgende Tabelle fasst die zentralen Ergebnisse verschiedener Untersuchungen zusammen.
| Kennzahl | Wert & Zeitraum | Quelle/Anmerkung |
| :--- | :--- | :--- |
| **Gesamtwert der unbezahlten Arbeit** | **39 % des BIP** (2013) | Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im Rahmen eines „Satellitensystems Haushaltsproduktion“. |
| **Monetärer Wert der Arbeit von Frauen** | **825 Milliarden Euro** (jüngere Schätzung) | Basiert auf **72 Mrd. geleisteten Stunden** pro Jahr von Frauen und Berechnungen der Ökonomin Christine Rudolf. |
| **Zum Vergleich: Nettolöhne aller Arbeitnehmer** | **780 Milliarden Euro** (2013) | Der Wert der gesamten unbezahlten Arbeit übersteigt die Summe aller in Deutschland gezahlten Nettolöhne und -gehälter. |
| **Internationale Einordnung (OECD)** | BIP-Steigerung um **30 % bis 50 %** | Schätzung der OECD, um wie viel das BIP eines durchschnittlichen Mitgliedslandes stiege, würde unbezahlte Arbeit einberechnet. |
### 🔍 Ein genauerer Blick auf die Zahlen
* **Die Berechnungsmethode macht den Unterschied**: Die Unterschiede in den Schätzungen ergeben sich aus der Bewertungsmethode. Das **Statistische Bundesamt** berechnete für 2013 eine Bruttowertschöpfung der Haushaltsproduktion von 987 Milliarden Euro, was 39 % des damaligen BIP entsprach. Die neuere Analyse der **Ökonominnen Christine Rudolf und Verena Löffler** für das DIW Berlin weist allein für die unbezahlte Arbeit von Frauen einen Wert von 825 Milliarden Euro aus, basierend auf 72 Milliarden Stunden jährlich.
* **Das Geschlechtergefälle ist zentral**: Unbezahlte Arbeit ist in Deutschland sehr ungleich verteilt. Frauen leisteten im Jahr 2022 mit durchschnittlich fast 30 Stunden pro Woche deutlich mehr unbezahlte Arbeit als Männer (knapp 21 Stunden). Das entspricht einem **Mehraufwand von etwa 9 Stunden pro Woche**, was in der Statistik als **Gender Care Gap von 44,3 %** ausgedrückt wird. Insgesamt werden etwa zwei Drittel aller unbezahlten Arbeitsstunden von Frauen erbracht.
* **Einordnung ins BIP**: Das Bruttosozialprodukt (BSP) und das hier verwendete BIP sind eng verwandte Messgrößen. Das BIP misst die Wirtschaftsleistung innerhalb eines Landes, während das BSP die Leistung aller Inländer erfasst – für eine grobe Einordnung sind die hier genannten Verhältnisse daher direkt übertragbar.
### 💎 Zusammenfassung
Die Arbeitsleistung, die Frauen durch unbezahlte Hausarbeit erbringen, ist enorm. Würde man sie mit einem fiktiven Lohn vergüten, entspräche dies Schätzungen zufolge einer Summe von **rund 825 Milliarden Euro pro Jahr**. Dies entspricht etwa einem Drittel bis zur Hälfte des gesamten deutschen Bruttoinlandsprodukts. Diese Zahlen verdeutlichen, dass diese Tätigkeiten das wirtschaftliche Fundament der Gesellschaft bilden.
Falls Sie tiefer in das Thema einsteigen möchten, fragen Sie einfach nach. Ich helfe gerne weiter.
So wahre Worte! Vielen Dank mal wieder für die klare Analyse. Es fehlt den Progressiven an einer kohärenten ökonomischen Gegenerzählung zum neoliberalen Mainstream. Dabei liegen die Themen auf der Hand. Es gab mal Zeiten, da war ökonomische Kompetenz ein Merkmal der Progressiven. It's the economy....
Jaaaaaa 💯
Ein Finanzminister ohne nachgewiesene volkswirtschaftliche Grundkenntnisse (mind. 4 Sem. VWL als Nebenfach o.ä.) - hatten wir jetzt schon seit 1990 oder so - sollte dieses Amt gar nicht erst ausüben dürfen! Und als Kanzler mindestens eine Legislaturperiode als MP, RB, Außenminister oder Diplomat nachweisen.
