20 Kommentare
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Avatar von Matthias Schmitz

Kann es nicht einfach nur sein dass eine komplette Übererfüllung von Konsumgütern vorliegt?

Schon in den 80ern war man in kritischen Kreisen überzeugt davon dass man nicht noch mehr Konsumgüter braucht .

Jetzt hingegen kann man sich von Reizüberflutung, vollgestellten Hintergärten und Kellern nicht mehr retten.

Bin im Handel tätig und gebe dem strukturellen Zwang zur Übersättigung mehr negative Bedeutung als es meinem Beruf gut tut.

Erhöhter Nachfragedruck wird meines Erachtens das Grundproblem nicht lösen.

Danke

Avatar von KontraKapital

Unternehmen produzieren im Kapitalismus systematisch eine Überproduktion. Das steht im Widerspruch dazu, dass Löhne als Kosten angesehen werden, die Unternehmen reduzieren wollen. Auf der eine Seite wollen Unternehmen so viel verkaufen wie möglich, auf der anderen Seite wollen sie so geringe Löhne zahlen wie möglich. Beides gleichzeitig geht nicht. Das ist der Widerspruch im Kapitalismus, an dem das System untergehen wird.

Avatar von Matthias Schmitz

Ich denke dass es verschiedene Formen kapialistischen Daseins gibt .

Diejenigen der dem perfekten Markt (incl aller Externalisierungen) nahekommt ist mMn langfristig am Resilientesten.

Nicht dass ich den Kapitalismus so schön finde aber eigennützliche Arbeitsmotivation als Antrieb sollte nicht gekappt werden.

Wäre Überproduklion mit negativer internalisierter Kostenstruktur versehen hätten wir eine dynamische selbstregulierende Grenze des optimalen Nutzens . Wo die liegt ist natürlich nicht so leicht zu ermitteln. Beim CO2 versucht man es ja ganz plausibel.

So pauschal würde ich nicht mehr an dieses Thema Kapitalismus ja/nein rangehen.

Avatar von KontraKapital

Es gibt keine perfekten Märkte. In der Theorie ja, aber in der Realität nicht. Märkte tendieren nur in Ausnahmefälle zu einem Gleichgewicht. Und ich bin auch für eigennützliche Arbeitsmotivation, die gibt es aber in der Lohnarbeit nicht. Die meisten Leute gehen arbeiten, weil sie ökonomisch dazu gezwungen sind. Dass heißt, sie gehen notgedrungen lediglich einer Arbeit nach, die der Kapitalismus ihnen auf dem Arbeitsmarkt anbietet und das auch nur des Geldes wegen. Und Kapitalismus kann nicht existieren ohne Überproduktion. Wenn sie die Löhne aller Arbeitnehmer zusammen rechnen, dann können sie damit nicht alles kaufen, was von den Arbeitnehmern selbst produziert wurde. Und daraus folgt die Überproduktion. Das Problem kriegt man im Kapitalismus nicht gelöst.

Avatar von Marius Vogel

Das Problem wurde die letzten Jahre damit gelöst das man einfach alles exportiert hat. Dann kann man die Löhne niedrig halten und trotzdem große Gewinne erzielen. Dieses Geschäft läuft jetzt immer schlechter und daher kommt es zum Problem für die Unternehmen.

Avatar von Matthias Schmitz

Deshalb spreche ich ja vom "Nahekommen" .

CO2 Bepreisung ist schliesslich auch eine Methode um Umweltexternalitäten in Preise zu fassen.

Genauso könnte man es bei anderen Marktverzerrungen gestalten.

Avatar von Spatz

Das liegt aber auch an weitaus mehr als alleine an der "Übersättigung" . Das Überangebot kommt ja 1. Durch den Zins und Zinseszins Effekt der sich über das ständige Überangebot und 2. über die sinkende Realkaufkraft sich zeigt.

Die einen immer mehr Verkaufen und Produzieren als gebraucht wird und die anderen haben immer weniger Geld in der Börse um sich das auch wenigstens ansatzweise das sich leisten zu können was Angeboten wird.

