9 Kommentare
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Avatar von Kay Pöhler

So wahre Worte! Vielen Dank mal wieder für die klare Analyse. Es fehlt den Progressiven an einer kohärenten ökonomischen Gegenerzählung zum neoliberalen Mainstream. Dabei liegen die Themen auf der Hand. Es gab mal Zeiten, da war ökonomische Kompetenz ein Merkmal der Progressiven. It's the economy....

Avatar von Maurice Höfgen

Jaaaaaa 💯

Avatar von Bodo Langguth

Ein Finanzminister ohne nachgewiesene volkswirtschaftliche Grundkenntnisse (mind. 4 Sem. VWL als Nebenfach o.ä.) - hatten wir jetzt schon seit 1990 oder so - sollte dieses Amt gar nicht erst ausüben dürfen! Und als Kanzler mindestens eine Legislaturperiode als MP, RB, Außenminister oder Diplomat nachweisen.

Avatar von Hajo Zeller

Maurice schreibt: «Die Vision einer linken Regierungsmehrheit, die progressive Reformen umsetzt, es gibt sie noch, sie lebt.»

Die SPD und die Grünen sind 2026 definitiv keine linken Parteien mehr. Oder seit wann ist eine wahnsinnige Aufrüstung "links"?

Maurice schreibt weiter: «Denn ohne Deutungshoheit in der Geldfrage bleibt jede progressive Politik Stückwerk.»

Wohl wahr. Leider ist weit und breit niemand zu sehen, der die Erkenntnisse der Ökonomen Stützel, Flassbeck, Höfgen, Paetz, Ehnts & Co in der politischen Arena aufnimmt und propagiert. Hier der Artikel von Heiner Fllassbeck "Mit halbherziger Wirtschaftsanalyse können Linke nur scheitern", der im "Surplus-Magazin" erschien und die Crux gut beschreibt. https://www.surplusmagazin.de/wirtschaftsanalyse-linke-scheitern-angebotsschock-nachfrageschock/

Zum gemeinsamen Rückzug der drei Parteien von X: Der Rückzug kostet nichts. Ist reine Symbolpolitik. In meinen Augen sogar schlechte. Für mich sieht das aus, wie eine Flucht aus der Wirklichkeit. Und erinnert mich an den Artikel von Julian Kairos "Die gekaufte Linke – wie eine Bewegung lernte, ungefährlich zu sein" https://overton-magazin.de/hintergrund/politik/die-gekaufte-linke-wie-eine-bewegung-lernte-ungefaehrlich-zu-sein/

Avatar von Peter Glaser

Danke für diesen guten Beitrag. Zur Vertiefung der Thematik empfehle ich folgende Link: https://makroskop.eu/152026/wie-man-einen-krieg-finanziert-und-warum-geld-nicht-das-problem-ist/

Avatar von Volker Nocke

Lieber Herr Höfgen, ich lese Ihre Beiträge immer sehr gerne. Zumal immer ein leichter grüner Hauch mich dabei umweht.

Aber diese ganze Diskussion über die Schuldenbremse ist doch faktisch völlig absurd. Man nehme die tatsächliche Neuverschuldung 26 / 27 mit allen Anteilen an irgendwelchen Sondervermögen, schaue sich das an und dann fragt man sich was diese ganze bigotte Diskussion eigentlich soll.

Warum macht man sich nicht ehrlich? Am Ende zählt die gesamte Verschuldung / Neukreditaufnahme. Für die Verschuldung / die Zinslasten und mögliche Tilgungen ist der Zweck dieser Schulden unerheblich. Es sei denn es würde hohe Multiplikatoren geben. Sehen Sie die? Ich nicht.

Jeder BWler würde sich darüber kaputtlachen. Man stelle sich eine solche Bilanz vor mit einer Unterbilanz, die man verschämt keiner Bank, keinem Aktionär zeigen will.

Das Grundproblem ist, dass wir eine bestimmte Art von Schuldenaufnahme einfach als notwendig setzen und uns dann in vielen Artikeln über die faktisch schon lange gekippte Schuldenbremse für andere Zwecks zerfleddern.