Beim aktuellen Zustand der Mainstream-VWL hilft wohl leider nicht mal ein Doktortitel einem Finanzminister...
Aber ein Kanzler, der nicht nur in Aufsichtsräten saß, wäre sicher schön.
Maurice schreibt: «Die Vision einer linken Regierungsmehrheit, die progressive Reformen umsetzt, es gibt sie noch, sie lebt.»
Die SPD und die Grünen sind 2026 definitiv keine linken Parteien mehr. Oder seit wann ist eine wahnsinnige Aufrüstung "links"?
Maurice schreibt weiter: «Denn ohne Deutungshoheit in der Geldfrage bleibt jede progressive Politik Stückwerk.»
Wohl wahr. Leider ist weit und breit niemand zu sehen, der die Erkenntnisse der Ökonomen Stützel, Flassbeck, Höfgen, Paetz, Ehnts & Co in der politischen Arena aufnimmt und propagiert. Hier der Artikel von Heiner Fllassbeck "Mit halbherziger Wirtschaftsanalyse können Linke nur scheitern", der im "Surplus-Magazin" erschien und die Crux gut beschreibt. https://www.surplusmagazin.de/wirtschaftsanalyse-linke-scheitern-angebotsschock-nachfrageschock/
Zum gemeinsamen Rückzug der drei Parteien von X: Der Rückzug kostet nichts. Ist reine Symbolpolitik. In meinen Augen sogar schlechte. Für mich sieht das aus, wie eine Flucht aus der Wirklichkeit. Und erinnert mich an den Artikel von Julian Kairos "Die gekaufte Linke – wie eine Bewegung lernte, ungefährlich zu sein" https://overton-magazin.de/hintergrund/politik/die-gekaufte-linke-wie-eine-bewegung-lernte-ungefaehrlich-zu-sein/
"Die wahnsinnige Aufrüstung" hat einen Grund.
Stimmt. Die Paranoia von von der Leyen, Kallas, Pistorius & Co.
Es dürften vor allem die EBIT-Margen in der Rüstungsindustrie sein, welche das Begehren geweckt haben. Ohne diese Profit-Trächtigkeit würde der Friedenswillen bald Einzug halten.
Grundsätzlich stimme ich dir zu. Die fiskalpolitische Debatte in Deutschland ist geprägt von (makro-)ökonomischen Analphabetismus und Dilettantismus. Die Schuldenbremse und die schwarzen Nullen von der CDU und SPD (!!!) sind das beste Beispiel dafür. 16 Jahre das Land kaputt gespart.
Es ist jedoch nicht richtig, dass der deutsche Staat einfach durch schuldenfinanzierten Konsum die wirtschaftliche Stagnation überwinden kann. Zumal diese Schulden und die damit einhergehenden Zinsen wieder überwiegend nur in die Hände der Ultrareichen fließen. Die Ungleichheit wird damit erhöht, weil der Staat weniger öffentliche Güter finanziert bzw. die ärmeren Schichten unterstützen kann und mehr seines Budgets zukünftig für Zinszahlungen aufwenden muss. Das ist die falsche Art Umverteilung. Solange die EZB die Geldpolitik kontrolliert und weitgehend unabhängig ist, wird eine auf Konsumbelebung ausgerichtete Fiskalpolitik keine Auswirkungen haben.
Was der deutsche Staat aber meines Erachtens finanzieren muss sind Investitionen, die sich selber tragen, d.h. zukünftig automatisch zu mehr Steuereinnahmen führen, die dann in den Schuldendienst fließen. Dazu gehört massiv in Bildung (Kita, Schule, Hortbetreuung, Studium, BaFöG) zu investieren, das ist für mich ein no-brainer. Ferner Infrastruktur und damit meine ich nicht nur Autobahnen, sondern Kommunikationsnetze, Stromnetze, Ladeinfrastruktur, Energiespeicher etc. Die Unabhängigkeit von fossilen Energien kann, wie man gerade wieder sieht, nicht schnell genug kommen. Da muss noch mehr getan werden. Auch ins Gesundheitssystem muss massiv investiert werden mit dem Ziel vermeidbare Erkrankungen zu verhindern und unvermeidbare Erkrankungen schneller und besser zu behandeln. Da fällt einem sicher noch mehr ein, aber alleine mit dieser Aufzählung wären unsere Politiker und Beamte schon ausreichend ausgelastet, wenn es an die Umsetzung ginge.