Auf der Anderen Seite und das meinst du ist das psychologische Horter Verhalten. Also die Menschen können sich von alten Dingen einfach nicht trennen. Wie der berühmte Röhrenfernsehr der seid 35 Jahren im Keller vor sich hergammelt und daneben die restlichen Fernsehr die noch aus Zeiten des Booms und das sich noch leisten können stammen.

Wärend der 6 Jahre alte Fernsehr im Wohnzimmer schon längst seine "geplante Veralterungserscheinung" zeigt wird aus Kostengründen kein neuer geholt.

Dieser Effekt kommt zum einen durch immer weitere Sozial-Steuern wegen Millionen Illegaler im Land die durchgefüttert werden ohne etwas dafür geleistet zu haben und es auch nicht tun werden. Und auf der anderen Seite die Hyperreichen durch Erbe und den Zins und Zinseszins Effekt den ihr geerbtes Vermögen Leistungslos ihr Vermögen sich vermehrt.

Diese beiden Faktoren plus Bochum Ideologische Aufladung sorgen dafür, daß wir insgesamt schlechten Zeiten leben.

Avatar von Matthias Schmitz

Das verbilligen von Konsumgütern im Gegensatz zur Instandhaltung dessen habe ich dabei mehr im Auge sowie auch die (teilw.künstlich generierte) Verteuerung von Grundbedürfnissen.

Nein, ich sehe das offenbar viel systemischer als Sie , kann jetzt aber nicht alles aufdröseln.

Während die einen Ökonomen und Poltiker irgendetwas besteuern wollen existiert das Grundproblem weiter ohne die Ursachen zu klären. Aber den Aufsatz dazu spar ich mir jetzt. Grob vereinfacht lässt sich sagen dass Vermögensaufbau rechtlich und ökonomisch vom Einkommenzuwachs entkoppelt ist und fast niemand etwas gegen dieses leistungsloses Abschöpfen tun will. MMTler und Postkeynsianer leider auch nicht. Die gesamte Mathematik der Kostenauslagerungslogik stimmt nicht, Migration hin oder her.

Millionen "Illegale" wäre hierbei ein Reizthema, ich sage aber soviel , dass ich Migration als einer der Folgekosten neoliberaler Wirtschaftspolitiken sehe die nicht eingeplant wurden. So viel dazu in der Kürze.

Übersättigung ist eine Folgeerscheinung weil (bewusst!) Folgekosten NICHT internalisiert werden. Ich hoffe das ist einigermassen verständlich formuliert.

Avatar von Spatz

So fast das gleiche was ich meine. Ergo eine ziemlich lange Formel mit Faktoren die zu diesen Ergebnis geführt haben. Dessen Erklärung viel zu lange dauern würde.

Belassen wir es einfach dabei, das auch Maurice mit seinen Vorschlag Symthome Bekämpfung betreibt und die Kosten auf Zukunft verschiebt.

Avatar von Matthias Schmitz

Nagut.

Es ist allzu leicht aneinander vorbeizuargumentieren.

Danke.

Progressiv sein ist anscheinend ein relatives nichtlineares Ding ;)

Avatar von Spatz

Naja wie die alte Frage ob 6 oder 9 die Zahl auf dem Boden ist. :)

Avatar von Joerg-Uwe Steuk

Es erstaunt doch immer wieder, wie wenig über die Ursachen der Krise diskutiert werden. In einer Krise, hervorgerufen durch fehlende Nachfrage, ist es doch naheliegend, die Nachfrage zu stärken. Danke Maurice für die Zahlen, die ja klar und deutlich

unterstreichen, wo das Problem liegt. Merz und der CDU wird immer wieder wirtschaftliches Denken unterstellt. Bloß weil sie Anzüge tragen und Krawatten? Wir brauchen mehr Binnennachfrage. Punkt.