Am Ende steht Sozialabbau und eine hochgehaltene Schuldenbremse selbst für volkswirtschaftlich sinnvolle oder nötige Ausgaben wird eisern verteidigt.

Eine Partei, ob grün, rot, schwarz oder rosa sollte erst mal eine ehrliche, offene Diskussion über die Schulden machen, die wir heute so ganz im stillen über alle "Progressive" als gesetzt, selbstverständlich hinnehmen. Dann kann man auch rational über die Schuldenbremse reden.

Avatar von Nils

Ich hielt es immer für eine gute Idee dem ideologisch fremden Publikum neue Argumente zugänglich zu machen, wie du es auch bei z.B. Bild Auftritten getan hast, oder beim Gespräch mit Höcke. Das Gegenteil passiert bei diesem Schritt X zu verlassen. Ich bin und will auf keine der anderen Plattformen und das geht offensichtlich vielen Nutzern so. Wieso gibt man das Feld einfach her? Und, wie du sagst, stellt man sich die Frage, weshalb man sich nicht für wichtigere Anliegen zusammen tut.

Avatar von Marielus

Zitat: „SPD, Grüne und Linke haben sich verabredet, abgestimmt und gemeinsam etwas durchgezogen. Wie das nur wäre, Rot-Rot-Grün statt fauler Kompromisse mit Friedrich Merz oder Christian Lindner. Die Vision einer linken Regierungsmehrheit, die progressive Reformen umsetzt, es gibt sie noch, sie lebt.“

Darf ich fragen, was mit Ihnen nicht stimmt?

Wollen Sie in einer Diktatur leben!

Avatar von Martin Haltmayer (Google 1)

Vielen Dank für die griffige Zusammenfassung. Diese "schwäbische Mentalität" (Schulden = schlecht) steckt hat in unser aller Köpfen drin, und die konservative Rechte macht sich dies zunutze. Aber wenn ich mir die Finanzhistorie meiner Eltern ansehe: ein gelernter Schreiner, Alleinverdiener, später Angestellter bei seiner Heimatstadt als Bademeister, dann Angestellter bei einer Versicherung bis zu seiner Erwerbsunfähigkeit durch Hörsturz im 60. Lebensjahr, hat es durch kluges Schuldenmachen zu einem Eigenheim (einem großen und schönen) geschafft. Alle haben gesagt: das schaffst Du nie. Aber mein Papa konnte rechnen, und er war clever und hatte Glück, dass er nie arbeitslos wurde. Das zeigt mir: das Schuldenmachen funktioniert zur Kapitalbeschaffung. Hätte er gewartet, bis er genug Eigenkapital beisammen hatte zum Hausbau oder -kauf, hätten wir nie ein Eigenheim bekommen.

Dann hätte ich noch ein *ganz* anderes Thema, was mich nicht mehr schlafen lässt. Ich habe DeepSeek mal gefragt, wieviel die unbezahlte Arbeitsleistung von Hausarbeit (meist Frauenarbeit in Deutschland) verglichen mit dem BIP wert ist. Nicht schlecht: 825 Milliarden Euro jährlich (verglichen mit 770 Milliarden Nettolöhne). Das heisst: wir zahlen für diese Leistung, die schwerer wiegt als alle Nettolöhne zusammen, *nichts* in die Steuer- und in die Rentenkasse ein! Grummel... merkt Ihr was? Wir werden irgendwie vorgeführt. Es wird Zeit, dass sich was ändert. Hier die DeepSeek-Zusammenfassung aus Zahlen der Bundeszentrale für politische Bildung, die ich erstmal als belastbar ansehe. Bitte greift dieses Thema auf. Redet keiner drüber, die Zahlen sind größer als alles, was wir so im Mainstream zum Thema Schulden/Rente zu hören/lesen bekommen:

Die unbezahlte Haus- und Sorgearbeit, die mehrheitlich von Frauen geleistet wird, stellt einen beträchtlichen wirtschaftlichen Wert dar, der in der offiziellen Berechnung des Bruttosozialprodukts (bzw. des Bruttoinlandsprodukts, BIP) nicht erfasst wird. Genaue Berechnungen variieren je nach Methodik, doch alle zeigen, dass es sich um eine Summe in dreistelliger Milliardenhöhe handelt.