Dieses Wunschdenken wird sich ohne größere Einsicht nicht umsetzen lassen.
Aber bei hinreichender Einsicht, welche eine fundiertere Saldenmechanik liefert, gibt es im Kontext mit Erkenntnissen aus Wettbewerb und Preisgestaltung ganz andere Möglichkeiten, ohne Schuldenaufnahme hinreichend Geldmittel zur Wohlstandsgewinnung zur Verfügung zu stellen.
Strukturelle Unterkonsumption aufgrund fehlender Zahlungsmittel bei bestimmten Bevölkerungsgruppen erhöhen nur die Produktionskosten je Einheit und führen damit zu strukturell höheren Preisen aufgrund mangelnder Auslastung der Ressourcen aufgrund höherer Stückkosten.
Mit den gängigen Instrumenten (ohne Umsteuerung bei den Steuern und Abgaben) gibt es keine Lösungen mehr, mit welchen die gesellschaftlichen Ressourcen den gesellschaftlichen Bedarf decken können. Und das nennt man volkswirtschaftlich Fehlallokation, obwohl die meisten Volkswirte das nicht verstehen, weil sie es gelernt haben, dies mit anderen Attributen in Verbindung zu setzen.
Danke für diesen guten Beitrag. Zur Vertiefung der Thematik empfehle ich folgende Link: https://makroskop.eu/152026/wie-man-einen-krieg-finanziert-und-warum-geld-nicht-das-problem-ist/
So sehr ich die gemeinsame Abkehr von X begrüße, so sehr befürchte ich, dass die drei Parteien sich eines weiteren wichtigen Social Media Reichweiten-Instruments berauben. Die Stärke der rechtspopulistischen "Seite" ist das dreiste, offensive Auftreten in den sozialen Medien.
Zumindest was die "Lautstärke" angeht, sollten sich die sozialgrünlinken ;-) ein Beispiel nehmen und Mut zu ein wenig mehr Populismus in die richtige Richtung haben.
Das holt Menschen mit Wunsch nach einfachen Antworten eher ab als sachliches Zerlegen durch Fakten und Faktenchecks.
Dieser Mechanismus ist es ja bekanntermaßen, der die Rechten auch in den USA so stark gemacht hat -> REICHWEITE.
Danke Maurice für Deine erfrischende Analyse. Deine Kernaussagen sind eigentlich immer die gleichen (das ist keine Kritik!). Wenn Du daraus 10 Gebote der Wirtschaft ableiten müsstest - wie würden die lauten? Ich mache mal einen augenzwinkernden Vorschlag:
1. Der Staat ist nicht wie ein Privathaushalt
2. Nicht Geld ist knapp – sondern reale Ressourcen
3. Die Schuldenbremse schadet Investitionen
4. Der Staat muss aktiv investieren
5. Sparpolitik verschärft Krisen
6. Inflation hat meist reale Ursachen – nicht nur „zu viel Geld“
7. Vermögen und Macht sind zu ungleich verteilt
8. Arbeit ist wichtiger als Finanzmärkte
9. Öffentliche Daseinsvorsorge ist kein Marktfehler, sondern Kernaufgabe
10.Wirtschaftspolitik muss gesellschaftlichen Nutzen maximieren – nicht nur BIP
Was macht man aber, wenn die CDU zum Beispiel Schulden dafür nutzt um die Unternehmenssteuer zu senken. Kritisiert man dann, dass dies noch nicht mal mit deren Konzept Sinn macht, sagt man einfach das wäre woanders besser angelegt oder macht man beides?