Avatar von Hajo Zeller
Dec 3Bearbeitet

Viele Menschen glauben, weil die CDU unternehmerfreundlich sei, habe die CDU Ahnung von Wirtschaft. Das ist ein Trugschluss. Unternehmer haben - hoffentlich - Ahnung von Betriebswirtschaft. Leider können die meisten Unternehmer jedoch nur bis zum Zaun ihres Betriebsgeländes blicken. Von gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen haben die keinen Schimmer.

Heiner Flassbeck: Warum sind die Unternehmer nur so dumm? https://www.relevante-oekonomik.com/2025/08/26/warum-sind-die-unternehmer-nur-so-dumm/ Hajo Zeller: Einkommen der Unternehmen https://www.widerborstig.de/einkommen-unternehmen.pdf Heiner Flassbeck "Gesamtwirtschaftliche Paradoxa und moderne Wirtschaftspolitik" https://www.widerborstig.de/lautebach-flassbeck-st%C3%BCtzel.pdf

Avatar von Matthias Schmitz

Eine Diskussion auf der Ebene der Falsch/Richtig-Überheblichkeit zu führen endet mit demselben Kulturkampf den man ja eigentlich nur bei den jeweils anderen Akteuren vermutet.

Ja, die CDU ist oft betriebswirtschaftlich argumentierend dabei Volkswirtschft zu erklären, ähnliches kann man aber auch bei progressiveren Parteien diagnostizieren.

Avatar von Martin

Nächstes Jahr 3 Billionen Euro Schulden für Deutschland. Die Lösung soll noch mehr Schulden sein?

Avatar von Frances Fleischmann

Das Problem ist, dass man denkt, man müsste das Geld mehr in die Industrie stecken. Nur wenn die Bevölkerung von Steuerlast, hohe Preise für die Ernährung und fast unbezahlbare Mieten bezahlen müssen, wie sollen sie noch die Konjunktur stützen? Da kann man kein Elektro Auto für 40.000 Euro kaufen.

Avatar von Hajo Zeller

Maurice schreibt: «Der beste Moment für ein Konjunkturpaket von Schwarz-Rot war an Tag 1 der Koalition. Der nächstbeste wäre jetzt.»

Stimmt.

Aber von Merz, Klingbeil, Reiche & Co ein Kunjunkturprogramm zu erwarten, das die Nachfragelücke schließt, ist genauso sinnlos, wie zu erwarten, ein Schneemann im Winter könne den darauf folgenden Frühling und Sommer überleben.

Avatar von Tilo Schaar

Das mit dem gesunkenen Reallohn stimmt wohl, aber was ein erheblicher Einfluss zusätzlich ist, ist das sich langsam ändernde Konsumverhalten, die Produkte werden langlebiger (dank eu öko Design vo) und die Leute wie ich haben schon zu viel von allem und das Bewusstsein verzichten zu müssen obwohl Geld da wäre. Tut mir leid liebe Händler, versucht besser langlebigere und damit natürlich teurere Produkte anzubieten. Und fangt an die billigketten zu attackieren- vergleichende Werbung ist doch erlaubt.

Avatar von Henry Stahl2zwei5

Aufgrund meines eigenen Konsumverhaltens und dem vieler mir bekannter Menschen habe ich den starken Verdacht, dass der bestehende Bedarf nach Konsumgütern immer weniger von den inländischen Einzelhandelsunternehmen gedeckt wird, die bei Umfragen bezüglich des Weihnachtsgeschäfts befragt werden. So hat mich beispielsweise seit langer Zeit kein Baumarkt mehr gesehen, da ich meinen einschlägigen Bedarf regelmäßig durch Bestellungen bei chinesischen Lieferdiensten zu sehr günstigen Preísen decke. Ich frage mich daher, inwieweit mehr Geld in den Taschen der Bürger die Situation des deutschen Einzelhandels tatsächlich verbessern würde.

Avatar von Matthias Schmitz

Da ist was dran..

Den unteren 10 bis 20% ist allerdings so einiges an Mehr zu gönnen.

Solange Nicht-Nachhhaltigkeit mit Wettbewerbsvorteilen garniert ist wird es keine grundlegenden Änderungen beim Konsumverhalten geben können, egal ob die Waren aus China , USA oder Norwegen usw stammen.