### 📊 Größenordnung der unsichtbaren Wirtschaftsleistung

Die folgende Tabelle fasst die zentralen Ergebnisse verschiedener Untersuchungen zusammen.

| Kennzahl | Wert & Zeitraum | Quelle/Anmerkung |

| :--- | :--- | :--- |

| **Gesamtwert der unbezahlten Arbeit** | **39 % des BIP** (2013) | Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im Rahmen eines „Satellitensystems Haushaltsproduktion“. |

| **Monetärer Wert der Arbeit von Frauen** | **825 Milliarden Euro** (jüngere Schätzung) | Basiert auf **72 Mrd. geleisteten Stunden** pro Jahr von Frauen und Berechnungen der Ökonomin Christine Rudolf. |

| **Zum Vergleich: Nettolöhne aller Arbeitnehmer** | **780 Milliarden Euro** (2013) | Der Wert der gesamten unbezahlten Arbeit übersteigt die Summe aller in Deutschland gezahlten Nettolöhne und -gehälter. |

| **Internationale Einordnung (OECD)** | BIP-Steigerung um **30 % bis 50 %** | Schätzung der OECD, um wie viel das BIP eines durchschnittlichen Mitgliedslandes stiege, würde unbezahlte Arbeit einberechnet. |

### 🔍 Ein genauerer Blick auf die Zahlen

* **Die Berechnungsmethode macht den Unterschied**: Die Unterschiede in den Schätzungen ergeben sich aus der Bewertungsmethode. Das **Statistische Bundesamt** berechnete für 2013 eine Bruttowertschöpfung der Haushaltsproduktion von 987 Milliarden Euro, was 39 % des damaligen BIP entsprach. Die neuere Analyse der **Ökonominnen Christine Rudolf und Verena Löffler** für das DIW Berlin weist allein für die unbezahlte Arbeit von Frauen einen Wert von 825 Milliarden Euro aus, basierend auf 72 Milliarden Stunden jährlich.

* **Das Geschlechtergefälle ist zentral**: Unbezahlte Arbeit ist in Deutschland sehr ungleich verteilt. Frauen leisteten im Jahr 2022 mit durchschnittlich fast 30 Stunden pro Woche deutlich mehr unbezahlte Arbeit als Männer (knapp 21 Stunden). Das entspricht einem **Mehraufwand von etwa 9 Stunden pro Woche**, was in der Statistik als **Gender Care Gap von 44,3 %** ausgedrückt wird. Insgesamt werden etwa zwei Drittel aller unbezahlten Arbeitsstunden von Frauen erbracht.

* **Einordnung ins BIP**: Das Bruttosozialprodukt (BSP) und das hier verwendete BIP sind eng verwandte Messgrößen. Das BIP misst die Wirtschaftsleistung innerhalb eines Landes, während das BSP die Leistung aller Inländer erfasst – für eine grobe Einordnung sind die hier genannten Verhältnisse daher direkt übertragbar.

### 💎 Zusammenfassung

Die Arbeitsleistung, die Frauen durch unbezahlte Hausarbeit erbringen, ist enorm. Würde man sie mit einem fiktiven Lohn vergüten, entspräche dies Schätzungen zufolge einer Summe von **rund 825 Milliarden Euro pro Jahr**. Dies entspricht etwa einem Drittel bis zur Hälfte des gesamten deutschen Bruttoinlandsprodukts. Diese Zahlen verdeutlichen, dass diese Tätigkeiten das wirtschaftliche Fundament der Gesellschaft bilden.

Falls Sie tiefer in das Thema einsteigen möchten, fragen Sie einfach nach. Ich helfe gerne weiter.