Tja, da wird die (begrüßenswerte) Abkehr von dem braunen Desinformationskanal beschlossen - und was passiert? Einige, auch aus der obersten Parteihierachie, machen schon wieder einen Rückzieher und wollen X nicht verlassen. Es mag dafür Gründe geben, aber gemeinsamer Beschluss ist nunmal ein gemeinsamer Beschluss, an den sich auch ALLE zu halten haben.
Es gibt genügend Alternativen zu Musks Pöbelkanal, auch aus Europa und dazu noch sicherer.
Und dies kann der Anfang einer guten Zusammenarbeit von drei demokratischen Parteien induLa werden, es muss ein Gegengewicht zur Union und den Rechtsexkrementen geben, um eine rückwärtsgewandte Politik zu verhindern.
Zukunftsorientierte Politik geht nur mit GRR um die Zukunft der Jugend zu sichern.
Ich verstehe, dass man als Privatperson den Morast verlässt. Allerdings sind Parteien nun mal eben keine Privatleute, sie haben einen öffentlichen Auftrag (u.a. "politische Willensbildung"). Daher ist die Abkehr von X nicht nur politisch völlig falsch, sondern meines Erachtens auch pflicht- ja sogar vielleicht verfassungswidrig!
Dieser Beschluss reiht sich ein in eine lange Liste der Fehlentscheidungen und warum "linke" Parteien es nicht schaffen die AfD klein zu bekommen. Statt X zu verlassen, sollten die Parteien lieber massiv in die sozialen Medien drängen und die braune Kloake mit einem Tsunami wegspülen ("flooding the zone"). Für jeden TikTok-Clip eines rechtsextremen Influencers müsste es mindestens drei aus dem demokratischen Spektrum geben. Den Algorithmen ist die Ideologie egal, es siegt wer den meisten Content produziert. Und damit meine ich nicht irgendwelche lächerlichen Tanzvideos im Bundestag. Die Rechtsextremen haben das verstanden und über die Jahre ihre Ökosysteme und Pipelines in den sozialen Medien aufgebaut. Jetzt fahren sie die Ernte ein.
Franziska Brantner hat nicht zum ersten Mal konservative Märchen zu Fiskalpolitik verbreitet. Schon als das Sondervermögen beschlossen wurde, sprach sie von einer Belastung für ihre Kinder.
Und jetzt hat sie auch noch einen eigenen Artikel im Heft zu „Wirtschaftsdemokratie“ von Surplus bekommen 😕
Lieber Herr Höfgen, ich lese Ihre Beiträge immer sehr gerne. Zumal immer ein leichter grüner Hauch mich dabei umweht.
Aber diese ganze Diskussion über die Schuldenbremse ist doch faktisch völlig absurd. Man nehme die tatsächliche Neuverschuldung 26 / 27 mit allen Anteilen an irgendwelchen Sondervermögen, schaue sich das an und dann fragt man sich was diese ganze bigotte Diskussion eigentlich soll.
Warum macht man sich nicht ehrlich? Am Ende zählt die gesamte Verschuldung / Neukreditaufnahme. Für die Verschuldung / die Zinslasten und mögliche Tilgungen ist der Zweck dieser Schulden unerheblich. Es sei denn es würde hohe Multiplikatoren geben. Sehen Sie die? Ich nicht.
Jeder BWler würde sich darüber kaputtlachen. Man stelle sich eine solche Bilanz vor mit einer Unterbilanz, die man verschämt keiner Bank, keinem Aktionär zeigen will.
Das Grundproblem ist, dass wir eine bestimmte Art von Schuldenaufnahme einfach als notwendig setzen und uns dann in vielen Artikeln über die faktisch schon lange gekippte Schuldenbremse für andere Zwecks zerfleddern.
Am Ende steht Sozialabbau und eine hochgehaltene Schuldenbremse selbst für volkswirtschaftlich sinnvolle oder nötige Ausgaben wird eisern verteidigt.
Eine Partei, ob grün, rot, schwarz oder rosa sollte erst mal eine ehrliche, offene Diskussion über die Schulden machen, die wir heute so ganz im stillen über alle "Progressive" als gesetzt, selbstverständlich hinnehmen. Dann kann man auch rational über die Schuldenbremse reden.
Gerne rede ich mit Ihnen über Schulden, allerdings mute ich Ihnen zu, dass Sie die Perspektive des BWLers, des Unternehmers und der schwäbischen Hausfrau verlassen müssen. Denn während die Unternehmen darauf angelegt sind, einen positiven Ertrag zu erzielen, also die Einnahmen die Ausgaben übersteigen, kann es - wenn man die Welt als eine Volkswirtschaft betrachtet - dort niemals einen Überschuss geben, weil die Einnahmen des einen zu jeder Zeit die Ausgaben des anderen sind. Oder anders ausgedrückt: Schulden + Ersparnisse = 0. Heruntergebrochen auf die deutsche Volkswirtschaft bedeutet dies, dass Sie einen relativ stabilen Beitrag von 7-8 % des BIP (aktuell + 300 Mrd € ) pro Jahr der privaten Haushalte und Unternehmen an Ersparnissen haben. Es bleibt eigentlich nur die Frage, wer von den weiteren Akteuren (Staat oder Ausland) in diesem Jahr die - 300 Mrd € Schulden macht, damit unsere Gleichung aufgeht. Bei einem Ausland, in dem sich große Akteure wie China und die USA aber gegen eine Verschuldung bei anderen Staaten wie Deutschland wehren, bleibt nur noch ein einziger Akteur, der mit „Schulden“ verhindern kann, dass Geld durch Einnahmeüberschüsse dem Wirtschaftskreislauf entzogen wird, dadurch die Volkswirtschaft sich rückläufig (rezessiv) entwickelt und das ist der Staat. Das ist die von Maurice angesprochene Logik, die in der gesamten politischen Diskussion bisher mangels Verständnis der Zusammenhänge in der gesamten Wirtschaft nicht begriffen wird.
Und bevor Sie mir jetzt die Zinskosten und Schuldentragfähigkeit vorrechnen, sei gesagt, dass Zinsen kein Ergebnis eines Marktvorgangs sind, sondern zu jeder Zeit von einer staatlichen Institution, der Zentralbank gesetzt werden. Der Staat setzt also selbst die Zinsen für die „Schulden“ die er macht.
Eine lesenswerte Replik. Hat aber nichts mit der vom mir aufgeworfenen Thematik zu tun. Zum einen dürfen Sie mir glauben, dass ich als Wirtschaftswissenschaftler die betriebliche und gesamtwirtschaftliche Ebene zu trennen weiss. Zun anderen lese auch ich immer wieder gerne die Ausführungen z.B. von Herrn Flassbeck. Von mir würden sie daher so einen Verweis auf "die schwäbische Hausfrau" nie hören. Weiss nicht wie Sie darauf kommen.
Der Rückgriff auf die Bilanz hatte nur den Zweck, ein wenig auf die Absurdität der Diskussion hin zu weisen. Natürlich hätte ich auch ein anderes Beispiel nehmen können, aber wäre das so plastisch? Es geht mir um diesen Trick mit dem Sondervermögen und dass dadurch defacto eine Schuldenbremse schon lange ad absurdum geführt wurde.
Ich kann auch den für mich völlig richtigen Gedanken von Herrn Höfgen teilen, dass dem Staat aktuell die Aufgabe zufällt die "VGR ins Lot" zu bringen. Und dass die Schuldenbremse so wie sie jetzt ist diesem Land nicht gut tut. Ob es allerdings daran liegt, dass "die von Maurice angesprochene Logik, die in der gesamten politischen Diskussion bisher mangels Verständnis der Zusammenhänge in der gesamten Wirtschaft nicht begriffen wird" da habe ich meine Zweifel. Begreifen ist eine Sache, dem Gedanken zu folgen eine andere. Das impliziert eine andere Wirtschaftspolitik.
Mir ging es darum die in Teilen absurde Diskussion zur Schuldenbremse als solche zu benennen. Für bestimmte Aufgaben / Ausgaben haben wir Geld ohne Ende. Frau Grimm hat in einem lesenswerten Beitrag Ende April in der Berliner Zeitung u.a. geschrieben : "Die Halteline und die zusätzliche Mütterrente kosten dreistellige Milliardenbeträge in den kommenden zehn Jahren – und das wird in einer Situation beschlossen, in der die Haushaltslage maximal angespannt ist und die Verteidigungsausgaben dringend steigen müssen."
Für bestimmte Ausgabenfelder gibt es diese Diskussion um eine Schuldenbremse nicht. Hier sollte erst einmal offen diskutiert werden, was für den Staat als "Saldenauffüller" wirklich wichtig ist und wofür wir dann die Schulden machen, mit welcher Wirkung. Das wäre auch eine Diskussion der "progressiven" Parteien, wobei ich befürchte, dass diese Parteien bestimmte Ausgabenfelder nicht (vom BSW in Teilen abgesehen) diskutieren werden. Jetzt über die Schuldenbremse jammern und gleichzeitig im alten Bundestag gigantische einseitige Sondervermögen mit beschließen? Nicht gerade schlüssig.
Bei ihrem Satz: "Und bevor Sie mir jetzt die Zinskosten und Schuldentragfähigkeit vorrechnen, sei gesagt, dass Zinsen kein Ergebnis eines Marktvorgangs sind, sondern zu jeder Zeit von einer staatlichen Institution, der Zentralbank gesetzt werden. Der Staat setzt also selbst die Zinsen für die „Schulden“ verstehe ich die Logik nicht. In der Theorie mag das so sein, dass die Zentralbank die Zinshöhe setzt bzw. setzen möchte.
Aber sie finden in Europa / auf der Welt genügend Beispiele, dass die Zinshöhe eben nicht autonom nur von der Zentralbank bestimmt wird. Natürlich legt sie ihn fest, aber auch eine Zentralbank / der Staat muss mitunter den Zins zahlen, den Anleihekäufer erwarten. Den Markt da raus zu definieren trifft die Realität nur bedingt.
Und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass auch ein Land wie die BRD mit einer insgesamt sehr soliden Verschuldung hier irgendwann stärker den Erwartungen des Marktes folgen muss, wenn die Tranchen nachhaltig deutlich höher werden.
Aber egal wie der Zins entsteht, er muss dennoch gezahlt werden.
Flassbeck und Höfgen sehen keinerlei Zahlungsprobleme für den deutschen Staat und positionieren sich konsequent für die Abschaffung der Schuldenbremse. Dieser Logik folgend wäre eine Reform der Schuldenbremse bestenfalls eine weniger schlechte Ausgestaltung eines an sich untauglichen Instruments.
Da gehe ich mit. Wobei aus meiner Sicht diese Schuldenbremse faktisch schon so ausgehöhlt wurde, dass das was übrig ist eher eine Schimäre ist. Was verteidigen die Konservativen da noch so verbissen?
Und wenn man für die Ausgaben, die man für prioritär erklärt, jedwede Begrenzung abschafft, sollte man sich doch gleich ehrlich machen und das ganze Instrument abschaffen oder zumindest grundlegend reformieren. Und einen ehrlichen Haushalt vorlegen. Die Republik wird sicher nicht untergehen wenn wir das abschaffen. Eher im Gegenteil.
Man gewinnt ab und an den Eindruck, dass es in erster Linie auch nicht um eine Begrenzung der Schulden geht, sondern die Schulden zu verhindern, die in einigen politisch-ökonomischen Kreisen nicht gewollt sind.
Und die "eigenen gewollten" Schulden dann über die Krücke Sondervermögen durch zu setzen, die aus Sicht dieser Politiker notwendig sind. Die Steigerung von Moral ist manchmal eben Doppelmoral.
Der Mythos "Haushaltsdisziplin" scheint so fest verankert im gemeinschaftlichen konservativen Werteempfinden, dass die Doppelmoral als solche nicht erkannt wird. Ergebnis eines degenerierten Forschungsprogramms (nach Lakatos), aus meiner Sicht spielte P. Samuelson eine zentrale Rolle.
Ich hielt es immer für eine gute Idee dem ideologisch fremden Publikum neue Argumente zugänglich zu machen, wie du es auch bei z.B. Bild Auftritten getan hast, oder beim Gespräch mit Höcke. Das Gegenteil passiert bei diesem Schritt X zu verlassen. Ich bin und will auf keine der anderen Plattformen und das geht offensichtlich vielen Nutzern so. Wieso gibt man das Feld einfach her? Und, wie du sagst, stellt man sich die Frage, weshalb man sich nicht für wichtigere Anliegen zusammen tut.
Die Spielregeln auf dem X-Feld werden vom Eigentümer bestimmt und die sind (per Algorithmen!) maximal unfair für progressive/linke/soziale Akteure.
Das kann sein. So schlimm wie gerne getan wird ist es meine Meinung nach auch nicht. Währenddessen man jetzt schon die fünfte Twitter/x boykottaktion startet, die eigentlich den Effekt einer selbst erfüllenden Prophezeiung haben dürfte.
Klar sehe ich auch den immer gleichen bullshit der z.B. unter jedem Post von Maurice. Aber das ist doch gleichzeitig auch als Zeichen zu deuten, dass man Leute erreicht, die außerhalb der eigenen bubble sind. Bluesky dagegen ist einfach maximale Blasenbildung, während man gleichzieht darüber schimpft wie schlimm so eine Abschottung ist und keiner mehr für Fakten zugänglich wäre.
Zitat: „SPD, Grüne und Linke haben sich verabredet, abgestimmt und gemeinsam etwas durchgezogen. Wie das nur wäre, Rot-Rot-Grün statt fauler Kompromisse mit Friedrich Merz oder Christian Lindner. Die Vision einer linken Regierungsmehrheit, die progressive Reformen umsetzt, es gibt sie noch, sie lebt.“
Darf ich fragen, was mit Ihnen nicht stimmt?
Wollen Sie in einer Diktatur leben!
Vielen Dank für die griffige Zusammenfassung. Diese "schwäbische Mentalität" (Schulden = schlecht) steckt hat in unser aller Köpfen drin, und die konservative Rechte macht sich dies zunutze. Aber wenn ich mir die Finanzhistorie meiner Eltern ansehe: ein gelernter Schreiner, Alleinverdiener, später Angestellter bei seiner Heimatstadt als Bademeister, dann Angestellter bei einer Versicherung bis zu seiner Erwerbsunfähigkeit durch Hörsturz im 60. Lebensjahr, hat es durch kluges Schuldenmachen zu einem Eigenheim (einem großen und schönen) geschafft. Alle haben gesagt: das schaffst Du nie. Aber mein Papa konnte rechnen, und er war clever und hatte Glück, dass er nie arbeitslos wurde. Das zeigt mir: das Schuldenmachen funktioniert zur Kapitalbeschaffung. Hätte er gewartet, bis er genug Eigenkapital beisammen hatte zum Hausbau oder -kauf, hätten wir nie ein Eigenheim bekommen.
Dann hätte ich noch ein *ganz* anderes Thema, was mich nicht mehr schlafen lässt. Ich habe DeepSeek mal gefragt, wieviel die unbezahlte Arbeitsleistung von Hausarbeit (meist Frauenarbeit in Deutschland) verglichen mit dem BIP wert ist. Nicht schlecht: 825 Milliarden Euro jährlich (verglichen mit 770 Milliarden Nettolöhne). Das heisst: wir zahlen für diese Leistung, die schwerer wiegt als alle Nettolöhne zusammen, *nichts* in die Steuer- und in die Rentenkasse ein! Grummel... merkt Ihr was? Wir werden irgendwie vorgeführt. Es wird Zeit, dass sich was ändert. Hier die DeepSeek-Zusammenfassung aus Zahlen der Bundeszentrale für politische Bildung, die ich erstmal als belastbar ansehe. Bitte greift dieses Thema auf. Redet keiner drüber, die Zahlen sind größer als alles, was wir so im Mainstream zum Thema Schulden/Rente zu hören/lesen bekommen:
Die unbezahlte Haus- und Sorgearbeit, die mehrheitlich von Frauen geleistet wird, stellt einen beträchtlichen wirtschaftlichen Wert dar, der in der offiziellen Berechnung des Bruttosozialprodukts (bzw. des Bruttoinlandsprodukts, BIP) nicht erfasst wird. Genaue Berechnungen variieren je nach Methodik, doch alle zeigen, dass es sich um eine Summe in dreistelliger Milliardenhöhe handelt.
### 📊 Größenordnung der unsichtbaren Wirtschaftsleistung
Die folgende Tabelle fasst die zentralen Ergebnisse verschiedener Untersuchungen zusammen.
| Kennzahl | Wert & Zeitraum | Quelle/Anmerkung |
| :--- | :--- | :--- |
| **Gesamtwert der unbezahlten Arbeit** | **39 % des BIP** (2013) | Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im Rahmen eines „Satellitensystems Haushaltsproduktion“. |
| **Monetärer Wert der Arbeit von Frauen** | **825 Milliarden Euro** (jüngere Schätzung) | Basiert auf **72 Mrd. geleisteten Stunden** pro Jahr von Frauen und Berechnungen der Ökonomin Christine Rudolf. |
| **Zum Vergleich: Nettolöhne aller Arbeitnehmer** | **780 Milliarden Euro** (2013) | Der Wert der gesamten unbezahlten Arbeit übersteigt die Summe aller in Deutschland gezahlten Nettolöhne und -gehälter. |
| **Internationale Einordnung (OECD)** | BIP-Steigerung um **30 % bis 50 %** | Schätzung der OECD, um wie viel das BIP eines durchschnittlichen Mitgliedslandes stiege, würde unbezahlte Arbeit einberechnet. |
### 🔍 Ein genauerer Blick auf die Zahlen
* **Die Berechnungsmethode macht den Unterschied**: Die Unterschiede in den Schätzungen ergeben sich aus der Bewertungsmethode. Das **Statistische Bundesamt** berechnete für 2013 eine Bruttowertschöpfung der Haushaltsproduktion von 987 Milliarden Euro, was 39 % des damaligen BIP entsprach. Die neuere Analyse der **Ökonominnen Christine Rudolf und Verena Löffler** für das DIW Berlin weist allein für die unbezahlte Arbeit von Frauen einen Wert von 825 Milliarden Euro aus, basierend auf 72 Milliarden Stunden jährlich.
* **Das Geschlechtergefälle ist zentral**: Unbezahlte Arbeit ist in Deutschland sehr ungleich verteilt. Frauen leisteten im Jahr 2022 mit durchschnittlich fast 30 Stunden pro Woche deutlich mehr unbezahlte Arbeit als Männer (knapp 21 Stunden). Das entspricht einem **Mehraufwand von etwa 9 Stunden pro Woche**, was in der Statistik als **Gender Care Gap von 44,3 %** ausgedrückt wird. Insgesamt werden etwa zwei Drittel aller unbezahlten Arbeitsstunden von Frauen erbracht.
* **Einordnung ins BIP**: Das Bruttosozialprodukt (BSP) und das hier verwendete BIP sind eng verwandte Messgrößen. Das BIP misst die Wirtschaftsleistung innerhalb eines Landes, während das BSP die Leistung aller Inländer erfasst – für eine grobe Einordnung sind die hier genannten Verhältnisse daher direkt übertragbar.
### 💎 Zusammenfassung
Die Arbeitsleistung, die Frauen durch unbezahlte Hausarbeit erbringen, ist enorm. Würde man sie mit einem fiktiven Lohn vergüten, entspräche dies Schätzungen zufolge einer Summe von **rund 825 Milliarden Euro pro Jahr**. Dies entspricht etwa einem Drittel bis zur Hälfte des gesamten deutschen Bruttoinlandsprodukts. Diese Zahlen verdeutlichen, dass diese Tätigkeiten das wirtschaftliche Fundament der Gesellschaft bilden.
Falls Sie tiefer in das Thema einsteigen möchten, fragen Sie einfach nach. Ich helfe gerne weiter.
Warum soll man in diesen Wert-Fetischismus verfallen und nicht ganz einfach die gesellschaftlichen Bedarfe als Ausgangspunkt nehmen?
Dann kann jeder vernünftig leben und braucht nicht potentiell mit einer Zwangsjacke seine Arbeit verrichten.